Grenchen
Neues Leben kehrt ein in die Däster-Schild-Villa

Die Stiftung Schmelzi kann eine ihrer Wohngemeinschaften für einige Monate an der Rainstrasse 3 unterbringen. Während dieser Zeit wird das Castello an der Tunnelstrasse, in dem die Leute normalerweise leben, komplett saniert und umgebaut.

Oliver Menge
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Die Däster-Schild-Villa in Grenchen im April 2020
39 Bilder
Die Schmelzi darf die Villa als sogenannte «Gebrauchsleihe» für die Dauer der Sanierung des Castellos benutzen.
Dann bleibt die Klingel nicht ungenutzt
Der Blick quer durch vier Räume mit wertvollen Böden.
Insgesamt gibt es im Haus 24 Zimmer.
Vor dem Einzug der Bewohner sind noch kleine Eingriffe nötig
In der Küche braucht es noch eine Abwaschmaschine.
Das Haus wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und war ursprünglich als Bauernhaus konzipiert.
Alte Däster-Schild-Villa
Der Park ist gross
Das ganze Areal umfasst 5000 Quadratmeter
Zurück ins Haus
In den Jahren zwischen 1900 und zirka 1925 war das Haus herrschaftlich ausgebaut worden.
Im alten Badezimmer müssen einige Anpassungen vorgenommen werden.
Blick ins Grüne: Was mit dem grossen Haus und der Parkanlage geschehen soll ist noch offen.
Ein weiteres Bad
Eine weitere Toilette
Unter dem Dach
Die Mansarde
Und zum Schluss noch der Estrich

Die Däster-Schild-Villa in Grenchen im April 2020

Michel Lüthi

Vor einem Jahr kaufte die Stiftung Schmelzi die Liegenschaft Castello an der Tunnelstrasse. Sie hatte der Stiftung Alterszentren Grenchen gehört und die Schmelzi war dort schon seit einiger Zeit eingemietet. Aber eine Sanierung des Gebäudes ist dringend nötig, um den Anforderungen längerfristig gerecht zu werden, die es für die Unterbringung von Wohngruppen zu erfüllen gilt.

Aktuell ist dort eine Wohngruppe mit 12 Personen und rund sieben Betreuern untergebracht und man machte sich auf die Suche nach einer Ersatzliegenschaft für die Dauer der Sanierung. «Wir haben diverse Möglichkeiten ausgelotet», sagt Stiftungsrätin Jannine Stüdeli. Eine Lösung mit Containern wurde geprüft, da das Alterszentrum am Weinberg ebenfalls eine Sanierung vorsieht und eine solche Lösung in Betracht zieht. Das habe aber einerseits zeitlich nicht gepasst, andererseits sei eine solche Lösung doch sehr teuer.

«Wir haben die Suche letztlich auch über Grenchen hinaus ausgeweitet, bis zum Balmberg, nach Solothurn, aber wurden nicht fündig.» Da hatte Kurt Boner, Vizepräsident des Stiftungsrats und ehemaliger Chef des SDOL die zündende Idee mit der Villa Däster-Schild an der Rainstrasse vis-à-vis der Eusebiuskirche. Seit dem Tod der Uhrendynastie-Erben Rosmarie Däster-Schild, der Enkelin von Uhrenpatron Adolf Schild-Hugi (Assa), und ihrem Ehemann Armin Däster Ende 2018, stand die Villa leer. Das Ehepaar hatte schon zu Lebzeiten selber eine Stiftung gegründet, die in Grenchen und im Kanton Solothurn kulturelle, soziale und ökologische Projekte unterstützen.

Wer wird in die Villa umziehen?

Berit Ducommun, Leiterin der Institution der Schmelzi-Stiftung, sagt zu dieser Frage: «Die Stiftung Schmelzi bezweckt die Aufnahme, Betreuung und Gesundheitsförderung von Menschen, die im Bereich der psychosozialen Eigenständigkeit Unterstützung benötigen. Diese sollen ihren persönlichen Fähigkeiten und ihrer aktuellen Lebenssituation entsprechend begleitet und unterstützt werden. Dafür sorgt ein Team, das sich aus diplomierten Fachpersonen aus den Bereichen Sozialpädagogik, Psychiatrie und Sozialarbeit zusammensetzt.

In der Wohngemeinschaft Castello leben derzeit zwölf Menschen im Alter zwischen 20 und 46 Jahren, welche Unterstützung in der Gestaltung des Alltages benötigen. Wir begleiten sie auf ihrem Weg in die grösstmögliche Selbstständigkeit und legen grossen Wert auf individuelle und zielorientierte Betreuung, welche auf einem Drei-Phasen-Modell basiert. Einer Orientierungs- und Kennenlernphase, einer Entwicklungsphase und einer Austrittsphase.» Darauf aufbauend sucht man gemeinsam nach einer passenden Anschlusslösung nach dem Castello-Aufenthalt.

Der Stiftungsrat der Däster-Schild Stiftung kam der Stiftung Schmelzi sehr entgegen: Die Schmelzi darf die Villa als sogenannte «Gebrauchsleihe» für die Dauer der Sanierung des Castellos benutzen, kostenlos. «Dafür sind wir natürlich äusserst dankbar», betont Jannine Stüdeli.

