Wie geht es dem Obernarr so kurz vor Hilari?

Obernarr Diego Kummer: Auf der einen Seite relaxed, auf der anderen Seite angespannt, weil er noch viel zu erledigen hat.

Sind also Ferien geplant?

Nicht für Hilari, aber über die Fasnacht bin ich zwei Wochen nicht im Büro. Viele sind der Meinung, die Fasnacht fange mit dem Schmutzigen Donnerstag an. Für den Obernarr aber definitiv früher. Man hat eine Schonfrist bis ungefähr September, dann beginnen diverse Aktivitäten.

Also findet die Fasnacht quasi das ganze Jahr über statt?

Wir haben zum Beispiel zwei Vertreter zum «Coffre ouvert» geschickt, um die Lithografien zu zeigen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Daraus ist sogar ein Onlineshop entstanden, in dem Fasnachtslithos bestellt werden können.

Onlineshop? Ist die Fasnacht Grenchen «modern» geworden?

Ganz bestimmt. Wir haben unsere Homepage bewusst derart gestaltet, dass auch Berichte über die Fasnacht dort erscheinen können, wenn sie Sinn machen, also närrisch genug sind oder gute Vorabinformationen liefern. Der Online-Narr Vic Zanon kümmert sich sehr gut um diese Projekte.

Auch die jüngere Generation wird vermehrt angesprochen?

Ja, zum Beispiel haben wir im Rahmen des Ferienpasses mit Kindern Fasnachtslarven gemalt, rund 25 Kinder haben mitgeholfen. Wir sind daran, für diese Kinder auch einen Wagen zu gestalten, auf dem sie am Umzug teilnehmen können.

Schraubt der Obernarr hier selber mit?

Also die Idee entstammte den Vereinigten Fasnachtszünften. Dieser habe ich mich dann angenommen und mit dem Ferienpass soweit alles koordiniert, um das Ding für die Ausführung ziemlich zügig an den Kindernarr Patrick Meier weiterdelegiert.

An ausgewählten Tagen habe auch ich am Wagen mitgeschrüblet, obschon ich als Bürogummi nicht gerade dazu prädestiniert bin. Auch sonst haben wir das Jahr hindurch Anlässe durchgeführt.

Wir haben am 9.9. die Bööggenzunft gegründet, damit wir darauf zählen können, zukünftig auch wirklich einen schönen Böögg zu haben, und nicht wie letztes Jahr auf einen Plan B oder «Plan FCG» ausweichen müssen. Obschon meines Erachtens der ganz schön brannte und der FCG schliesslich wie Phoenix aus der Asche stieg.

Steht die Hilari-Rede?

Letzte Woche habe ich mich einen Abend lang darangesetzt und die Rede innert dreier Stunden niedergeschrieben. Alt-Ober Tommy Meister hat mir noch geholfen, ein paar wenige Passagen zu veredeln, aber im Grossen und Ganzen steht die Rede.

Worum geht es in der diesjährigen Hilari-Rede?

Das verrät der Obernarr definitiv nicht, denn sonst kommt ja keiner an den Hilari. Aber es wird munter zu- und hergehen. Und wer mich kennt, weiss, dass ich langwierig werden kann und darum auch mehrere Themen in die Rede verpackt habe.

Schreibt der Obernarr auch die Textpassagen, die der Stadtpräsident vorträgt? Kann der das nicht selber?

Das ist so Tradition. Der Obernarr schreibt auch diese Passagen. Der Stadtpräsident hat bloss ein nicht toleriertes Vetorecht. Er darf zwar eine eigene Meinung dazu haben, aber im Grunde hat der Stapi auch gar nicht die Qualifikation – die Zeit dafür.

Was wird die erste Amtshandlung sein nach der Machtübernahme? Was muss sich ändern?

Dafür werde ich mir etwas Zeit lassen. Als neuer Stadtpräsident muss ich den Wandel ja nicht gleich in den ersten Tagen vollziehen. Aber auf den Schmutzigen Donnerstag hin werden wir doch versuchen, das eine oder andere positiv zu bewegen.

Was ist neu an der Grenchner Fasnacht 2016?

Das Motto «monschtröös» verpflichtet: Wir wollen eine monströs grosse, geile und coole Fasnacht erleben. Das Gerüst steht im Grunde ja schon und wird nicht verändert. Neu haben wir beispielsweise jemanden, der sich ums Marketing kümmert.

