Uhrenindustrie

Nichts neues in Grenchen: Immer wieder traten Krisen auf

Die Uhrenfabrik Adolf Girard im Jahre 1894.

Die Uhrenfabrik Adolf Girard im Jahre 1894.

Ende August beginnt im Kultur-Historischen Museum eine Arbeitsausstellung zum Thema Krisen, Angst und Arbeitslosigkeit. In einer fünfteiligen Serie beleuchten wir die Hintergründe von «Unruhige Zeiten».

Es waren jeweils verschiedene Gründe, die schliesslich zu einer wirtschaftlichen Krise in der Uhrenindustrie führten. Immer aber war die Gesellschaft betroffen.

An Versammlungen der SP in den noch goldig glänzenden 60er-Jahren meldete sich immer wieder bald dieser oder jener aus dem Kreis der alten Kollegen zu Wort und warnte die Anwesenden vor dem möglichen Ausbruch einer neuen Krise. Der Warner konnte sich dabei auf den Übervater der Grenchner Geschichtsschreibung, auf Werner Strub, berufen.

Dieser schrieb im «Heimatbuch Grenchen: «Ein Nachteil der Uhrenindustrie ist ihre starke Krisenempfindlichkeit. Diese aber ist in der Natur der Industrie begründet.» Strub meinte damit, dass einer es sich mehrmals überlege, ob er eine defekte Uhr ersetzen wolle oder nicht. Dieses «oder nicht» beeinflusse den Markt und somit auch den möglichen wirtschaftlichen Gewinn der Uhrenindustrie. Nun, die Warner wurden nicht ernst genommen. Von einigen allerdings schon. Doch davon später.

Werner Strub zählte für die Zeit von 1806 bis 1933 nicht weniger als elf Krisen und rund 40 Krisenjahre in der heimischen Uhrenindustrie.

Was Arbeitslose unternahmen

In der Krise von 1921 bis 1923 beschloss der Grenchner Gemeinderat, für Arbeitslose sogenannte «Lehr- und Bildungskurse» durchzuführen. Arbeitslose Männer waren verpflichtet, in der Woche zehn Kursstunden zu absolvieren, arbeitslose Frauen dagegen nur zu sechs. Neben Gartenbau und Gesundheitslehre sowie weiteren schulischen Fächern erhielten die Kursteilnehmenden auch Unterricht in Literatur und Zeichnen. 200 Arbeitslose waren bei der von der Bodenverbesserungsgenossenschaft durchgeführten Drainage der Grenchner Witi beschäftigt. Dies brachte für die Gemeindekasse eine merkliche finanzielle Entlastung. Trotzdem konnte nicht verhindert werden, dass Grenchen beim Kanton Geld holen musste, um die Arbeitslosenunterstützung auszahlen zu können.

In unserer Stadt erinnerte man sich allerdings immer und immer wieder an die Krisenjahre Anfang der 30er-Jahre. Und wenn betagte ehemalige Arbeiter in den «Goldenen Fünfzigern und Sechzigern» ihre Kollegen oft warnten, erinnerten sich diese an diese Arbeitslosenzeit. In diese Zeit fällt, nicht zufällig, die Gründung des Flugplatzes durch einen der Uhren-Patrons, durch Adolf Schild. Die Entwässerung des zukünftigen Flugfeldes bot mehreren Arbeitslosen auf Wochen Verdienst. Der Flugplatz Grenchen ist neben der Bergstrasse, die von Arbeitslosen erstellt wurde, wohl das grösste Diversifizierungs-Projekt auf Grenchner Boden. Vor allem wird hier deutlich, dass in Grenchen immer und immer wieder, und das bis in die jüngste Gegenwart, versucht wurde, eine breitere wirtschaftliche Ausrichtung zu erreichen.

Anregungen vermitteln

Uns beschäftigt daher vor allem die jüngste Krise. Die Ausstellung im Kultur-Historischen Museum soll nicht zuletzt Anregungen vermitteln, wie mit der Arbeitslosigkeit umgegangen werden kann. Zu glauben, es gebe niemals mehr grosse Arbeitslosigkeiten, wäre töricht. Sind wir vorbereitet?

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