Swatch Group

Nächste GV von Swatch könnte im Velodrome Suisse über die Bühne gehen

Swatch Group-Präsidentin Nayla Hayek schlägt vor, die nächste Aktionärsversammlung in Grenchen durchzuführen. Denn dort wird der neuste Stolz der Swatch Group produziert.

Zu Beginn der Generalversammlung (GV) des grössten Uhrenkonzerns der Welt sorgte Swatch Group Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek gleich für etwas Verwunderung bei den 2657 Aktionärinnen und Aktionären im Bieler Kongresshaus. Sie hatte schon mal Applaus eingeheimst dafür, dass die heurige GV erneut in Biel über die Bühne ging. «Wäre es für Sie okay, wenn die nächste Versammlung in Grenchen stattfinden würde?», fragte sie unvermittelt.

Produktion in Grenchen

Auch hier Applaus – wenn auch etwas verhaltener. Denn nach wie vor wissen längst nicht alle Aktionäre, dass bei der Grenchner Firma ETA die Uhrwerke für die meisten Swatch-Group Marken produziert werden. Auch der neue Stolz von CEO Nick Hayek, die «Sistem 51» wird bei ETA gebaut, eine mechanische Uhr mit nur 51 Teilen, die im Herbst lanciert wird. Am Rande der GV bestätigte Nayla Hayek gegenüber dem az Grenchner Tagblatt, dass das neue Velodrome durchaus als Tagungsort in Frage käme.

Die GV stand ganz im Zeichen des Jubiläums 30 Jahre Swatch. Hayek erinnerte an die Lancierung der legendären Plastikuhr vor 30 Jahren, die zwar zunächst im Testmarkt in Texas floppte, dank ausserordentlichen Marketing-Anstrengungen jedoch den Durchbruch schaffte. «Was den Texanern nicht gefiel, liebten danach alle andern – die Swatch im Sinne einer Second Watch» (Zweituhr). Die Uhr wurde bis 2006 (neuere Zahlen werden nicht genannt) 333 Millionen mal verkauft. Die Aktionäre konnten übrigens ein Jubiläumsmodell mit einer speziellen Gravur mit nach Hause nehmen. Für positives Aufsehen habe im Jubiläumsjahr auch der Jahresbericht gesorgt, der in Schweizer Mundart abgefasst ist.

So sprach auch die Verwaltungsratspräsidentin im ersten Teil der Versammlung Schweizerdeutsch, was die welschen Journalisten irritiert zum Übersetzungs-Kopfhörer greifen liess.

1,5 Milliarden «Flüssiges»

Die «Finanzzahlä» wiederum wurden auf französisch präsentiert und bedeuteten einmal mehr Rekorde (wie berichtet): Bruttoumsatz von 8,143 Milliarden Franken (+ 14 Prozent), Betriebsgewinn von 1,984 Mrd. Fr (+22,9%) und Konzerngewinn von 1,608 Mrd. Fr. (+26 %) wir berichteten). Auch habe die Firma letztes Jahr 316 Mio. Fr. Steuern gezahlt, erklärte Thierry Kenel von der Konzernleitung. Die Swatch Group verfüge über Flüssige Mittel von 1,5 Mrd. Fr. (1,9 Mrd. mit Finanzanlagen).

Der Angriff von teilweise internationalen Aktionärsgruppierungen auf den Swatch-Verwaltungsrat (vgl. «Schweiz am Sonntag» vom vergangenen Wochenende und gestrige Ausgabe), war an der Versammlung nur am Rande ein Thema. Die Gruppierungen verlangten, dass der Verwaltungsrat nicht mehr in globo gewählt werde. Dieser sei zudem zu stark mit der Familie Hayek verbandelt.

Kleinaktionäre nicht zu haben

Ganz anders tönte es vor der Versammlung im Zug nach Biel, der praktisch voll besetzt war mit Aktionären – die Mehrheit von ihnen im Pensionsalter. «Die Hayeks schaffen Arbeitsplätze und es ist nicht gerechtfertigt, sie für ihren Erfolg noch abzustrafen», sagt beispielsweise Marie-Anna Heid Flückiger aus Baden, die mit ihrem Mann Adolf Flückiger nach Biel anreiste. – «Voll einverstanden», pflichtet Adolf Hunziker aus Lenzburg bei, der im Nebenabteil seine Stimmrechtsunterlagen ordnet. «Es faktisch ist eine Familienfirma, welche Aktionäre an ihrem Erfolg teilhaben lässt. Da schickt es sich nicht, ihr in den Rücken zu fallen», sagt Hunziker, der übrigens am selben Tag an eine weitere GV nach Luzern reist.

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Doch es gibt auch andere Stimmen: Harold Baur aus Sarmenstorf findet das Prozedere an der GV veraltet. Er achte zwar hoch, was die Swatch-Chefs für die Swissness tun. «Eine Globalwahl des Verwaltungsrates ist aber nicht mehr zeitgemäss. Das kann man bei einem Verein tun, aber nicht bei einer börsenkotierten Firma.»

«Wo führt das noch hin?»

Nun, angesichts des erdrückenden Abstimmungsverhaltens der in Biel anwesenden Aktionäre, verliess ihn wohl der Mut doch und er liess beim «Gegenmehr» die Hand unten. Trotzdem haben sehr viele (nicht anwesende) Aktionäre bei der Wiederwahl Nein gestimmt. Wie viele es sind, wurde nicht bekannt gegeben.

Die Neuankündigung «Sistem51» liess schliesslich einen Aktionär besorgt fragen. «Wo führt das hin mit den Arbeitsplätzen, wenn künftig nur noch Roboter die Uhren bauen?» Man müsse ja die Bestandteile, die der Roboter zusammenbaut zuerst herstellen, entgegnete Nick Hayek. Für die neue Uhr habe man mit 20 externen Firmen zusammengearbeitet. Man schaffe also auch bei den Zulieferern neue Arbeitsplätze. Die Swatch Group beschäftigt laut eigenen Angaben weltweit gegen 30 000 Personen, davon mehr als die Hälfte in der Schweiz.

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