Littering
Nach Splittern im Kuh-Futter: Ein Fahrverbot gegen Abfallsünder

Der Grenchner ETA-Landwirt Ernst Schnyder machte schweizweit Schlagzeilen mit seinen toten Kühen. Jetzt greift ihm auch die Polizei unter die Arme – und zwar mit einem Fahrverbot.

Patrick Furrer
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Das Bild beweist: Das Fahrverbot steht, doch keiner hält sich daran. Was allerdings Folgen hat – die Fahrzeughalter werden gebüsst.

Das Bild beweist: Das Fahrverbot steht, doch keiner hält sich daran. Was allerdings Folgen hat – die Fahrzeughalter werden gebüsst.

Patrick Furrer

Ende Mai machte diese Zeitung den tragischen Fall von Landwirt Ernst Schnyder publik. Der Pächter des ETA-Hofes in Grenchen hatte durch Alusplitter im Futter sechs Milchkühe verloren, was Betroffenheit und Wut auslöste. Der Fall ging durch die nationalen Medien und bewirkte unter anderem im aargauischen Lengnau, dass die Gemeinde eine Plakataktion startete, nachdem auch dort ein Bauer fast eine Kuh verloren hatte.

«Alle wissen es, aber niemand macht etwas»

Ernst Schnyder in Grenchen hat mit seinem Auftritt etwas in Bewegung gebracht. In einer Umfrage eines Fachblattes gaben rund die Hälfte aller Bauern an, ähnliche Probleme zu haben. Der Bauernverband hat versprochen, sich dem Littering-Problem verstärkt anzunehmen. Es ist offenbar nötig, diesem mit konkreten Massnahmen zu entgegnen, oder wie es ein Leser dieser Zeitung einmal auf www.grenchnertagblatt.ch formulierte: «Alle wissen es, alle sehen es, fast alle ärgern sich, aber niemand will wirklich etwas dagegen tun.»

Immerhin: Schnyder ist froh, dass das Thema ernsthaft diskutiert wird. Auf seinem Pachtland will er bereits festgestellt haben, dass einige Abfallsünder sensibilisiert wurden; jedenfalls habe er auf einigen Parzellen bereits etwas weniger Abfall als vorher.

Gegen Wildparken und Abfall

Eine andere, konkrete Massnahme gegen Ernst Schnyders Probleme ist, dass die Polizei nun auf zwei Feldwegen in der Witi neue Fahrverbote eingeführt hat. Diese führen von der Badi entlang der Neumattstrasse bis zum Mattenhofweg, sowie senkrecht dazu von der Neckarsulmstrasse entlang dem Witiweg bis zum Witibach. Das Gebiet gehört zum von Ernst Schnyder bewirtschafteten Land.

Der Hintergrund: Bei Grossanlässen, oder auch während der momentanen Kanalisationsarbeiten in der Sportzone mangelt es an Parkplätzen, weshalb viele Leute, besonders Badibesucher, die Felder oder die Strasse unerlaubterweise als Wildparkplatz nutzten.

«Es ergaben sich mehr und mehr Schwierigkeiten, weil auf, respektive unmittelbar neben diesen Feldwegen parkiert wurde», erklärt dazu Polizeikommandant Robert Gerber. Wollte Schnyder bisher etwas dagegen unternehmen, musste er Anzeige erstatten. Dank des neuen Fahrverbots, welches schon früher ein Thema war, kann die Polizei nun direkt büssen.

Mehrere Falschparker gebüsst

Ärgerlich: Auf dem Weg zum Auto lassen Lenker Abfall liegen, werfen Zigarettenstummel oder Getränkebüchsen auf die Landstrasse oder in die Felder. «Eine Saumode», findet der betroffene Bauer. Mit dem Littering aber nicht genug. Wenn es regnet, hat der Landwirt immer wieder Landschäden zu verzeichnen. Froh ist er, dass das Fahrverbot jetzt auch bewirkt, dass weniger Leute auf sein Land fahren.

Ob das Verbot hilft? Vermutlich. Die Verbotsschilder wurden am 22. Juni montiert, Einsprachen gab es keine. Hingegen wurden bereits rund 10 Fahrzeughalter gebüsst. Und es dürfte wohl noch die eine oder andere Busse folgen, bis sich alle ans Verbot halten. Das Fahrverbot wird noch längst nicht von allen respektiert, wie auch das oben stehende Bild zeigt. Selbst die Absperrgitter, die die Polizei als zusätzliche Sperre aufstellt, werden vielfach einfach zur Seite gestellt.