Hand aufs Herz, wissen Sie, wieso gerade heute der Vorverkauf für den Plausch lanciert oder am 1. März der Aschermittwoch zelebriert wird? Die Antwort ist einfach: Der Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühjahr ist der Ostersonntag. Von diesem Datum ausgehend, zählt man 46 Tage zurück (40-tägige Fastenzeit plus die sechs Sonntage, an denen man essen darf …), und schon steht das Datum des Aschermittwochs fest. Doch dieses Wissen alleine macht niemanden zum Narren oder zur Närrin. Es braucht engagierte Menschen, die solche Traditionen weitergeben.

Eine Person, die im Stillen seit rund 40 Jahren vieles für die Fasnacht getan hat, ist Hanspeter Zumstein (Zumi). Als Wagenbau-Chef der Hilarizunft entwarf und realisierte er Umzugswagen, die sich an jedem Rosenmontagszug hätten sehen lassen können. Legendär das nachgebaute Dorf der Familie Feuerstein. Manchmal war es nicht ungefährlich. Man erinnert sich an die Situation, als der heutige Vize-Stadtpräsident mit der Konfetti-Kanone eine Ladung bunter Papierschnipsel durch das offene Fenster einer Wohnung schoss und damit fast ein Feuer entfachte. Oder als sich der frühere Stadtpräsident Eduard Rothen den Arm brach, als man ihn entführen wollte. Es wird dieses Jahr Zumis 32. und letzter Wagen sein; geniessen wir den Augenblick. Wäre Zumi Schauspieler oder Musiker, er erhielte einen Preis für sein Lebenswerk. Verdient hätte er die Anerkennung.

In Sachen Fasnacht hat uns Solothurn mit seinen Gassen und zahlreichen Lokalen den Rang abgelaufen. Vorbei die Zeiten, als die Uhrenstädter und Auswärtige in Restaurants wie Bahnhof, Rössli, Schwyzerhüsli, Löwen, Touring und Commerce maskiert die Beizenfasnacht feierten. Schlimmer für die Seele der Fussballstadt ist die Tatsache, dass der FC Solothurn heute mehrere Ligen über uns kickt. Auch unseren Marktplatz können wir trotz Stadtmarketing nicht mit der Seminarmeile der Ambassadorenstadt vergleichen. Auf unseren Hausberg führt keine moderne Gondel, wie sie der Weissenstein kennt. Unsere mia kränkelt, während die HESO boomt. Und die Filmtage ziehen ungleich mehr Menschen an als unsere Wohntage. Und trotzdem wird sich unser östlicher Nachbar über eine bestimmte Sache ärgern ... Grenchen ist wieder die zweitgrösste Stadt im Kanton und liegt damit vor Solothurn. Allein dies dürfte Stoff für gute Schnitzelbänke geben.

Treffende Schnitzelbänke, Fasnachtszeitungen mit feinfühligem Humor oder witzige Parodien zu produzieren wird, immer schwieriger. Es fehlen heute die Stadtoriginale. Wo sind sie geblieben? Hat unsere Gesellschaft keinen Platz mehr für schräge Vögel? Wären ihre Aussagen und Handlungen nicht so traurig, würden die Präsidenten der USA, Russland, Türkei oder Philippinen viel Material für Fasnachtsthemen liefern. Unsere Narren erobern die Stadt und geben die Macht am Aschermittwoch wieder zurück. Leider gilt das nur für unsere Narren und nicht für verschiedene Präsidenten dieser Welt.