Das Haus, in welchem Erich und Elisabeth Gutmann ihre Bäckerei betreiben, wurde im Jahr 1900 gebaut - und schon von Beginn an wurde dort Brot gebacken. Vater Willi Gutmann hatte mit seiner Frau Louise die Bäckerei 1954 übernommen und umgebaut. Denn ursprünglich war die Bäckerei Teil eines kleinen Bauernbetriebes: Im hinteren Teil befanden sich Ställe für Kühe und Schweine. Nach 25 Jahren übergab Willi das Geschäft an seinen Sohn Erich.

Jetzt, 35 Jahre später feiern Gutmanns das 60-Jahr-Jubiläum der Bäckersfamilie Gutmann und setzen sich im selben Jahr zur Ruhe. Mit der Bettlacherin Marina Derendinger haben sie eine hoffnungsvolle, junge Nachfolgerin gefunden.

Zeiten haben sich geändert

«Als wir den Betrieb von den Eltern übernahmen, da konnte man noch richtig Brot backen», erzählt Elisabeth Gutmann. Fünf bis sechs Sorten Brot habe man gebacken und das in Mengen, die heute unvorstellbar seien.

«Bettlach war damals ein Dorf, das sich eigentlich zu einem grossen Teil selbst versorgte: Wir hatten vier Bäckereien, vier Metzger, die Chäsi. Fast jede Familie hatte ein paar Kühe, Hühner und Schweine. Und die Familien waren gross mit bis zu zehn, elf Kindern», ergänzt Erich Gutmann. «Heute wird nur noch ‹gebrösmelet›», sagt Elisabeth Gutmann, denn es gebe so viele verschiedene Sorten Brot, die man im Angebot haben müsse, um gegen die Konkurrenz der Grossverteiler bestehen zu können.

Gutmanns betreiben noch die letzte Bäckerei in Bettlach, Metzgerei gibt es schon lange keine mehr und auch die Chäsi wurde letztes Jahr geschlossen. Das Einkaufsverhalten der Kundschaft habe sich halt stark verändert, sagt Erich Gutmann.

«Aber wir hatten doch eine sehr schöne Zeit», sagen die Bäckersleute. Und sie erzählen von den Highlights der letzten 35 Jahre: Das grosse Bettle-Fescht im Jahr 1981, als sie produzierten «wie verrückt», oder das Millennium, als sie ihre Backstube kurzerhand in eine Kaffeestube verwandelten.

Aber auch vom Umbau, denn Vater Willi hatte noch in einem Steinofen Brot gebacken, der zuerst mit Holz und später mit Öl beheizt wurde. «1985 haben wir dann die Backstube komplett erneuert und einen modernen Backofen eingebaut.»

Seit 20 Jahren führen Gutmanns auch regelmässig den Holzofentag durch, so auch heute Samstag. Am Vormittag wird jeweils draussen neben der Bäckerei im Holzofen Brot gebacken, ab Mittag gibts Ghackets und Hörnli sowie diverse Pizzas für wenig Geld, der Kaffee ist gratis.

Übergabe an junge Bäckerin

Gesundheitliche Probleme von Erich Gutmann liessen schliesslich den Entschluss reifen, sich mit 63 Jahren nun zur Ruhe zu setzen. «Täglich 12 bis 13 Stunden oder noch länger auf den Füssen zu stehen, das ist hart», sagt Erich Gutmann. Nach zwei Spitalaufenthalten im letzten Jahr hätten sie damit begonnen, eine Nachfolgelösung zu suchen. «Wir haben uns auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen.»

Und man wurde fündig: Die 27-jährige Bettlacherin Marina Derendinger, die ihre Ausbildung zur Bäckerin/Konditorin in Recherswil absolvierte, hat schon in diversen Betrieben gearbeitet. Seit Anfang Juni wird sie von Gutmanns in den Betrieb eingeführt und sie übernimmt ihn als Pächterin ab 4. August.

«Es wird einige Neuerungen geben», sagt die junge Frau. Sie wolle das Sortiment etwas auffrischen, neu Wochen- und Monatsaktionen einführen und auch neue Produkte anbieten.

Geplant ist beispielsweise ein Sandwich-Pass: Zehn Sandwiches kaufen, das Elfte ist gratis. «Mir schwebt auch die Idee vor, eine kleine Kaffee-Ecke in der Bäckerei einzurichten, aber das braucht noch etwas Zeit.»

Und Gutmanns? «Wenn Not am Mann ist, können wir immer einspringen», sagt Elisabeth Gutmann. «Aber wir freuen uns jetzt darauf, all das nachzuholen, auf das wir verzichten mussten.»