Grenchen
Obernarr Thomas Meister: «Ich spüre ein Ziehen und Stossen junger Kräfte»

Grenchen erwacht aus der Ruhe und beginnt mit den fasnächtlichen Vorbereitungen. Auch die Grenchner Jugend hilft tatkräftig mit und bringt neuen Schwung mit. Für Thomas Meister ist es die letzte Fasnacht als Obernarr.

Andreas Toggweiler
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Thomas Meister trägt die Plakette des Grenchner Obernarrs.

Thomas Meister trägt die Plakette des Grenchner Obernarrs.

Oliver Menge

Kaum ist der neue Stapi an der Macht, wird er schon wieder abgelöst. Kommt denn Grenchen nie zur Ruhe ...?

Thomas Meister: Grenchen definiert sich nicht zwangsläufig nur über den Stadtpräsidenten, sei es nun der alte oder der neue. Und der darf sich nun nach einer Woche Amtszeit zur Ruhe setzen, bis Aschermittwoch. Er kann die Ferien sicher gut gebrauchen, hat er doch bis zum letzten Tag noch am Gericht geschuftet. Wenn Sie aber Grenchen als Stadt meinen, so erwacht sie nun aus der Ruhe und beginnt mit den fasnächtlichen Vorbereitungen, welche in sechs Wochen ihren Höhepunkt erreichen werden.

Was erwartet uns, wenn die Narren am Montag das Zepter übernehmen?

Freude, Spass, Jubel, Trubel, Heiterkeit, dazu eine wunderschöne, von Marc Reist gestaltete Grenchner Fasnachtsplakette aus Swatch-Stahl, welche wir ans Revers der Jacke hängen; viele schöne Stunden der Fasnachtsvorbereitung, bei der die Bevölkerung einmal mehr und einmal weniger mit einbezogen wird.

Mit der Grenchner Fasnacht geht es immer etwas auf und ab. Wie gross ist der Schwung, den Sie zurzeit verspüren?

In meinem Alter ist der Schwung langsam begrenzt. Sie müssen verstehen, dass ein Grossvater wie ich da nicht mehr ganz mithalten kann, aber die Jungen machen sichtbar Druck und wollen mir das Ruder aus der Hand nehmen. Und das ist auch gut so. Ich werde ja während der Fasnacht das Obernarrenamt neuen tatkräftigen Händen übergeben. Diego der Erste wird mein Nachfolger, und dass der keinen Schwung habe, da habe ich keinen Kummer. Ich spüre von seiner Seite her nicht nur Schwung, sondern ein Ziehen und Stossen ganz neuer junger Kräfte. Das heisst also, ich lehne mich im Lehnstuhl zurück, geniesse ein Glas Rotwein und meine Zigarre - und der Junior macht den Job.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs der Grenchner Narren aus? Gelingt es, junge Fasnächtler zu motivieren?

Also da haben wir nicht ganz so arge Probleme wie andere Vereine, unseren Nachwuchs zu rekrutieren. Es gibt ja ganz viele neue junge Kräfte, die sich in den VFZ-Chargen beweisen, neue Ideen vorbringen und die auch langsam umzusetzen vermögen.

Fasnacht gilt ja per se eher als eher konservativ. Bekommen diese Nachwuchskräfte auch Freiraum für neue Ideen?

Sie sprechen vielleicht die Verschiebung der geplanten Einführung einer noch grösseren Guggennight am Fasnachtsamstag an. Die ist nicht schon dieses Jahr ins Leben gerufen worden, weil die VFZ konservativ ist, sondern weil die Mehrheit demokratisch entschieden hat, sich nicht auf ein finanzielles Risiko einzulassen. Die VFZ wollte kein zweites Badifest. Unser Obergugger Sascha Rüfenacht ist jedoch schon jetzt mit grossem Elan dabei, die bestehende Guggennight kontinuierlich auszubauen, sodass die Vergrösserung mit einer zweiten Bühne zwangsläufig im nächsten Jahr in Angriff genommen werden muss. Generell muss ich sagen: Ideen haben und Ideen umsetzen sind zwei Paar Schuhe, aber wer Ideen hat und umsetzen will, stösst bei mir und bei meinem Nachfolger Diego Kummer sicher auf offene Ohren und unterstützende Hände.

Welche Neuerungen sind an dieser Fasnacht angesagt?

