Mit Gästen aus nah und fern wurde gestern Abend die Stadtbibliothek Grenchen feierlich eröffnet. Ansprachen, beschwingte Lieder vom Chor der Sekundarschule unter der Leitung von Daniela Häni und das obligate Durchschneiden des Bandes gehörten zum offiziellen Festakt. Nach den Ansprachen hatten die geladenen Gäste Gelegenheit, das neue Bauwerk zu besichtigen und sich im Keller der Bibliothek, wo immer noch die Disco Sunrise beheimatet ist, zum Apéro mit Small talk zu treffen.

Überraschungs-Ehrengäste aus Grenchens Partnerstadt Neckarsulm waren Oberbürgermeister Steffen Hertwig und seine Partnerin Manuela Stolz, deren Besuch in Grenchen zufällig mit der Eröffnung der Bibliothek zusammenfiel. Es sei bemerkenswert, wie mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln ein derart schönes Bauwerk habe entstehen können, lobte Hartwig, der noch bis am Sonntag in Grenchen weilt, am Rande der Eröffnungsfeier.

Raum ohne Konsumzwang

Stadtpräsident François Scheidegger meinte denn auch in seiner Eröffnungsansprache, Grenchen habe sich in mancherlei Hinsicht an der Partnerstadt orientiert, wo die moderne Mediathek benutzerfreundlich und ein Raum für Begegnungen sei. «Mein Wunsch ist es, dass auch diese Bibliothek zu einem Begegnungsort für alle Bevölkerungsschichten wird», sagte Scheidegger. «Ein dritter Ort neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz im Sinne des amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Ein Raum, wo kein Konsumzwang herrscht».
Der Stadtpräsident blickte ebenfalls zurück in die Geschichte der Grenchner Bücherei, die bis in die vorindustrielle Zeit von 1832 zurückreicht. Die heutige Bibliothek wurde 1903 vom damaligen Ammann Robert Luterbacher (noch anonym) gestiftet. Gestartet sei damals man mit 311 Büchern, heute werden 30 000 Medien angeboten (Bücher, Hörbücher CDs etc.)

Gute Nachricht aus Solothurn

Erziehungsdirektor Remo Ankli hatte am Freitag Geburtstag. «Das Geschenk brachte trotzdem er mit», meinte Gesamtschulleiter Hubert Bläsi, der durch den Festakt führte. Nämlich die Zusicherung, dass der Lotteriefonds des Kantons Solothurn einen Beitrag an die neue Stadtbibliothek leisten werde. «Bibliotheken sind besondere Orte», unterstrich der Regierungsrat, das sehe man in der emotionalen Reaktion der Menschen, wenn eine Bibliothek Schaden nehme oder gar verbrenne.

Mit einem Zitat aus Umberto Ecos Roman «Der Name der Rose» illustrierte er die Bedeutung einer Bibliothek für das dort beschriebene Kloster. Eine solche Bedeutung möge die neue Bibliothek auch für Grenchen erhalten, meinte Ankli und gratulierte der Stadt zum gelungenen Projekt.

17,5 Tonnen Stahl

Architekt Jürg Thommen vom Solothurner Büro Kurt Stalder Architekten AG brachte als letzter Redner dann doch noch den Frauenstreik aufs Tapet - auch mit seinem Wunsch für das dreiköpfige Bibliothekarinnenteam unter der Leitung von Karin Burkhalter, doch bald von einer Pensenerhöhung profitieren zu können.
650 Quadratmeter Grundfläche für die neue Verwendung als «Medienhaus» habe man in diesem schmucken Gebäude schaffen können, erklärte Thommen. Dazu mussten unter anderem für die Tragkonstruktion 17,5 Tonnen Stahl verarbeitet werden.

Die neue Bibliothek Grenchen ist am Samstag für die Bevölkerung von 10-16 Uhr durchgehend geöffnet (Tag der offenen Tür). Reguläre Öffnungszeiten Di, Do, Fr. 15.30-18.30 Uhr, Mi 14-19 Uhr, Sa 10-13 Uhr; reduzierte Öffnung während den Schulferien.