Stadtführung

Neuzuzüger erklären, warum sie jetzt in Grenchen wohnen

Seit einigen Jahren wird in Grenchen regelmässig eine Stadtführung für Neuzuzüger durchgeführt. Derenzahl nimmt seit einiger Zeit wieder kontinuierlich zu. Was erwarten die Teilnehmer von ihrem neuen Wohnort und was vermissen sie?

Ein Frühsommerabend am Postplatz, der sich nach Feierabend langsam leert. Vor dem BGU-Büro versammelt sich eine Gruppe von Personen. Alle sind sie in den letzten Wochen neu nach Grenchen gezogen, einer Stadt notabene, die bei nationalen Wohnqualitäts-Rankings regelmässig hintere Plätze belegt. «Ich sehe das überhaupt nicht so», meint Petra Stoll. «Meine Lebensqualität hat sogar sehr zugenommen, seit ich hier bin», meint die Deutsche, die im Begriff ist, aus dem Aargau zuzuziehen. «Und das ins hier offenbar verrufene Lingeriz-Quartier», lacht sie. Doch sie liebe das Multikulti-Umfeld.

Die aus dem Grossraum Frankfurt stammende fühlte sich an ihrem letzten Wohnort nicht wohl. «Das war mir alles zu eng».Sie schätze ferner die guten Einkaufsmöglichkeiten, die grüne Umgebung, Kinos. «Es hat hier alles was eine kompakte Kleinstadt braucht», meint Stoll, die im in Biel in der Medizinaltechnik arbeitet.

Inzwischen, auf dem Marktplatz angelangt, beginnt Stadtführer André Weyermann von den Anfängen Grenchens zu erzählen, oder besser gesagt, von den ersten Funden auf dem heutigen Gemeindegebiet. Dann erklärt er, wie Grenchen erst nach 1851 mit dem «Import» der Uhrenindustrie in kürzester Zeit vom Bauerndorf zur Stadt wurde.

Gute Einkaufsmöglichkeiten

Auf dem Weg über dem eingedolten Stadtbach Richtung Süden erklärt Yvan Mayor, dass er sich in Grenchen gut eingelebt habe. Mayor ist bilingue und als selbständiger Übersetzer und Auditor tätig. Von Bern zugezogen und jetzt seit April unweit des Südbahnhofs zu Hause, schätzt er die Verkehrsverbindungen und Einkaufsmöglichkeiten. «Man kann natürlich nicht direkt mit Bern vergleichen, aber für eine Kleinstadt ist es hier okay.» Man spüre auch eine gewisse Offenheit der Leute.

Beim Kunsthaus erläutert Weyermann die Büste von Urs Schild-Rust und die Bedeutung der drittgrössten Grafiksammlung der Schweiz. Es gibt auch Leute, die einfach hierher ziehen, weil es hier einen Job gibt. So die junge Frau aus Österreich, die anonym bleiben möchte. Sie arbeitet im Gesundheitswesen und kommt aus der Grossstadt. Bis jetzt vermisse sie nichts, sagt sie. - Aber vielleicht kommt ja das Heimweh noch.
Beim Hallgarten-Hochhaus hören wir etwas über die Bauten der 1950er- Jahre, deren Erhalt der Stadt unter anderem zum Wakkerpreis verholfen hat.

Auch das Breitling-Werk auf beiden Seiten der Bahn ist ein architektonisches Thema. Max und Erika Hauri sind ebenfalls aus Bern gekommen und konnten an der Mazzinistrasse bauen. «Hier findet man an zentraler Lage noch erschwingliches Bauland», sagt Hauri, der angibt, als Berater zu arbeiten. Wichtig sei ihm zudem die Nähe zur Westschweiz. «Meine welschen Kunden möchten nicht zu weit in die Deutschschweiz kommen».

Nicht beide sollen pendeln

Beim Obrecht-Denkmal spielen eine Handvoll ETA-Angestellte im Schatten Pétanque. On parle français. Auf dem Weg Richtung Parktheater erklärt Roland Hiltbrand, dass er neuerdings in Grenchen wohnt, weil seine Frau hier arbeitet. Er selber pendelt von Grenchen nach Langenthal. «Es genügt, wenn einer einen längeren Arbeitsweg hat». In Grenchen finde man sich bisher zurecht. Und wenn man mehr brauche, sei es ja nicht weit nach Solothurn oder Biel. Eine Pensionärin schliesslich, die keine Namensangabe wünscht, ist aus dem Wallis zugezogen. «Ich habe nur eine Witwenrente. Hier kann ich mir eine Wohnung leisten», sagt sie.

Entwicklung der Einwohnerzahl (netto) der Stadt Grenchen: Januar +89, Februar+36, März+11, April +22, Mai+19

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