Scheidegger gratulierte ihrer Herausforderin, die mit ihrer unerwarteten Kandidatur eine Urnenwahl provoziert hatte. «Sie hat gute Mobilisierungsarbeit gegen mich geleistet, wohl vor allem in Bettlach. Ich und mein Team haben aber an unserer Linie festgehalten und sind nun halt nicht durchgedrungen», kommentierte die Unterlegene ihr Resultat. Wahrscheinlich hätten einige Stimmende auch (ihrer Meinung nach unbegründete) Angst vor zu grosser Machtballung gezeigt, analysierte die Ehefrau des Stadtpräsidenten. Sie danke ihrem Unterstützungsteam, das sich sehr engagiert habe.

Nelly Furer, die 51-jährige Siegerin der Ausmarchung, zeigte sich positiv überrascht. «Ich freue mich sehr, denn die Ungewissheit über den Ausgang war gross», so ihre erste Reaktion.

Dass sie erfolgreich war, führt Furer unter anderem darauf zurück, dass sie als ehemalige Katechetin und Jugendarbeiterin in der Kirchgemeinde sehr bekannt sei. «Die Leute kennen mich aus der direkten Begegnung.» Es sei in der Tat Zeit für Veränderungen in der Kirchgemeinde. Die Kommunikation müsse verbessert werden, und alle Beteiligten müssten als Team agieren. «Mit der neuen Zusammensetzung des Kirchgemeinderats, der Verwaltung und des Pfarrkollegiums sind die Voraussetzungen dafür gut.»

Furer ist sich bewusst, dass die Kirche heute gesellschaftlich einen schweren Stand hat. «Von mir sogleich Rezepte zu erwarten, wie die Kirchenaustritte gestoppt werden können, wäre übertrieben», gibt sie zu bedenken. «Wir müssen die Türen und Herzen der Menschen öffnen für neue Formen der Begegnung.»

Die Wahlbeteiligung betrug 21,2 Prozent. Der Wahlkreis Grenchen-Bettlach weist 4749 Stimmberechtigte auf, davon haben 1008 ihre Stimme abgegeben. Leer eingelegt haben 11, 24 Stimmzettel waren ungültig. An der Urne haben lediglich 26 Personen abgestimmt.