«Miss Grega» wurde sie schon im Vorfeld der Grenchner Gewerbeausstellung genannt. Für Messeleiterin Daniela Keller ist es noch etwas ungewohnt, derart im Mittelpunkt zu stehen, wie sie sagt. Und doch sei sie stolz darauf, eine erfolgreiche Messe auf die Beine gestellt zu haben. Im Interview zieht sie eine erste Bilanz:

Daniela Keller, gibt es nächstes Jahr wieder eine Grega?

Daniela Keller: Ja sicher, es gibt zu hundert Prozent eine Grega nächstes Jahr. Die Daten sind im Velodrome bereits reserviert, und zwar vom 13. bis 17. Mai 2015. Natürlich benötigen wir die Veranstaltungsbewilligung, aber wir sind bereits mit Stadtpräsident François Scheidegger zusammengesessen, und seitens der Stadt gibt es so weit keine Einwände.

Das heisst: wieder nur fünf Tage?

Erst einmal ja. Wir haben eine Ausstellerumfrage durchgeführt, die wir in den nächsten Wochen auswerten. Darin haben wir die Frage unter anderem auch gestellt, ob die Messe eventuell auch neun statt nur fünf Tage dauern sollte. Bei den Fragebogen, die wir bis jetzt zurückerhalten haben, steht es fifty-fifty. Die endgültige Entscheidung, wann genau und wie lange, fällt aber erst noch. Sicher ist, es wird eine Messe geben, die im Minimum fünf Tage dauert, eventuell auch länger.

Was für eine Bilanz ziehen Sie ganz persönlich?

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben gezeigt, dass wir als neuer Veranstalter eine sehr attraktive Messe auf die Beine stellen konnten. Das Feedback der Besucher war durchwegs positiv. Es gibt Kleinigkeiten, die man fürs nächste Jahr noch anschauen muss. Mein Ziel war immer, dass sich die Besucher schon jetzt auf die nächste Messe freuen, und das haben wir meiner Meinung nach erreicht.

Zu den Kleinigkeiten, die Sie erwähnen: Die Gastrobetriebe haben sich zum Teil über zu viel Konkurrenz beschwert und auch die Massierung in der Eventhalle kritisiert.

Das Konzept «Eventhalle» ist aufgegangen und vom Publikum sehr gut angenommen worden. Wir werden aber mit allen Gastrobereichen noch Gespräche führen. Wir haben auch schon einige Ideen, wie zum Beispiel die Halle etwas zu vergrössern und die Gastrobetriebe anders anzuordnen. Aber auch hier ist noch nichts entschieden.

Aber war das gastronomische Angebot nicht doch etwas gross?

Aufgrund der Informationen, die wir über die letzten Jahre erhielten, gingen wir von einer Besucherzahl aus, für die das Angebot passend gewesen wäre. Es kamen einfach weniger Leute, als wir dachten.

Manche meinten, weil man im Vorfeld zu wenig Werbung gemacht habe oder zu wenig Parkplätze vorhanden waren. Richtig oder falsch?

Ich habe keine einzige negative Meldung bezüglich Parkplatzproblemen erhalten. Wir werden uns mit der Stadt zusammensetzen und besprechen, was für Möglichkeiten wir nächstes Jahr haben. Parkplätze sind auf alle Fälle ein wichtiges Thema. Zur Werbung: Wir haben eine erkleckliche Summe investiert. Man kann immer mehr machen, das ist klar. Aber wir werden anhand der Postleitzahlerfassung, die wir durchgeführt haben, erst einmal herausfinden, welche Personen und Gebiete wir erreicht haben und welche nicht. Es ist so: Gut platzierte Plakatwerbung braucht etwa ein Jahr Vorlaufzeit. Diese Zeit hatten wir nicht. Die Zusammenarbeit mit Radio, Fernsehen und Zeitungen war ausserordentlich gut. Mit Radio 32 hatten wir einen grossen Partner für das Programm in der Eventhalle, das hat uns sehr geholfen.

Sehen Sie weitere Gründe für die «mageren» Besucherzahlen?

Fakt ist, wir hatten schätzungsweise zwischen 15 000 und 20 000 Besucher, für das erste Mal ist das ein gutes Ergebnis. Fakt ist auch: die Grega ist keine «Nachfolgemesse», sondern eine komplett neue Messe, wir fingen praktisch bei null an. Das geht gerne vergessen. Eine Messe braucht Jahre, bis sie sich rumgesprochen hat, das ist hier nicht anders. Ich denke, in drei Jahren lachen wir darüber. Wir arbeiten daran und wollen noch mehr auf die Wünsche der Besucher eingehen.

Manche Aussteller haben sich darüber beklagt, nicht mehr denselben Platz wie letztes Jahr an der mia erhalten zu haben.

Das ist auch Teil unseres Konzepts: Nächstes Jahr wird die Verteilung wieder neu vorgenommen. Einige Aussteller fallen weg, wie man bereits lesen konnte, neue kommen dazu. Auch im Grenchner Zelt werden vielleicht neue Aussteller dazukommen, entsprechende Gespräche mit dem Grenchner Gewerbeverein GVG haben schon begonnen. Mein Ziel ist es, 180 Aussteller nach Grenchen zu holen. Man muss ja Ziele haben! Auch die Bühne im Velodrome möchte ich weiter ausbauen und die Grenchner Vereine noch mehr einbinden und dazu bringen, sich zu präsentieren.

Wie sieht es mit dem Rummelplatz aus?

Grundsätzlich fand ich ihn schön und er ist ein Teil der Messe. Wir haben auch schon damit begonnen, für nächstes Jahr ein neues Konzept zu diskutieren: Was ist wünschenswert, was ist machbar. Denn wenn wir weiterhin einen Rummelplatz haben wollen, muss er attraktiver werden – oder wir lassen ihn ganz bleiben. Auch hier sind die Meinungen der Aussteller geteilt. Das wird in den nächsten Wochen erörtert.

Nochmals zur Eventhalle: zufrieden?

Sehr! Wir hatten ein gutes und breites Angebot, das die Leute sehr zu schätzen wussten. Einige der Künstler, wie Sarah Steiner mit ihrer Streetdanceschule, haben schon für nächstes Jahr zugesagt. Wir werden auch hier Anpassungen vornehmen, beispielsweise mit der Einbindung von lokalen Musikern oder Musikgesellschaften und den Bühnenzeiten. Wir werden auch mehr auf das ältere Publikum eingehen und das Mittagsprogramm klar vom Abendprogramm trennen, da vielleicht erst um 21.30 Uhr beginnen. Aber es muss einfach immer etwas laufen auf der Bühne, die Leute haben Freude, wenn etwas geht.

Kann man schon abschätzen, wie es finanziell aussieht?

Was wir sicher wissen: Es war keine rentable Messe für uns, aber das wussten wir schon von Anfang an. Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen, denn es kam sehr viel dazu, das nicht vorgesehen war – zusätzliche Heizungen beispielsweise. Unter dem Strich sind wir zufrieden mit unserer Leistung und profitieren in den nächsten Jahren davon. Eine Investition in die Zukunft sozusagen.

Sind Sie glücklich oder traurig darüber, dass die Messe vorbei ist?

Ich stecke immer sehr viel Herzblut in die Messe, bin sehr emotional bei so etwas. Besonders gestern wars schon hart, das Bewusstsein, dass es jetzt für ein Jahr vorbei ist und man Abschied nehmen muss. Die Stimmung hier war sehr familiär. Aber ich freue mich auch darauf, meinen kleinen Sohn wieder zu sehen. Ich fahre also mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause.