Am Jurasüdfuss ist der Bauboom seit Jahren ungebrochen. An der Fachtagung der Wohntage im Parktheater wurden weitere Regionen der Schweiz unter die Lupe genommen und dabei die Probleme aber auch die Lösungsansätze der dortigen Wohnungsmärkte aufgezeigt.

Da ist zum einen Zermatt. Die Tourismusdestination blüht und gedeiht. Zur Kehrseite der Medaille gehört der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Bis zu 15'000 Franken pro Quadratmeter müssen Kaufinteressenten für die Bodenpreise bei altrechtlichen Wohnungen, welche nicht saniert sind, hinblättern. Bei Neubauten sind es gar 25'000 Franken pro Quadratmeter. Nicht besser sieht es bei Mietwohnungen aus. «Kürzlich war eine 3 1/2-Zimmer-Wohnung in einem Neubau für 3’500 Franken ausgeschrieben», erklärt Stefanie Lauber, Leiterin Bauabteilung Einwohnergemeinde Zermatt.

Migrationsdruck hin zu günstigem Wohnraum

Die Folgen bekommen besonders die mittleren und unteren Einkommensklassen zu spüren. Sie wandern in die günstigeren Nachbarsgemeinden Täsch und Randa ab. In diesen Gemeinden führt dieser Migrationsdruck zu einem hohen Anteil ausländischer und weniger finanzstarken Haushalten. Zudem beklagen sich die im touristischen Bereich angesiedelten Arbeitgeber über die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten.

Anders präsentiert sich die Lage in der Innerschweiz. Das Urserental, das Reusstal sowie weitere Gebiete im Kanton Uri waren in der Vergangenheit von Abwanderung betroffen. Noch in den 60er-Jahren präsentierte sich etwa Göschenen als lebhafte Gemeinde mit einem reichhaltigen Dienstleistungsangebot. Die meisten Geschäfte gibt es heute nicht mehr und auch die Einwohnerzahl hat sich von damals rund 1300 auf knapp über 460 Personen reduziert. Dementsprechend marginal war die Bautätigkeit und auch die vorhandene Bausubstanz wurde schlecht unterhalten.

Mittlerweile wandelt sich aber Andermatt – nicht zuletzt aufgrund des Tourismusresorts des ägyptischen Investors Samih Sawiris – zum Entwicklungsmotor der Region. Das bringt nicht nur neue Arbeitsplätze mit sich, sondern auch eine steigende Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt. Davon sollen auch die ländlichen Räume im näheren Umfeld profitieren – wie etwa Göschenen. Die Entwicklung soll dabei in die bestehenden Dorfkerne der Region gelenkt werden und so zu einer nachhaltigen Dorfkernentwicklung beitragen. «Es geht dabei darum, Wachstumsimpulse zu nutzen und die Dörfer zu stärken», sagt Marco Achermann, Urner Kantonsplaner. Gleichzeitig sollen aber auch die Anliegen des Ortsbildschutzes berücksichtigt werden.

Wie kann also ein Ausgleich zwischen überspannten und sich entleerenden Wohnungsmärkten gefunden werden? In Uri hat man hierfür ein neues Konzept entwickelt. Die sogenannte «Haus-Analyse» richtet sich an Hauseigentümer im Dorfkern. Das Instrument soll aufzeigen, welche Chancen eine Liegenschaft langfristig auf dem Markt haben kann. Dadurch sollen die Eigentümer zu Renovationen angespornt werden.

Gemeinden handeln

Im Wallis haben Zermatt, Täsch und Randa zunächst zusammengespannt, um regionale Lösungsansätze zu finden. So wurde unter anderem eine an die Bedürfnisse der Gemeinden angepasste Lösung zur Gründung einer Körperschaft zum Erhalt und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erarbeitet. Weil keine der Gemeinden über grosse Landreserven verfügt, soll bezahlbarer Wohnraum in bestehenden Liegenschaften bereitgestellt werden. Dabei ist vorgesehen bestehende Wohnungen zu mieten und weiterzuvermieten. Die Gründung der Körperschaft wird im Verlauf der nächsten Monate von Zermatt und Täsch vorbereitet – Randa hingegen hat sich bereits wieder aus dem Projekt verabschiedet.