Eine Fasnacht ist immer neu. Alle Kostüme, alle Beizendekos, alle Umzugswägen, alle Schnitzelbänke, alle Fasnachtszeitungen, eigentlich alles ist neu, nur der Rahmen bleibt etwa der gleiche - und das Pippi-Langstrumpf-Lied der Cocoloris ... Neu plant unser Umzugschef Urs Rösselet zusammen mit den neuen jungen Kräften am Schmutzigen Donnerstag einen Nachtumzug. Wie der genau aussehen wird, können wir jedoch nicht sagen. Hier sind doch noch einige Dinge, auch verkehrs- und versicherungstechnische Fragen, zu lösen. Sie sehen also: Es kann sich nicht jeder Alte so wie ich einfach in den Schaukelstuhl setzen und die Jungen machen lassen. Der Umzugschef chrampft bis zu seiner Pensionierung, wie vor 20 Jahren.

Inwiefern sind die Schulen für den Kinderumzug eingebunden?

Da ja dieses Jahr keine Ferien während der Fasnacht sind, können wir davon ausgehen, wieder einmal in 800 leuchtende Kinderaugen am Umzug blicken zu dürfen. Die Lehrerschaft und die Kindergärtnerinnen und Kitaleiterinnen unterstützen uns da mächtig und der neue Chindernarr Pädu Meier hat schon alles voll im Griff und legt einen gewaltigen Elan an den Tag. Der Kinderumzug sowie der Kinderball werden, falls das Wetter mitspielt, ganz sicher zu einem Glanzpunkt der Fasnacht 2014.

Gibt es auch genug fasnächtlich interessiertes Publikum in Grenchen oder bleiben die Fasnächtler eher unter sich?

Das kommt ganz und gar auf den Anlass an. Plausch, Chesslete, Kinderfasnacht, Guggennight, Beizenfasnacht, Umzug und Bööggverbrennen sind ganz sicher öffentliche Anlässe, Goschennacht, Ballacoa, Fanscombo der Hilari, Schlussamendparty etc. sind Anlässe, wo sich Fasnächtler unter sich treffen. Mit der Seniorenfasnacht am Freitagnachmittag gehen aber die Fasnächtler auch bewusst auf das Publikum zu, welches nicht mehr ganz so mobil ist, sodass alle etwas von der Fasnacht haben.

Wird es wieder einmal einen grossen Fasnachtsball geben oder sind diese Zeiten endgültig vorbei?

Ein Ball hat immer etwas mit Tanzen zu tun und ein Fasnachtsball auch noch mit Damentour. Leider ist die heutige Musik ausser der lateinamerikanischen total ungeeignet, dieses Treiben zu unterstützen. Und ausserdem ist kaum noch eine Frau, geschweige denn ein Mann des Tanzens mächtig. Also was wollen Sie mit einem Ball in dieser Situation? Das ist wie Klimaerwärmung und Eisbär. Es verträgt sich ganz einfach nicht. Es müssen alternative Formen solcher Fasnachtsanlässe verfolgt werden. Einfach alte Zöpfe loslassen. Dass dies bestens funktioniert, zeigen Goschennacht, Höllefuer und Mooreball klar auf.

Wie machen eigentlich die Grenchner Wirte mit?

Der eine ja, der andere nein. Aber wir haben uns nicht zu beklagen.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Auf die Fasnacht insgesamt. Es gibt nicht den speziellen Anlass, auf den ich mich besonders freue, man kann die Chesslete nicht mit dem Bööggverbrennen vergleichen oder den Umzug mit dem Plausch, das Risottoessen mit der Goschennacht. Das sind alles Highlights, die sich vom Hilari her aneinanderreihen, bis sie in der Asche des Bööggs versinken. Und dann gehen wir noch zur Hilarizunft, um das Jubiläum zu feiern. Auf was ich mich aber doch speziell freue, ist, dass ich am Fasnachtssonntag das Zepter in die Hände des wohl jüngsten Obernarren aller Zeiten, nämlich die von Diego Kummer, legen kann und weiss, dass es mit der Fasnacht aktiv weitergeht.

Wie ist Ihre Bilanz und was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Um Bilanz zu ziehen, ist es mir noch zu früh. Meinem Nachfolger wünsche ich alles Gute, robuste Gesundheit und viel frohe Stunden - nicht nur während der Fasnacht. Ich bin sicher, die Fasnacht in die richtigen Hände zu geben. Das muss ich so sagen, schliesslich hatte er ja auch schon meine älteste Tochter in seinen Händen ...