Grenchen

«Nazareth» beweisen, dass sie es «noch voll drauf» haben

Die schottische Band «Nazareth» stattete Grenchen einen lautstarken Besuch ab. Die Bandmitglieder lieferten im Parktheater eine super Show, der Ton war allerdings ein Problem.

«Von Nazareth kenne ich nur gerade die drei Stücke, die man halt kennt – aber ich kann mich grad nicht erinnern, wie sie heissen.» So tönte es verschiedentlich im Foyer des Parktheaters, lange bevor die schottischen Altmeister auf die Bühne traten. Das Publikum, eher in den 50ern, aber doch sichtbar jung geblieben und teilweise stilecht auf «Rocker» getrimmt. Die meisten sind offensichtlich mit «Love hurts», «this flight tonight» und «Dream on» aufgewachsen – eben: die drei Stücke, die man kennt.

Viele waren gespannt, wie die alten Herren sich auf der Bühne geben würden. «Treten sie etwa mit Gehhilfen und Rollator auf? Oder gar im Rollstuhl? Die haben ja bestimmt auch nicht besonders gesund gelebt», so die mit einem Augenzwinkern geäusserten Vermutungen.

Das Schweizer Multitalent Luke Gasser eröffnete den Reigen: Der Filmemacher und Buchautor ist seit Jahrzehnten auch als erfolgreicher Rockmusiker unterwegs. Bei den drei Schweizer Konzerten von Nazareth auf ihrer Europatournee – auf Grenchen folgt ein Konzert in der Mühle Hunziken und am Samstag spielt die Band auf dem Hasliberg – ist Luke Gasser mit Band supporting act. Kein einfaches Unterfangen, das Publikum wartete eigentlich nur auf die Schotten.

Nazareth spielen im Grenchner Parktheater

Nazareth spielen im Grenchner Parktheater

Kompromisslos hart und laut

Ja, dann kamen sie auf die Bühne, Pete und Lee Agnew, Jimmy Murrison und Carl Sentance. Ohne Gehhilfen. Und sie bewiesen gleich von Beginn weg, dass sie es durchaus «noch voll drauf» haben. Mit «Silver Dollar Forger», «Misery», «Razamanaz» und dem Welthit «This flight tonight» legten sie los und trieben dem Publikum hämmernde und harte Beats in die Gehörgänge.

Dieses stimmte dann gleich bei «Dream on» in den Refrain ein, was von Frontmann Carl Sentance sichtlich geschätzt wurde. Überhaupt schienen sich die «Jungs» sehr wohl zu fühlen auf der Bühne des Parktheaters. Insbesondere Pete Agnew, der im September 70! geworden ist, trieb den Sound mit präzisen und hart angeschlagenen Bassläufen vorwärts.

In den für die 80er typischen Leopard Creepers tänzelte er über die Bühne, passend die beiden weissen Ratten am Gitarrengurt und natürlich sein Markenzeichen auf der Nase, die dunkle Brille mit den kleinen runden Gläsern. Am Schlagzeug verrichtete sein Sohn Lee Schwerstarbeit, knallhart und kompromisslos. Gitarrist Jimmy Murrison schien manchmal mit seinem Instrument zu verschmelzen und zeitweise hatte man den Eindruck, dass er am liebsten gleich in seine mächtigen Marshall-Verstärker reinschlüpfen mochte.

Und nicht zuletzt Sänger Carl Sentance – Krokus Fans ein Begriff, war er doch von 1999 bis 2002 deren Leadsänger. Sentance, der ursprünglich eine Musical- Ausbildung absolvierte, meisterte die schwierigen Gesangspassagen meisterlich. Das Erbe von Dan Mc Cafferty anzutreten ist nicht einfach. Doch der 55-Jährige fand das Rezept, der kreischenden Kopfstimme den eigenen Stempel aufzudrücken und sie nicht bloss zu imitieren. Er versprühte viel Charme und lobte das Schweizer Bier und die Schweizer Frauen. Überhaupt gefalle es ihnen sehr gut in der Schweiz, meinte er.

Nazareth beschränkte sich in ihrer Playlist auf Stücke aus ihrer grossen Zeit, den Siebzigerjahren. Nur gerade «Holiday» von 1980 und «Messiah» aus dem Jahr 1984 stammten von jüngeren Alben. Nach rund zwei Stunden, 14 Stücken und zwei Zugaben zogen sich die Altmeister zurück, um sich wohl einen Whiskey zu genehmigen – auf der Bühne gabs nur Bier und Mineral. Später hiess es, sie seien ganz zufrieden gewesen mit ihrem Auftritt und das Publikum sei echt klasse gewesen.

Akustisch ungenügend

Leider eignet sich das Parktheater von der Akustik her nur bedingt für so laute Rockkonzerte. Die Leute am Mischpult hatten grosse Mühe, einen einigermassen vernünftigen Sound hinzukriegen und vorne an der Bühne waren die Stimmen nicht zu hören. Einige Konzertbesucher waren denn auch gar nicht begeistert und bezeichneten den Sound als miserabel.

Den meisten hingegen gefiel die Show ausgezeichnet. «Ja, die Schotten verstehen halt ihr Handwerk und beherrschen ihre Instrumente», meinte Francine aus Ipsach. Und Eric sagte: «Ich hab die als Bub mal gesehen und war begeistert. Und jetzt bin ich beeindruckt von der Leistung, die die alten Herren noch bringen.»

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