Flugplatz Grenchen

Nach Notlandung: Müssen jetzt Massnahmen getroffen werden?

Die Kantonsstrasse ist rechtwinklig zur Piste angelegt. (Archiv)

Die Kantonsstrasse ist rechtwinklig zur Piste angelegt. (Archiv)

Der Zwischenfall vom Donnerstag, als ein Kleinflugzeug unweit der Kantonsstrasse in ein Feld abstürzte, zieht Fragen nach möglichen Konsequenzen nach sich.

Das Flugzeug vom Typ Piper Tomahawk hatte die Archstrasse am Donnerstagnachmittag in relativ geringer Höhe überquert, bevor es im Feld westlich der Strasse abstürzte. Und damit stellen sich unweigerlich ein paar Fragen: Ist es normal, dass eine vielbefahrene Strasse quer zur An- und Abflugschneise des Flughafens verläuft und nicht durch irgendwelche Massnahmen gesichert wird?

Manche erinnern sich vielleicht an die grosse Notfallübung vor vier Jahren, als just dieser Fall simuliert wurde: Ein Flugzeug kracht bei einem missratenen Landeanflug in einen Bus. Es gibt Tote und Verletzte zuhauf.

Urs Holderegger, Kommunikationsverantwortlicher beim Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL, relativiert: «Grenchen ist keineswegs ein Einzelfall.» Bei den Flughäfen Lugano, Birrfeld und Altenrhein würden ebenfalls Strassen rechtwinklig zur Piste verlaufen. Grenchen sei international zertifiziert und erfülle die Ansprüche punkto Sicherheit und Notfallplan. «Vom BAZL her sind keine Massnahmen zu erwarten.»

Micheline Gaschen, stellvertretende Direktorin des Flughafens: «Wir sehen den täglichen Stau ja auch, Autos, die Stossstange an Stossstange in der An- und Abflugschneise stehen. Und das sehen wir nicht gerne.» Man habe auch einige Ideen, wie man die Sicherheit verbessern könnte. «Eine konkrete Erstmassnahme wäre mit einigen Kilo Farbe schnell umzusetzen, aber das muss zuerst mit den zuständigen Stellen im Kanton besprochen werden.» Gaschen meint damit, dass man die Strasse im Bereich der Pisten irgendwie markiert, sei es mit Kreuzen, Zebrastreifen, Anhalteverboten oder ähnlich, damit die Autofahrer bemerken, dass sie sich in einem Gefahrenbereich aufhalten und diesen Abschnitt bei einem Stau freihalten. «Selbst wenn jetzt jemand sieht, dass ein Flugzeug etwas tief auf ihn zufliegt, hätte er keine Möglichkeit auszuweichen.»

Dass dadurch der Stau noch schlimmer wird, glaubt Gaschen nicht: «Der Rückstau reicht ja jetzt schon bis zur Neckarsulmstrasse, da kommt es auf die paar Meter auch nicht mehr an.»

Robert Gerber, Kommandant der Stadtpolizei und Chef der Sicherheitsdienste der Stadt, ist nicht überzeugt, dass beispielsweise Anhalteverbote etwas taugen. «Signale, die keine Strafe nach sich ziehen, sind wirkungslos.» Er würde eine Lichtsignalanlage befürworten. Aber das sei Sache des Kantons.

Vor rund 30 Jahren musste in Grenchen eine Fahrradfahrerin ihr Leben lassen, als sie auf der «alten» Archstrasse von einem Flugzeug erfasst wurde. Bleibt zu hoffen, dass der Kanton jetzt nicht «schwierig» tut. In Altenrhein brauste ein grösserer Jet vor zwei Jahren über die Piste und die Strasse hinaus und verfehlte einen vollbesetzten Bus nur knapp. Man wollte eine Lichtsignalanlage installieren. Der Kanton St.Gallen lehnte das Vorhaben ab.

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