«Gleich bei der Ankunft wurden wir erst einmal verregnet», erzählt Karin Aebi, die Leiterin des diesjährigen Sommerlagers im Ferienheim der Stadt Grenchen. Das war am Montag, als die Gruppe, bestehend aus 30 Kindern – von Drittklässlern bis Sechstklässler – den drei Lehrpersonen Karin Aebi, Nadine Gangi und Marc Scheier, sowie zwei Partner und sieben kleineren Kindern des Leitertrios mit dem Zug von Grenchen nach Biel und Ligerz fuhren, dann aufs Funi umstiegen und mit der Standseilbahn hoch nach Prägelz fuhren. «Wir hatten das grosse Glück, das der Vater eines der Kinder das ganze Gepäck schon in Grenchen in einen Anhänger packte und zum Ferienheim fuhr, so mussten die Kinder ihre Rucksäcke und Taschen nicht schleppen.»

Der Ansturm für die Ferienwoche war ausserordentlich gross. Während vor wenigen Jahren das Sommerlager mangels Anmeldungen sogar einmal abgesagt werden musste, waren es in diesem Jahr über 40 Kinder, die gerne mitgekommen wären. Das hatte zur Folge, dass die Schulverwaltung den Eltern von über zehn Kindern eine Absage erteilen musste, etwas, das laut Andrea Baumgartner, die seit über 10 Jahren die Lager organisiert, noch nie vorgekommen war.

Im Heim angekommen wurden die Kinder vom Abwartsehepaar Thomas und Monika Iseli in die Hausregeln eingeweiht: Keine Strassenschuhe im Haus, keine Hausschuhe draussen, wie man mit Spielsachen und Geräten umgehen muss und so weiter. Auch über das Verhalten im Brandfall wurde informiert, wohin die Kinder flüchten sollen und wo die Besammlungspunkte sind. Danach gings ans Ämtliverteilen: Tische putzen, Esssaal aufräumen, Tisch decken – und und und.

Nach dem Mittagessen wurde am Montag eine Vorstellungsrunde durchgeführt. Alle Kinder erhielten ein Namensschild aufgeklebt, ebenso die Lehrpersonen. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und so ging man nach draussen, um die Grenzen des Geländes abzulaufen und um Hölzer zu sammeln. Alle Kinder waren mit Begeisterung bei der Sache, denn aus den gesammelten Stöcken sollten tags darauf Flösse gebastelt werden.

Unter der Anleitung von Marc Scheier und This Aebi, dem Gatten von Karin Aebi, banden die Schülerinnen und Schüler Dienstagmorgen in Zweierteams die Stöcke mit einer rezyklierbaren Schnur zusammen, befestigten an einem Mast ein Jute-Segel, ebenfalls ein Material, das ohne Problem in der freien Natur verrotten kann. Die Flösse sollen heute Mittwoch in der Twannbachschlucht zum Einsatz kommen. Denn heute steht eine Wanderung durch die Schlucht, eine Schifffahrt und ein Badibesuch auf dem Programm, sofern das Wetter es zulässt.

Da wird es keinem langweilig

Den Dienstagnachmittag verbrachten die Kinder ebenfalls draussen: Unter dem Motto «Diebesbande» wurden allerlei bewegungsreiche Spiele rund ums Haus herum gespielt. Am Abend standen dann drei Filme zur Auswahl: «Madagaskar», «Findet Nemo» und «Ratatouille». Um das Kino-Erlebnis echt wirken zu lassen, gabs selbstverständlich Popcorn.

Nur haben die Kinder im Gegensatz zum echten Kino dieses aus eigens dafür hergestellten und individuell geschmückten Popcorn-Tüten geniessen können. Für welchen Film man sich letztlich entschloss, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Den einschlägigen Bemerkungen, vor allem der älteren Schülerinnen gemäss, dürfte «Ratatouille», der Zeichentrickfilm über die blitzgescheite Ratte, die so gut kochen kann und in Paris ein Gourmetrestaurant übernimmt, das Rennen gemacht haben.

Anspruchsvoller Menuplan

Am Donnerstag will Thomas Iseli den Grill anwerfen. Geplant ist ein Abend am Lagerfeuer, statt des üblichen Disco-Abends. Der letzte Abend würde nur bei schlechtem Wetter drinnen durchgeführt. Der Donnerstag ist übrigens auch der einzige Tag, an dem auch Schweinefleisch im Angebot ist. «Es sind zehn Muslime dabei, deshalb habe ich für die ganze Woche viel Poulet eingeplant.»

Überhaupt ist die Menuplanung recht anspruchsvoll: Nebst den zehn Moslems hat ein Kind eine Lactoseintoleranz, eines ist allergisch auf Erdnüsse, Soja und Schokolade und eines ist Vegetarier. «Man lernt gut lesen», so Iseli. Beispielsweise muss er darauf achten, dass in den Riegeln, die er den Kindern zum Zvieri abgibt, ebendiese Stoffe nicht enthalten sind.

Wie es den Kindern im Ferienheim Prägelz gefällt, ist übrigens ab Donnerstag im Lagertagebuch nachzulesen, das sie für diese Zeitung verfassen.