Letzte Woche ist es wieder zu Vorfällen gekommen. Wie Schulleiter Thomas Mikolasek berichtet, hat der Mann das Auto eines Lehrers mit einem Gegenstand beworfen. Später habe er eine Frau belästigt, welche mit dem Auto die Kinder von der Schule abgeholt habe. Laut Aussagen von Kindern, die der Zeitung zugetragen wurden, hat der Mann auch wieder das Schulhausgelände betreten, obwohl ihm das behördlich verboten worden ist.

Tatsächlich sagte I. Z. bei früherer Gelegenheit, er sei «allergisch gegen Elterntaxis». Der Autoverkehr im Quartier dürfte ein möglicher Auslöser für die erneute Eskalation sein. Die Sekundarschulreform hat in Grenchen dafür gesorgt, dass die Elterntaxis trotz stetiger Eindämmungskampagnen wieder zugenommen haben. Denn im Zentrum gibt es keine Primarschule mehr.

Eskalation hüben und drüben

Aber auch der psychische Zustand des Mannes ist schon länger Gegenstand von Diskussionen. Mit der eigenwilligen «Gartengestaltung» tut Z. selber alles dafür, dass diese Diskussionen nicht abbrechen. Alle fragen sich aufgrund der Affichen, «Täfeli» und Schriftzüge: Hat der Typ noch alle Tassen im Schrank?

Die Schulleitung Halden kündigte in einem Flugblatt kurzfristige Massnahmen an. Die Glas-Portale auf der Nordseite «werden ab sofort einseitig geschlossen», heisst es. Die Pausenaufsicht durch die Lehrpersonen werde verstärkt und die Schülerinnen und Schüler werden angewiesen «die Haldenstrasse zu meiden und sich unauffällig zu verhalten.»

Das dürfte Wunschdenken sein, benützen doch vor allem ältere Schüler dem Vernehmen nach immer wieder die Gelegenheit, den Mann zu reizen. Manche Jugendliche finden offenbar Gefallen am Katz-und-Maus-Spiel, betrachten das gar als Mutprobe. Bei der Polizei heisst es, man mache regelmässige Patrouillen. Von der Option, dauerhaft einen Polizisten auf dem Gelände zu postieren, will Polizeikommandant Christian Ambühl vorerst absehen. «Dann käme sich der Mann am Ende noch wichtiger vor.»

Schulhaus wegen Kinderschreck verbarrikadiert

Schulhaus wegen Kinderschreck verbarrikadiert

Die Grenchner Anwohner greifen wegen dem jahrelang bekannten Kinderschreck drastische Massnahmen. Naheliegende Eingangstüren werden verriegelt.

So kann es nicht bleiben

«Doch so kann es nicht weitergehen», findet Schulleiter Mikolasek. Er betrachtet die schulseitig getroffenen Massnahmen als Provisorium. Das Problem müsse an der Wurzel gepackt werden und er wolle jetzt wissen, welche Handlungsoptionen er habe. Als Schulleiter Halden ist Mikolasek erst seit März im Amt. Er habe wohl von früheren Fällen gehört, die aktuelle Situation sei aber neu für ihn. «Wir haben das Problem erörtert, das ja beileibe kein Neues ist», bestätigt Gesamtschulleiter Hubert Bläsi. Doch solange die Person nichts wirklich Schlimmes anstelle, seien den Behörden die Hände gebunden. «Wir können zurzeit nichts anderes tun, als möglichst deeskalierend zu wirken». In diesem Sinne seien auch die Massnahmen der Schule zu verstehen.

«Bedrohungsmanagement»

Zur Erinnerung: Bei der Schilderung von früheren Vorfällen gingen auch die Darstellung der Parteien sehr weit auseinander. Als es einmal hiess, der Mann habe Kinder mit einer Waffe bedroht, erfolgte sofort eine Hausdurchsuchung, doch es wurde keine Waffe gefunden, noch nicht einmal ein gefährlicher Gegenstand.

Auch Bläsi und Ambühl sind sich einig, dass die Situation bereinigt werden muss. Die psychischen Probleme des Mannes seien offensichtlich und man habe die Person deshalb beim kantonalen «Bedrohungsmanagement» gemeldet – schon vor einiger Zeit. Passiert sei aber bisher nichts.

Auf Fragen dieser Zeitung zum Vorgehen des Kantons hinsichtlich des «Kinderschrecks» sind von der Kapo (wegen Persönlichkeitsschutz) keine aussagekräftigen Informationen erhältlich. Das Bedrohungsmanagement ist bei der Kapo angesiedelt. «Wenn für einen Fall der Einbezug der Kesb nötig ist, wird mit der Kesb Kontakt aufgenommen», heisst es lediglich. Daneben wird auf eine Broschüre verwiesen, die hauptsächlich das Vorgehen gegenüber Querulanten darlegt, die auf Amtsstellen Drohungen aussprechen.

Warum bisher behördenseitig nichts geschah, lässt sich somit erahnen. «Wenn bisher keine Massnahmen getroffen wurden, deutet das für mich darauf hin, dass die Situation von der Kesb weder hinsichtlich Fremdgefährdung noch hinsichtlich Selbstgefährdung als problematisch eingeschätzt wird», sagt dazu Kurt Boner, Leiter der sozialen Dienste oberer Leberberg.

Ist es am Ende auch für die «Opfer» nur halb so schlimm? Denn laut Angaben der Polizei wurde nach den Vorfällen von letzter Woche bisher keine Strafanzeige eingereicht. Und dies, obwohl Schulleiter Mikolasek nach eigenen Angaben den Betroffenen dazu geraten hatte.
Für die Elterntaxis gibts übrigens auf dem Flugblatt der Schule detaillierte Anweisungen. Es wird geraten, nur noch über die Allerheiligenstrasse zu fahren, und eine Karte zeigt auf, wo die Parkplätze beim Schulhaus sind.