Das ist ganz offensichtlich keine gewöhnliche Vorstellung. Das Bühnenbild steht erst rudimentär. Es wird noch gezimmert und gebastelt. Der Autor Rick Abbott (deutsche Fassung: Hannes Zaugg Graf) nimmt uns denn auch mit auf eine Reise ins Innenleben eines Laientheaters. Gespielt werden soll das Kriminalstück «Ein abscheulicher Mord». Nun, nur ein paar Tage vor der Premiere liegen die Nerven der Mitwirkenden blank. Die Schauspieler sind mit dem Text noch kaum vertraut, ergehen sich dafür umso ausgelassener in verbalen Spitzen gegen die Mitspieler.

Der Regisseur ist ohne Skript, dafür mit Salat bewehrt und versucht einigermassen die Disziplin aufrechtzuerhalten, und auch die Inspizientin und Souffleuse kann nur partiell mithelfen, denn auch ihre Textvorlage ist unvollständig. Zuzuschreiben ist dies alles vor allem der Autorin, die in höheren esoterischen Sphären schwebt und in ihrem Erstling ein Manuskript abliefert, das ob seiner Ungereimtheiten nicht geeignet ist, die Schauspieler zu beruhigen. Dass sie regelmässig in die Proben platzt, um weitere Szenen und absurde Ideen einzubringen, mach das ganze natürlich nicht einfacher.

Das kann nicht gutgehen

Als die Hauptprobe ansteht, spürt man, dass das nicht gut gehen kann. Und tatsächlich. Patzer reiht sich an Patzer, Versprecher an Versprecher, die falschen Betonungen nehmen ein tragisch-komisches Ausmass an. Es herrscht ein Kosmos aus Angst und Schrecken, welches durch einen Wutausbruch des Regisseurs auch nicht gemildert wird. «Nur irgendwie durch» scheinen sich die Schauspieler nun zu sagen und spielen die geforderte Szene in einem atemberaubenden Tempo, nur um sie darauf so schleppend träge wiederzugeben, als dürften sie die Bühne nie mehr verlassen.

Ob dieser Vorzeichen kann ja die Premiere nur misslingen. Die total verunsicherte Truppe lässt nun kein Fettnäpfchen mehr aus. Es herrscht das totale Chaos. Irgendwie gelingt es dann doch, das Rätsel der Rubin- oder Diamantenkette zu lösen und einen Mörder zu überführen. Ein reinigendes Gewitter erlöst schliesslich die erschöpften Schauspieler, die zu Recht vom Publikum gefeiert werden.

«Spilet wyter!» ist Theater im Theater. Die Aufgabe ist für die Schauspieler denkbar schwierig, denn sie müssen gleich zwei Rollen interpretieren, die des Laienschauspielers und die eines Teilnehmers an einem Diner in der adeligen, englischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dazu bedarf es auch eines besonderen Geschickes, absichtlich falsch oder fehlerhaft zu agieren. Regisseur Alex Truffer nimmt sich Zeit, die Charaktere in das Geschehen einzuführen. Und das ist gut so. Denn das Stück nimmt immer mehr Fahrt auf und verlangt nicht nur von der glänzend aufspielenden Truppe, sondern auch vom Publikum stetige Präsenz.

Herrlich unbedarft

Benjamin Obrecht gibt den Edelmann mit viel Authentizität und sparsamer, aber ausdrucksstarker Mimik, Pia Schild überzeugt als Lady und als Zielscheibe so mancher «Fotzeleien», Bruno Meier geniesst ganz offensichtlich sein Wirken als Bösewicht und Absender zahlreicher ironisch-zynischer Bemerkungen, Roman Weber trifft den gelangweilten bis genervten Millionärs-Schnösel bestens. Herrlich unbedarft interpretiert Stefanie Taboada Rocha ihre Rollen, ebenso überzeugend agiert Alexandra Hauser.

Lilian Jeannerat ist als abgehobene Autorin eine Wucht. Das gleiche gilt es von Felisa del Rio als überforderte Inspizientin und Souffleuse zu sagen. Davide Bruno spielt den der Verzweiflung nahen Regisseur mit viel Verve und Beat Jeannerat scheint sich als Bühnentechniker, der nicht gerade zur Beruhigung des Geschehens beiträgt, ebenfalls sehr wohl zu fühlen.

Premiere ist am Samstag, 7.März. Weitere Aufführungen: www.schopfbuehne.ch