Herr Bläsi, Sie sind 59, haben viel erreicht im Leben und treten ein Amt an, von dem Sie wissen, dass die Untergebenen teilweise gegen Sie sind. Warum machen Sie das?

Hubert Bläsi: Ich sehe das aus ganz anderer Perspektive. Ich habe ja nicht jahrelang auf diesen Job hingearbeitet. Als es aber konkret wurde mit dieser Stelle, erkannte ich darin das fehlende Puzzleteil meiner beruflichen Laufbahn. Denn ich sehe mich mit meiner Erfahrung in Grenchen und anderswo in der Lage, diese Gesamtschule zu führen.

Aber eine Aussprache mit den Schulleitern wird nötig sein, oder?

Das ist klar. Ich werde mich nicht auf einen Machtkampf einlassen. Die Geschäftsleitung Schulen Grenchen hat sich ja schon teilweise erneuert. Personelle Veränderungen sind bereits im Gang und auch weiter zu erwarten.

Sie haben nicht mehr viel Zeit. Grenchner Chefbeamte gehen etwa mit 63.

Wenn ich bis 65 arbeite, dann sind dies immerhin sechs Jahre.

Was möchten Sie in dieser Zeit erreichen?

Sicher das Ziel umsetzen, das wir uns mit dem Schuldirektor gesetzt haben. Nämlich den Schulen ein Gesicht, einen Ansprechpartner geben, nebst den Führungsaufgaben gegen innen. Mein Ziel ist es, dass die Schulen auch präsenter werden im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Grenchens. Denn sie sind ja zweifellos ein wichtiger Teil der Stadt. Ich möchte das aber im Team erreichen und jeden unterstützen, der mitzieht. Und ich möchte, dass die Leute nach diesen sechs Jahren sagen können, schade dass er wieder geht.

Das Wahlverfahren war, gelinde gesagt, turbulent. Wie haben Sie es erlebt?

Ich wusste ja ein Stück weit schon, auf was ich mich in diesem Klima einlasse und hätte mir auch gewünscht, dass ich am Ende nicht einziger Kandidat bin. Doch das war ja nicht absehbar. Was mich am meisten forderte, war das Gerede allenthalben, ohne dass ich persönlich viel Feedback erhalten hätte. Das war für mich und insbesondere meine Familie eine Belastung. Umso mehr haben mich die vielen Gratulationen weit über Grenchen hinaus gefreut, als meine Wahl bekannt wurde.

Ihre Frau ist Lehrerin in Grenchen, Ihre Tochter neuerdings auch. Wird die Grenchner Schule ein Familienbetrieb Bläsi?

Ich werde in meinem Job nichts mit ihnen zu tun haben, den sie sind ja ihren entsprechenden Schulleitern unterstellt und nicht direkt mir. Meine Aufgaben haben überdies mit dem Unterricht kaum etwas zu tun. Wir wären ja blöd, wenn nur schon der Anschein entstehen würde, dass etwas nicht sauber läuft. Wie das in jedem professionellen Umfeld üblich ist, werden wir Job und Privatleben - weiterhin - klar trennen.

Kürzlich hat sich ein muslimisches Mädchen geweigert dem Stadtpräsidenten die Hand zu geben. Ist Ihnen das auch schon passiert?

Mir persönlich nie. Ich kenne diesen Fall zwar, da ich im selben Schulhaus unterrichte. Die Situation war nicht absehbar, da das aus dem Ausland frisch zugezogene Mädchen bisher nur Lehrerinnen hatte.

Schüttelt man sich an den Grenchner Schulen eigentlich oft die Hände?

Ja, und wie! Immer, wenn die Schule beginnt und endet. Und ich finde es eine gute Sache, ein wichtiger Teil der Kommunikation. Man spürt die gegenseitige Befindlichkeit, schaut sich in die Augen - oder eben nicht, gibt ein Feedback, das ein Gemeinschaftsgefühl schafft.

Sehen Sie ein Problem auf die Schule zukommen, das man reglementieren muss?

Wohl kaum. Man sollte versuchen, jeden Einzelfall, falls er denn eintritt, situativ und pragmatisch anzugehen. Die Angelegenheit mit den Berührungen ist ja schon vom Sportunterricht her bekannt.

Und wenn das nicht geht, müssten Sie als Schulchef jetzt das letzte Wort haben. Wie wäre dieses?

Dass man sich an die hiesigen Verhältnisse anzupassen hat.