Seit einigen Wochen ist es verdächtig ruhig geworden im Dossier Pistenverlängerung des Flughafens Grenchen. Längst hätte der Regierungsrat entscheiden sollen, ob er den so genannten SIL-Prozess (Sachplan Infrastruktur Luftfahrt) fortsetzen will oder das Pistenprojekt vorerst ad acta legt bzw. weiter hinausschiebt.

Der Grund für die Denkpause ist nun klar: Die Piste soll voraussichtlich doch Richtung Westen verlängert und während einer kurzen Strecke unterirdisch verlaufen. Für jenen Abschnitt nämlich, der die Archstrasse kreuzt. Wie aus Flughafenkreisen zu vernehmen ist, ist das Starten unter einem kurzen Tunnel hindurch für die meisten Flugzeuge herkömmlicher Bauart überhaupt kein Problem. «Die Piloten dürfen einfach nicht zu früh am Steuerknüppel ziehen», erklärt Flughafenchef Ernest Oggier.

Für die Anwohner im Westen habe diese Startvariante sogar Vorteile. Im abschüssigen Teil der Piste gewinnt das Flugzeug zusätzlich Fahrt und wird danach wie auf einer Rampe mit erhöhter Geschwindigkeit in die Luft «katapultiert». Das Prinzip ist von nach oben geneigten Decks gewisser Flugzeugträger bekannt. Das Flugzeug gewinnt so rascher an Höhe. Leserbriefschreiber, die bei jeder Erwähnung des Flughafens in der Zeitung ihre Feder spitzen und über den Fluglärm klagen, können sich künftig zurücklehnen und die Ruhe geniessen. Der Lärm des Starts wird zudem auch noch kurzzeitig vom Tunnel gedämpft.

In den USA schon bewährt

Die Frage ist nur: Warum ist man nicht schon früher auf diese Idee gekommen. «Wir wussten effektiv nicht, dass eine solche Lösung schon existiert», erklärt Oggier. Durch Charles Riesen, ehemaliger Chef des Flughafens Bern/Belp und heute Sprecher des Flughafens Grenchen, sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass in der Kleinstadt Beatrice im US-Bundesstaat Nebraska genau eine solche Piste existiert. Sie führt dort unter einem Highway hindurch, und das schon seit elf Jahren.

Das hat vieles verändert. Denn die unkonventionelle Anlage würde offenbar ganz anders finanziert als ein bisheriges Projekt, das die Strasse unter der Piste hindurchgeführt hätte. Weder Kanton noch Flughafen, noch Stadt hätten das Geld lockergemacht für einen Strassentunnel, obwohl andernorts (beispielsweise bei der Westumfahrung Solothurn) offenbar genug Geld für solche Lösungen vorhanden war.

Lösung «à la Valaisanne»?

Nun denn: Die wenigsten wissen, dass der Walliser Flughafenchef Oggier ein Coucousin von Sepp Blatter ist. Zusammen haben die beiden eine Finanzierung «à la Valaisanne» erkundet, die durchaus praktikabel erscheint. «Sepp kennt einen hochrangigen Beamten im Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl, der ihm vom stillgelegten Fonds für Flughafeninfrastruktur erzählt hat. Bisher wurde er lediglich für die Subventionierung der Standgebühren der Businessjets, die während des WEF in Dübendorf abgestellt sind, verwendet. Ich habe nachgefragt und es hat sich prompt bewahrheitet.»

Was genau? – Ernst Udet, Sprecher des Bundesamtes, bestätigt Folgendes: «Es existierte ein Fonds im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines nationalen Flughafens in Bätterkinden. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde er vor 60 Jahren nicht ganz aufgelöst und hat in dieser Zeit erkleckliche Erträge generiert», erklärt Udet. Zumindest während der Hochzinsphase der Achtzigerjahre sei dies so gewesen. Wie hoch der aktuelle Fondsbestand ist, will der Bazl-Sprecher nicht sagen.

Marschhalt angezeigt

«Genug hoch jedenfalls, dass sich ein Marschhalt und eine Neubeurteilung der Situation aufdrängen», meint auch Bernard Staub, Chef im federführenden Amt für Raumplanung in Solothurn. «Denn da ja jetzt die Piste unterirdisch verlegt wird und nicht die Strasse, zahlt logischerweise dieser Flughafenfonds – von dem ich übrigens bis vor kurzem auch nichts wusste.»

Was sagen die Gegner der Pistenverlängerung zu dieser unerwarteten Wende? Peter Brotschi, Politiker und Aviatikjournalist, zeigt sich verhalten positiv. «Immerhin wäre es die Variante mit dem geringsten zusätzlichen Landverschleiss. Es ist sicher wert, sie näher zu untersuchen», meint er.

In den letzten Wochen wurden die Planungen soweit vorangetrieben, dass nun ein Vorprojekt zur Mitwirkung vorliegt. In einer ersten Phase wird es ab heute Vormittag auf der Bauverwaltung Grenchen und im Rötihof in Solothurn (kant. Baudepartement) zur Einsichtnahme aufgelegt.