Claudine Metzger wurde vom Stiftungsrat der Stiftung Kunsthaus Grenchen ernannt. Das az Grenchner Tagblatt traf die neue Leiterin an ihrem jetzigen Arbeitsort im Kunstmuseum Bern, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin der Graphischen Sammlung tätig ist.

Claudine Metzger, warum ausgerechnet Grenchen?

Claudine Metzger: Eigentlich wegen diesem Haus, dem Kunsthaus Grenchen, das ich schon lange kenne und von dem ich denke, dass wir gut zueinander passen.

Weshalb?

Weil das Kunsthaus Grenchen über eine ausgezeichnete druckgraphische Sammlung verfügt, ein Gebiet also, in dem ich schon länger tätig bin. Ausserdem ist es ein Haus, das zeitgenössische Schweizer Kunst aller Generationen zeigt – eine Szene, die ich seit den Anfängen meiner Museumslaufbahn beobachte. Diese Schwerpunkte machen den hohen Stellenwert aus, den das Kunsthaus Grenchen in der Schweizer Museumswelt innehat.

Wurden Sie für diese Stelle angefragt? Sozusagen als Spezialistin?

Nein, ich habe mich beworben, als die Stelle ausgeschrieben wurde. Es gab in der Folge diverse Gespräche mit Eva Inversini und dem Stiftungsrat. Wir werden zudem in naher Zukunft einige Gespräche führen, um einen möglichst fliessenden Übergang herbeizuführen, wenn Eva Inversini ihre neue Stelle als Chefin des Amtes für Kultur und Sport beim Kanton antritt und ich ihre Nachfolge am Kunsthaus.

Finanzen sind ja immer ein Thema, speziell in der Kunstszene, die von öffentlichen Geldern, Stiftungen und Spenden lebt. Eine der Hauptaufgaben der künstlerischen Leiterin ist unter anderem, Mittel zu beschaffen. Freuen Sie sich darauf?

Das gehört dazu. Dass dies Bestandteil der neuen Aufgabe sein wird, war mir von Anfang an klar. Ich habe bereits in meiner aktuellen Position als Kuratorin der Graphischen Sammlung des Kunstmuseums Bern mitgeholfen, Geld zu finden, aber natürlich sind die Verantwortlichkeiten an einem so grossen Haus wie in Bern anders geregelt.

Momentan wird ja überall gespart, Mittel für die Kunst sind davon nicht ausgenommen. Weshalb lohnt es sich, für Kunst Geld auszugeben?

Kunst allgemein braucht es als ein Gegenüber. Kunst ist eine Herausforderung, kann ein Spiegel oder eine Gegenwelt sein. Sie ist ein Mittel, sich mit den verschiedensten Themen des Lebens und der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Bilder sprechen ausserdem eine andere Sprache als unsere gewohnte Sprache. Das heisst, man kann sie intuitiv verstehen. Emotionen können einfliessen. Kurz: Kunst ist ein Mittel, sich mit den verschiedensten Themen auseinanderzusetzen, sie kann aber genauso einfach «nur» gefallen und Freude machen, und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig.

Stichwort Bildung und Kunstvermittlung, die in Grenchen ja sehr gross geschrieben wird?

Beides sind wesentliche Aspekte. Nicht alle Menschen haben den Zugang zu Kunst, wie auch nicht alle Menschen gerne tanzen, tauchen oder klettern. Aber ich freue mich darüber, wenn sich möglichst viele Leute für Kunst interessieren. Darum versucht man dieses Interesse zu wecken, indem man beispielsweise Schulklassen einlädt. Wenn man durch diese Aktivitäten jungen Menschen zumindest die Schwellenangst vor der Institution Museum nehmen kann, ist schon viel erreicht.

Sie haben von 2012 bis 2014 das Masterstudium «Kulturmanagement» absolviert. Was ist darunter zu verstehen?

Das hat etwas mit der Professionalisierung zu tun, die ja inzwischen fast alle beruflichen Tätigkeiten erfasst hat: Als ich vor rund 20 Jahren begonnen habe, im Museum zu arbeiten, da machte man quasi alles selber. Es gab zwar schon Museumstechniker. Die Künstler mussten ihre Werke nicht mehr selber mit Hammer und Nagel aufhängen. Aber Transporte, Versicherungen und Pressearbeit lag alles in der Verantwortung einer einzigen Person. Dann plötzlich gab es Registrarinnen, die für die Logistik verantwortlich waren, immer mehr Kommunikations- und Marketingspezialisten traten auf den Plan. «Kulturmanagement» ist eines dieser Puzzleteile, welche die Professionalisierung mit sich brachte.

Aber dann ist ja der Schritt nach Grenchen eher ein Rückschritt, weil Sie da wieder «Mädchen für fast alles» sein werden?

Das würde ich so nicht sagen. Ich arbeite jetzt in einem Haus, in dem die Arbeiten stark aufgeteilt sind. Das hat Vorteile und Nachteile. Jetzt freue ich mich darauf, in einem kleinen Team zu arbeiten, in dem quasi alle alles machen. Die Wege sind kürzer, Entscheidungen werden schneller gefällt. Diese Mischung, einerseits eine Leitungsposition innezuhaben, das Programm für Ausstellungen zusammenzustellen und andererseits in allen Bereichen tätig zu sein, das macht es spannend. Natürlich habe ich aber auch Respekt vor dieser neuen Herausforderung.

Sie wohnen in Zürich, werden Sie nach Grenchen umziehen?

Am Anfang werde ich sicher pendeln. Und ich bin ausserordentlich froh über den Entscheid, dass der Schnellzug auch künftig in Grenchen Süd, direkt gegenüber dem Kunsthaus, hält. Aber ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft in der Region eine Bleibe zu suchen.

Was wünschen Sie sich von Herr und Frau Grenchner?

Dass sie möglichst zahlreich das Kunsthaus besuchen. Mir ist wichtig, dass das Museum ein offener Ort des Austausches ist, nicht ein Ort, von dem man sagt «das verstehe ich sowieso nicht», denn das ist vielleicht nur ein Vorurteil.