Alle Fussballplätze in der Stadt Grenchen sowie die Stadien Riedern und Brühl sind Eigentum der Stadt Grenchen. Ein Vertrag der Stadt mit dem Verein FC Grenchen beinhaltete von 1975 bis vor zwei Jahren verschiedene Vereinbarungen zur Benutzung des Stadions, zu Bewirtschaftung, Unterhalt, finanziellen Entschädigungen und vielem mehr. Dem FC Grenchen wurde im Brühl das Recht eingeräumt, das Stadionbeizli zu betreiben sowie den Club-200-Raum. Seit Beginn 2016 befand man sich in einem vertragslosen Zustand, 2014 hatte der FCG den Vertrag gekündigt.

Eine neue Nutzungsvereinbarung mit einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren, die der Redaktion vorliegt, unterscheidet sich von der bisherigen Regelung: Es wird neu vertraglich festgelegt, dass die Stadt dem FC Grenchen das Catering nicht nur an den bisherigen Orten, sondern auch auf dem Vorplatz vor dem Beizli, dem Bereich bis hinter die Stehrampe Nord, exklusiv erlaubt. Die Stadt kann zwar die Stadien Brühl und Riedern für Anlässe jeglicher Art selber nutzen oder Dritten zur Verfügung stellen, auch alle Räumlichkeiten ausser dem Sekretariat.

Aber: Restaurant inklusive Vorplatz und Club 200 werden ausschliesslich vom FCG betrieben, auch bei sogenannten Drittanlässen. Dann fällt lediglich eine Entschädigung von zehn Prozent des Cateringumsatzes an diese externen Veranstalter an. Auch Sponsoren dieser Veranstalter müssen nur nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Dem FCG steht es frei, mit den Drittanbietern andere Vereinbarungen zu treffen – wie zum Beispiel mit dem Uhrencup (siehe links).

Marcel Bolliger vom FC Grenchen meint dazu auf Anfrage: «Wir müssen als Verein ums Überleben kämpfen.» Deshalb die Erweiterung der Nutzungsvereinbarung. Es sei immer schwieriger, Sponsoren zu finden, weshalb man als Verein andere Möglichkeiten finden müsse, Einnahmen zu generieren. «Wenn wir das Catering beim Uhrencup übernehmen, dann werden bis 100 Leute des Vereins mithelfen. Wir arbeiten für den Uhrencup und wollen auch partizipieren.» Die Verhandlungen mit dem Uhrencup seien auf gutem Weg, zu einem für Grenchen positiven Ende zu kommen.

Auch Stadtpräsident François Scheidegger spricht sich deutlich für den FC Grenchen aus: «Mir liegt etwas am Fussballclub. Da wird enorm viel geleistet und man ist auch sportlich gut unterwegs.» Mit dieser Nutzungsvereinbarung wolle man Strukturen entflechten, Zuständigkeiten und Aufgaben regeln.

Benachteiligung Dritter

Otto Normalbürger fragt jetzt «Na und?» Aber: Wenn man den Wortlaut eng auslegt, werden Anlässe von Drittanbietern durch die neue Regelung benachteiligt und man riskiert unter Umständen, dass diese nicht mehr nach Grenchen kommen – beispielsweise der Uhrencup. Bolliger meint dazu: Man werde das vonseiten des FCG pragmatisch angehen.

Sofern sich die Preise eines externen Sponsors im marktüblichen Rahmen bewegten, werde man selbstverständlich mit diesem Sponsor zusammenarbeiten. Und auch was die Entschädigung von Drittanbietern angehe, sei jederzeit eine andere Regelung möglich. Ohnehin, so Stadtpräsident François Scheidegger, sei durchaus möglich, dass ein Drittanbieter sein eigenes Catering, seine VIP-Zelte oder Ähnliches beim Südeingang oder gar ausserhalb des Stadions aufstelle, wie er es auch den Verantwortlichen des Uhrencups vorgeschlagen habe.

Eigentlich wäre diese Nutzungsvereinbarung eine Sache rein zwischen Verein und Stadtverwaltung. Aber da die Politik massgeblich involviert und zum Teil vom FCG kräftig unter Druck gesetzt worden sei, habe er beschlossen, die politische Behörde, also die Gemeinderatskommission darüber befinden zu lassen, sagt der Stadtpräsident. Ständige Mitglieder des Fünfergremiums sind momentan Ivo von Büren von der SVP, Vize-Stadtpräsident Urs Wirth von der SP, Aldo Bigolin von der FDP, Marco Crivelli von der CVP und der Stadtpräsident selber.

Mitte März wurde die neue Nutzungsvereinbarung einstimmig verabschiedet, aber nicht publik gemacht. Weshalb? «Gross geändert hat ja nichts, also brauchte man das nicht an die grosse Glocke zu hängen», so der Stadtpräsident. «Derartige Geschäfte werden ganz einfach nicht aktiv kommuniziert.»

Wer bezahlt wie viel?

Von den Einnahmen muss der FC Grenchen der Stadt laut Nutzungsvereinbarung nichts abgeben. Ausser den Sozialkosten für den Abwart und kleineren Posten für Reparaturen werden alle Infrastrukturkosten von der Stadt übernommen. Die Rasenpflege beispielsweise übernimmt Stadtgrün. Auch das Gehalt des Abwarts übernimmt die Stadt. In der Nutzungsvereinbarung steht auch: Die Einführung eines allgemeinen, städtischen Mitglieder-Infrastrukturbeitrags für alle Vereine sei nicht Bestandteil dieser Vereinbarung

Bis jetzt bezahlt kein Sportverein für die Benutzung städtischer Infrastruktur. Beispielsweise bezahlen die Handballer, die jeweils am Freitag im Eichholz trainieren, nichts für die Hallenbenützung, bestätigt Markus Curty vom Handball TV Grenchen. Andere Vereine im Kultur- oder Musikbereich, von denen manchen die neue Leistungsvereinbarung mit dem Parktheater höchstwahrscheinlich auch Mehrkosten bescheren wird, aber schon. Verschiedentlich wurden auch schon Klagen laut wegen einer Ungleichbehandlung der Grenchner Vereine.

Scheidegger: «Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Infrastruktur der Stadt den Vereinen gratis zur Verfügung stehen sollte. Zum Beispiel in den Schulanlagen – wobei die Schule natürlich Vorrang hat.» Jeder Franken, den man in Vereine investiere und damit der Jugend eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermögliche, sei gut investiert. Aber es sei fast unmöglich, allen Vereinen gerecht zu werden. «Wir haben die Infrastruktur, die wir haben und müssen uns damit begnügen.»