Alles kommt um einiges professioneller daher als früher. Aufgrund der Homepage, auf der wir uns nach aussen präsentieren, gelangten auswärtige Guggenmusiken an uns, die gerne hier spielen würden.

Auswärtige Guggenmusiken?

Ja, wir haben zwei Formationen aus Basel und eine aus Luzern, die hier spielen werden. Die eine übernachtet auch in Grenchen, und das ist doch auch positiv, dass der Fasnachtsdrive auch bis in die Geschäftswelt reicht.

Was gibt es sonst Neues?

Wir haben versucht, die Grenchner Fasnacht etwas zu öffnen. Ausgewählte Vereine und Institutionen wurden kontaktiert und gefragt, ob sie nicht Lust hätten, für den Umzug etwas vorzubereiten.

Und so wie es aussieht, wird es einige coole Nummern geben. Nicht dass wir den Umzug ins Endlose verlängern wollten, aber doch nach aussen signalisieren, hey, kommt doch nach Grenchen und schaut euch die coolen Wagen und Guggen an.

Wie bringt man die Jungen dazu, am Samstag nicht nach Solothurn an die Fasnacht zu gehen?

Durch ein attraktives Rahmenprogramm. Wenn man nichts anbietet, verreisen die Jungen nach Osten. Ich selber kann das nicht nachvollziehen, denn wir haben hier die Bar-Wägen, die Guggennight bis tief in die Nacht und anschliessend kann man in den Beizen weiterfesten.

Viele dieser Beizen sind auch Zunftlokale und haben DJs organisiert. Man muss nicht extra in den Zug oder ins Taxi einsteigen, um in die ohnehin komplett verstopften Gassen zu gelangen. Der grosse Unterschied zwischen Solothurn und Grenchen: Grenchen ist nicht Kommerz, ist familiär, man kennt sich noch.

Aber beispielsweise die Chesslete: Da geht es doch nicht um Kommerz und gleichwohl gehen viele Grenchner doch lieber nach Solothurn?

Also wenn man für die Mehlsuppe etwas bezahlen muss – wenigstens in manchen Beizen – dann ist das doch sehr wohl Kommerz. Bei uns geht es nicht ums Geldmachen. Wir wollen die närrische Zeit nützen, das Jahr zu rekapitulieren, jemandem, bei dem es gerechtfertigt ist, ans Bein zu pinkeln, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.

Die Chesslete bleibt ein Sorgenkind? Was tut man, um auch die Jungen dazu zu animieren?

Wir haben zwei Oberchesslerinnen, die die Chesslete aktiv promoten, in den Schulen vorbeigehen und dort informieren. Wir wollen erreichen, dass die Kinder von Anfang an involviert sind, obschon klar ist, dass man ein so grosses Brauchtum, wie eine Fasnacht, nicht in so kurzer Zeit erklären kann.

Ist der Obernarr zufrieden mit seinem «Personal»?

Sehr sogar. Ich hatte zwar ein paar Pendenzen, beispielsweise ist der Obergugger abgesprungen, Sascha Rüfenacht, der aufgehört hatte und letztes Jahr nochmals zurückkam. Aber bis letzten Oktober wusste ich nicht, wer jetzt die Guggennight schmeissen soll.

Mit Mischu Baier von den Schuelschwänzern haben wir nun aber jemanden mit langer Guggenerfahrung und welcher sehr gut verknüpft ist, der das Ganze marketingtechnisch vorwärtsgebracht, auf Facebook veröffentlicht hat und nun haben wir wieder zehn Guggen, die an der Guggennight spielen.

Neu wird wöchentlich jeweils eine dieser Guggen auch auf Facebook vorgestellt.

Gibt es auch weitere Neuerungen?

Ja, fürs Bisiwätter werden wir auf vielfachen Wunsch neu Toi Tois aufstellen. Und am Plausch werden «Rüebli und Moos» im Rahmen ihrer Abschiedstournee ebenfalls einen Auftritt haben.

Der Kinderumzug findet traditionellerweise wieder am Schmutzigen Donnerstag statt, damit die Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülern nach dem Aschermittwoch in die Ferien düsen können. Und zu guter Letzt wird erstmals der «monschtrööse» Fasnachts-Böögg am grossen Umzug vorgestellt.