Die Mitglieder des FC Grenchen zerbrechen sich den Kopf, wie es mit ihrem Verein weitergehen soll. Nach dem niederschmetternden Nein der Grenchner Bevölkerung im letzten Oktober zu einem Kunstrasen hatte die Geschäftsleitung des FC unisono den Rücktritt auf den 30. Juni dieses Jahres erklärt. «Ich schlage mein Buch FC Grenchen zu», sagte Finanzchef und Mäzen Urs Erb an der GV im Stadion Brühl.

Der Unternehmer hat in den letzten Jahren rund 1 Million Franken in den FCG gesteckt. «Das ist viel Geld, auch für mich», hält er fest. Und: Es sei traurig, so der seit rund 20 Jahren für den FCG engagierte Erb, wenn dieser Traditionsverein in der Nachbarschaft oder irgendwo um Trainingsmöglichkeiten betteln müsse.

Zudem sei dem FCG an dessen 100-Jahr-Jubiläum 2006 der Kunstrasen von der Gemeinde versprochen worden. Das sei für ihn auch Motivation gewesen. Eine, gelinde gesagt, ungeschickte Abstimmungspropaganda, just seitens der Behörden, habe schliesslich, so Erb, massgeblich zum vernichtenden Nein geführt. Offenbar sei den Grenchnerinnen und Grenchern die Zukunft des FCG egal. Und dafür wolle er sein Portemonnaie nicht mehr öffnen.

Fluri als Sportchef vorgeschlagen

Der gleiche Frust wie aus dem Hauptsponsor hat auch bei Juniorenobmann Jorge Tomas, Sportchef Reto Andres und Präsident Mario Bernasconi zur Demission geführt. Daher stellte Letzterer der versammelten Mitgliederrunde die Frage: «Wer will sich in Zukunft in der Geschäftsleitung des FC Grenchen engagieren?» Bislang sei erst ein Mail von einem ihm unbekannten Herrn eingegangen, der sich mit Bekannten für den FCG engagieren wolle. «Nicht finanziell, aber in Leitungsfunktionen.»

Der betreffende Absender der «Bewerbung» wollte, wenn es sich zeitlich einrichten lasse, an der GV dabei sein und sich zeigen - aufgetaucht ist er allerdings nicht. «Ich werde mich mit dem Herrn treffen, um die Sache zu besprechen», so Bernasconi. Schliesslich musste der Präsident feststellen, dass sich «niemand von den anwesenden Mitgliedern für ein GL-Mandat zur Verfügung stellen will».

André Steiner, ehemaliger Nationalliga-Spieler des FCG, portierte stattdessen seinen einstigen Mitspieler René Fluri. Letzterer stellt sich für das Amt des Sportchefs zur Verfügung. «Ich habe meinen Job gemacht - jetzt seid ihr dran», forderte Steiner seine Mit-Mitglieder auf, in ihrem Umfeld, wie er, nach geeigneten Kandidaten zu suchen.

Fusion ist immer schwierig

Bisweilen hektisch wurde um eine allfällige Fusion debattiert. Es sei höchste Zeit, sich mit den anderen zusammenzuschliessen und Synergien zu nutzen, meinen die einen. Eine Fusion durchziehen brauche Zeit - bis im Sommer sei das nie umsetzbar, mahnen andere. Dritte halten eine Fusion - am ehesten zwischen Wacker, Fulgor und dem FC - für unmöglich. Die Probleme würden schon bei der Namensgebung des neuen Vereins beginnen.

Geschweige denn Alteingesessene der jeweiligen Klubs zu überzeugen. Die Geschichte hat den einen oder anderen Zwist zwischen den Grenchner Fussballklubs gezeitigt. Trotzdem: Die Noch-Geschäftsleitung des FCG will sich des Begehrens annehmen und die Lage sondieren. In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen.