Rund 160 Bestattungen gibt es jedes Jahr auf dem Friedhof Grenchen. Die meisten sind Urnenbestattungen – 2016 gab es nur noch gerade 10 Erdbestattungen, der Rest der Verstorbenen liess sich kremieren.

Die Grabformen sind vielfältig: Urnengräber mit stehendem oder liegendem Stein, Nischengräber, Familiengräber mit mehreren Urnen oder Särgen und Urnen. Bei all diesen herkömmlichen Formen kommen Kosten auf die Angehörigen zu. Je nach Grabform braucht es einen Grabstein, dazu kommen die alljährlich wiederkehrenden Kosten für die Bepflanzung und die Pflege der Grabstelle während mindestens 20 Jahren – die Zeitdauer, bis das Grab in der Regel aufgehoben wird.

Platz wird rar am alten Ort

Rund 50% der Verstorbenen – oder deren Hinterbliebenen – äussern den Wunsch nach einer Bestattung im Gemeinschaftsgrab. Eine etwas irreführende Bezeichnung in Grenchen, denn im Grunde waren dies bisher Einzelbestattungen auf einer im nördlichen Teil des Friedhofs gelegenen Wiese, wo man die Urnen im Abstand von etwa einem halben Meter voneinander vergrub und auf einer Steintafel neben der Wiese ein Namensschild anbrachte, sofern dies gewünscht wurde.

«Viele Angehörigen haben aber genau gewusst, wo die Urne ihres Verstorbenen begraben ist und haben dann genau diesen Ort geschmückt, Kerzen aufgestellt und so weiter. Zum Teil haben sie sogar ausgemessen, wo ihr Verstorbener liegt», sagt Kevin Herzog, der Leiter des Friedhofs, bei einem Augenschein. Die Pflege des Feldes gestalte sich infolgedessen als äusserst umständlich.

Ein Gemeinschaftsgrab, wie man es von anderen Friedhöfen kennt, wo die Asche der Verstorbenen in eine gemeinsame Gruft gegeben wird, existierte in Grenchen bislang nicht. Das soll sich nun im nächsten Jahr ändern, erklärt Tobias Würsch, der Chef von Stadtgrün. Zusammen mit Herzog erklärt er, wie man künftig neue Bestattungsformen anbieten und so den veränderten Bedürfnissen besser gerecht werden will.

Denn ein guter Teil der Leute, die hier bestattet werden, respektive ihre Hinterbliebenen, möchten eine Bestattung und eine Grabpflege, die möglichst unkompliziert ist und dennoch würdevoll das Andenken der Verstorbenen bewahrt. Grund für die neuen Bestattungsformen ist auch, dass der Platz auf dem aktuellen Gemeinschaftsgrab-Feld langsam, aber sicher knapp wird.

Auf der Fläche des vormaligen Gemeinschaftsgrabes und auf dem aktuellen Feld sind über die Jahrzehnte mehrere tausend Verstorbene in ihren Urnen begraben worden. Nächstes Jahr wird auch die letzte Ecke komplett belegt sein und auch der Platz auf der Tafel für die Namenschilder ist bald alle.

Neues Gemeinschaftsgrab

Aus diesem Grund will man im südlichen Teil ein neues Gemeinschaftsgrab erstellen: Dort, wo früher die alte Abdankungshalle stand, soll eine komplett neue Grabanlage entstehen, streng geometrisch und die Form der gesamten von Johann Schweizer gestalteten Anlage des Friedhofs aufnehmend. Die bestehenden Wege, Randbepflanzungen und auch die alten Bäume müssen weichen.

Neben einer grossen Blumenwiese entsteht ein Platz mit einem Boden aus grossen Platten, auf dem fünf Bäume gepflanzt werden. Jeder Baum bietet 16 Grabstellen, insgesamt deren 80. Auf der Blumenwiese entsteht ein Wiesengrab mit 360 Grabstellen, die einheitlich mit einer 40cm × 40 cm grossen Steinplatte abgedeckt sind. «Man hat künftig die Wahl, ob man unter einem Baum oder auf der Wiese zur Ruhe gebettet werden will. Die Steintafel wird dann mit dem Namen versehen», erklärt Würsch.

So können die Angehörigen bei ihren Verstorbenen sein, Grabschmuck oder Kerzen auf die Platte stellen, ohne die Pflege der Wiese dadurch zu erschweren. «Der Platz mit den Bäumen soll auch ein Ort sein, der zum Verweilen einlädt. Es gibt schon jetzt sehr viele Leute, die die Ruhe des Friedhofs suchen und es schätzen, hier beispielsweise ein Buch zu lesen», ergänzt Herzog. Der Platz vor der Wiese biete auch die Möglichkeit, Abdankungen im Freien abzuhalten.

In der nordöstlichen Ecke des neuen Felds soll dann ein Gemeinschaftsgrab im eigentlichen Sinne entstehen: Drei aufeinanderliegende Steinplatten, analog der Platten auf den Grabstellen, nur grösser, bilden den Einlass zu einer Gemeinschaftsgruft, wo die Asche der Verstorbenen hineingegeben wird. Der Name der Verstorbenen wird auf Wunsch dann auf einer der zwölf Steinstelen aus demselben Stein aufgebracht, die das Gemeinschaftsgrab umgeben.

Die neuen Bestattungsformen wurden an diversen Sitzungen mit allen für Grenchen zuständigen Bestattern und Vertretern der verschiedenen Kirchen diskutiert und auch gemeinsam erarbeitet. «Es war uns wichtig, diese Stellen einzubeziehen. Denn in der Schweiz ist es grundsätzlich möglich, seine Asche irgendwo verstreuen zu lassen. Aber das Bedürfnis besteht noch immer, dass man seine Verstorbenen an einem bestimmten Ort besuchen kann. Und da ist es wichtig, dass auch die Ausführenden und die Kirchenvertreter in diesen Prozess miteingebunden werden.»

Sterben ist nicht billig

Mit der Bewilligung des Kredits von 280 000 Franken durch die Stadt wurden auch die neuen Tarife genehmigt. Denn statt wiederkehrender Gebühren bezahlt man nun nur noch einmal: 4200 Franken für eine Bestattung unter einem der Bäume, 2800 Franken für ein Wiesen-Urnengrab und 200 Franken für Einwohner bzw. 800 Franken für Auswärtige für einen Platz im Gemeinschaftsgrab.

Dazu kommen die Grundgebühr von 850 Franken und di Kosten für die Namensschilder, die separat verrechnet werden – beim Wiesenurnengrab und Baumurnengrab ist der Stein und die Namensnennung in der Gebühr inbegriffen. Auf den Einwand, das sei nicht gerade billig, sagt Würsch: «Trotz der neuen Tarife ist das Ganze nicht kostendeckend.» Die anderen, herkömmlichen Bestattungsformen wird es auch weiterhin geben, aber auch die sind nicht günstig. Rechnet man die Kosten für Grabstein und die jährlichen Kosten für die Bepflanzung etc. zusammen, kommt eine hübsche Summe zusammen.

Baubeginn ist im Januar, die Dauer beträgt ungefähr zwei Monate. Dann wird man laut Würsch im Frühling ansäen und im Sommer soll das neue Grabfeld eröffnet werden.