Einige Anpassungen müssen vorgenommen werden

Bevor jetzt aber die Bewohner des Castellos in die Villa umziehen können, müssen dort einige bauliche Massnahmen umgesetzt werden. «Es handelt sich dabei um kleine Eingriffe. So werden beispielsweise einzelne Zimmer für die Bewohner unzugänglich gemacht, um das wertvolle Interieur der Villa zu schützen.

Weiter wird ein WLAN eingerichtet und die sanitären Anlagen zum Teil ersetzt. Es braucht beispielsweise einen abschliessbaren Medizinalschrank, der in einem abgeschlossenen Raum steht, eine Abwaschmaschine in der Küche und manche Türen zu den Zimmern müssen so modifiziert werden, dass sie von innen nicht verriegelt werden können.» Die Villa steht zwar nicht unter Denkmalschutz, dennoch wurde die kantonale Denkmalpflege im Zuge der Vorbereitungen hinzugezogen. So ist ein Raum beispielsweise mit einer wertvollen Goldtapete tapeziert oder ein anderes Zimmer, welches als Sitzungszimmer für das Betreuungspersonal vorgesehen ist, verfügt über kostbare Einbauschränke.
In der Woche vom 11. Mai soll der Umzug über die Bühne gehen: 10 Bewohnerinnen und Bewohner plus sieben Betreuer ziehen um vom Castello in die Villa Däster-Schild. Zwei der jetzigen Bewohner des Castellos kommen in anderen Wohngruppen unter.

Das Castello an der Tunnelstrasse werde in der Folge komplett saniert, wie Jannine Stüdeli erklärt: «Vom Dach, über eine energetische Fassadensanierung, neue sanitäre Anlagen bis hin zu neuen Böden – das ganze Gebäude wird komplett saniert.»

Veranschlagt sind rund 750000 Franken für den Umbau. Das Architekturbüro Bigolin Crivelli ist damit beauftragt. Die Arbeiten sollten spätestens Ende Jahr abgeschlossen sein. Dann können die Bewohner wieder aus ihrem zwischenzeitlichen, herrschaftlichen Wohnsitz mit Parkanlage in ihr angestammtes, saniertes Domizil umziehen.

Die Villa, die eigentlich keine ist

Das grosse Haus mit 24 Zimmern an der Rainstrasse 3 wurde Ende des 19. Jahrhunderts anstelle eines Vorgängergebäudes gebaut, das abgebrannt war, erklärt Philipp Abegg, Präsident der Däster-Schild-Stiftung. Es war als Bauernhaus konzipiert: rechts vom Eingang der Wohntrakt, links davon das Tenn und die Stallungen.

Als Adolf Schild-Hugi, ein begnadeter Uhrmacher und Hersteller von Uhrwerken, als Uhrenpatron zu einigem Vermögen gelangte, liess er im «landwirtschaftlichen» Teil des Hauses Zimmer einbauen, unter anderem ein grosses Wohn-Esszimmer und eine Bibliothek. Die Familie brauchte Platz, schliesslich waren da acht Kinder. Auch der Rest des Hauses wurde in den Jahren zwischen 1900 und zirka 1925 herrschaftlich ausgebaut.

Rosmarie Däster-Schild, die Enkelin von Uhrenpatron Adolf Schild-Hugi, erbte das Haus und lebte dort mit ihrem Gatten Armin Däster-Schild. Als beide ins Altersheim umzogen, wurden die wertvollsten Stücke und ein Grossteil des Inventars unter der Aufsicht von Rosmarie Däster-Schild noch zu ihren Lebzeiten verkauft, darunter wertvolle antike Möbel und Bilder bekannter Schweizer Künstler, wie beispielsweise von Kuno Amiet. Am 2. Dezember 2018 starb Rosmarie Däster-Schild, ihr Gatte Armin Däster-Schild folgte ihr nur gerade zwei Tage später.

Bei der anschliessenden Räumung des Hauses durch die Stiftung wurde ein Teil der noch vorhandenen Dinge, die von lokalhistorischem Interesse waren, ans Kultur-Historische Museum und ans Stadtarchiv übergeben. Ein Teil wurde am Schmelzi-Flohmarkt verkauft.
Geerbt haben nach dem Tod des Ehepaars 10 Stiftungen, wie Abegg sagt, die eigene Stiftung den Löwenanteil des Vermögens und das Haus.

Was mit dem grossen Haus und der Parkanlage geschehen soll – das ganze Areal umfasst 5000 Quadratmeter – sei noch offen, sagt der Stiftungspräsident. Nach der Gebrauchsleihe an die Schmelzi-Stiftung werde die Stiftung einen sorgfältigen Prozess anstossen, um zu evaluieren, wie weiter mit dem Gebäude verfahren werden solle. Unter Einbezug der verschiedenen Stakeholder, der Stadt und des Denkmalschutzes. «Wir haben Zeit und können sorgfältig, umsichtig und langfristig planen, da wir nicht darauf angewiesen sind, kurzfristige Profite zu erwirtschaften», erklärt Philipp Abegg.

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