Seit Jahren sind sie an den Markttagen in den zwei Wochen vor Ostern heiss begehrt: die Ostereier von Susanne Stauffer, in verschiedenen Brauntönen, verziert mit Mustern von Gräsern, Kräutern und Blättern. «Vor 12 Jahren habe ich etwa 200 bis 300 Eier gefärbt für den Markt. Inzwischen sind es rund 1300 Stück mit Mustern und dazu noch etwa 400 ohne Muster, die an Firmen und verschiedene Betriebe gehen, die vor Ostern ein Eiertütschen veranstalten.»

Vor rund zwei Wochen begann sie mit dem Färben und verkaufte bereits letzte Woche Ostereier auf dem Markt. «Eine Frau erklärte mir, sie kaufe die 30 Eier für ihre Tochter, die in London lebt. Diese sei jetzt gerade in den Ferien hier und nehme sie mit zu ihrer Familie, um am Ostersonntag Eier zu tütschen. Ich hätte nie gedacht, dass meine Eier so weit reisen.» 

Heimarbeit im Winter

Die Arbeit beginnt aber schon wesentlich früher: In den Wintermonaten schneidet Susanne Stauffer die Strümpfe zurecht, in die die Eier eingepackt werden. «Vor ein paar Jahren erhielt ich aus einem Nachlass einer Dame eine ganze Kiste voller Strümpfe, die meisten neu und ungetragen. Das hat den Bedarf für lange Zeit abgedeckt», sagt sie. Kundinnen bringen der Bauersfrau, die jeden Freitag an ihrem Stand mit Salat, Gemüse, Obst, Beeren und anderen saisonalen Produkten aus dem eigenen Betrieb anzutreffen ist, ebenfalls Strümpfe vorbei.

Sobald die Natur zu spriessen beginnt, geht Susanne Stauffer auf Kräutersuche. «Das ist nicht immer einfach: Letztes Jahr beispielsweise war das Wetter gar nicht auf meiner Seite und es war schwierig, schöne Gräser und Kräuter zu finden.» Die warmen Temperaturen der letzten Wochen hätten das Wachstum begünstigt. Aber: «Der letzte Sommer war so trocken, dass etliche Gräser und Kräuter dieses Jahr gar nicht mehr wachsen, weil sie eingegangen sind.» Sie habe aber doch noch genügend schöne Pflanzen finden können.

Freilandeier aus der Region

Wichtigster Bestandteil der Ostereierproduktion sind die Eier. Susanne Stauffer bezieht diese heuer erstmals von Stotzer Büren a.A., einer Geflügelfarm, die Eier aus Freilandhaltung anbietet. «Mir ist wichtig, zu wissen, woher die Eier kommen. Billige Importeier würde ich nie verwenden», sagt Susanne Stauffer. Ob weisse oder braune Eier spiele keine so grosse Rolle, sagt sie. Aber sie bevorzuge die weissen, weil sich die Muster besser abheben.

Das Einpacken der Eier sei überhaupt nicht schwierig, erklärt sie: Auf ein zurechtgeschnittenes Stück Strumpf legt sie ein, zwei Kräuter, darauf das Ei. Dann hebt sie die Ecken des Strumpfvierecks an und dreht sie über dem Ei straff zusammen. Am Schluss wird das Ganze mit einer Schnur fixiert.

Kochen im Akkord

Zum Färben verwendet Susanne Stauffer einen Sud aus Zwiebelschalen, Walnuss- und Baumnusskernen. Der Sud wird in einer Pfanne mit Innensieb aufgekocht, wie sie normalerweise für Teigwaren verwendet wird. Susanne Stauffer hat sich gleich zwei davon angeschafft. Die eine Pfanne mit dem Sud steht auf dem Induktionskochfeld mit Timer, die andere, gefüllt mit kaltem Wasser, im Waschbecken daneben. Die verpackten Eier kommen ins Sieb und 10 Minuten ins heisse Wasser. «Sie kochen aber nicht die ganze Zeit, denn dann wären sie zu trocken. Ich mag es, wenn sie innen noch leicht wachsig sind.»

Danach werden sie im kalten Wasser abgeschreckt. Das dient nicht etwa dem Zweck, sie nachher besser schälen zu können, wie manche meinen. «Sie sollen einfach nicht weiterkochen. Das ist alles.»

Strumpf und die Kräuter werden entfernt, die fertigen Eier anschliessend mit kaltgepresstem Rapsöl oder Sonnenblumenöl eingerieben. «So bekommen sie nicht nur den schönen Glanz, sondern werden auch etwas konserviert. Eine Haltbarkeit von 14 Tagen, sogar ausserhalb des Kühlschranks, ist so problemlos möglich.»

Die Eier unterscheiden sich in der Färbung. Einige haben die Farbe stärker angenommen als andere. Woran das liegt, kann Susanne Stauffer nicht sagen. Nur, woran es bestimmt nicht liegt: «Sicher nicht am Futter, das die Hühner fressen. Ich denke eher, es liegt einfach an der Veranlagung jedes einzelnen Huhns, welche Beschaffenheit die Schale hat.»

Übrigens: Ganz frische Eier lassen sich schlecht schälen. Das liegt an der sich verändernden Bindung der Proteine von Innenhaut und Ei. Sie ist beim frisch gelegten Ei stark und lässt mit zunehmendem Alter aufgrund verschiedener chemischer Prozesse nach. Susanne Stauffer hat ihre Eier schon vor einigen Tagen erhalten und kühl gelagert. «Da wird niemand Schwierigkeiten beim Schälen haben.»

Einen Geheimtipp verrät Susanne Stauffer noch: Damit die Eier nicht platzen beim Eintauchen ins kochende Wasser, lagert sie sie eine Nacht lang vor dem Färben im Heizungsraum. «Wenn sie warm sind, besteht sozusagen keine Gefahr mehr.» Ihr sei in diesem Jahr bisher nur ein einziges Ei beim Kochen kaputt gegangen.

Hobby gibt etwas Taschengeld

Reich wird man nicht beim Ostereierfärben. Schon gar nicht, wenn man den Erlös auf die aufgewendeten Stunden umrechnet. 6–7 Stunden Färben, 10–12 Stunden einpacken, 1–2 Stunden Kräuter sammeln. Nicht gerechnet die Stunden, in denen sie die Strümpfe zurechtschneidet.

«Für mich ist es ein Hobby. Jedes Hobby kostet normalerweise, bei meinem verdiene ich sogar noch ein Taschengeld», sagt Susanne Stauffer schmunzelnd. «Mein Mann ist begeistert von meinem Hobby, vor allem, weil es nur vier Wochen dauert.»

Morgen Gründonnerstag findet der vorgezogene Freitagsmarkt statt. Susanne Stauffer verkauft dort ihre Ostereier.

Der Gewerbeverband Grechen GVG veranstaltet von 9–12 Uhr unter dem Stadtdach ein Eiertütschen – natürlich mit Eiern von Susanne Stauffer.