Kunsthaus
Nach neun Jahren gehts ein Haus weiter

Eva Inversini, die künstlerische Leiterin des Kunsthauses Grenchen, wechselt zum Kanton und damit Chefin des Amtes für Kultur und Sport. Ein Interview.

Oliver Menge
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Eva Inversini tritt den neuen Job als Chefin des Amtes für Kultur und Sport beim Kanton per 1. Februar an.

Eva Inversini tritt den neuen Job als Chefin des Amtes für Kultur und Sport beim Kanton per 1. Februar an.

Oliver Menge

Eva Inversini wird nach beinahe neun Jahren als künstlerische Leiterin des Kunsthauses Grenchen Nachfolgerin von Cäsar Eberlin und Chefin des Amtes für Kultur und Sport des Kantons Solothurn. Das az Grenchner Tagblatt traf Eva Inversini im Kunsthaus und befragte sie zu ihrem Wechsel.

Eva Inversini, als künstlerische Leiterin des Kunsthauses Grenchen haben Sie in den letzten Jahren vieles bewegt. Was würden Sie persönlich als Höhepunkte bezeichnen?

Eva Inversini: Als ich hier im Januar 2008 angefangen habe, war alles, aber wirklich alles eine Baustelle. Dies war auch der besondere Reiz für mich: Einen Betrieb von Grund auf, mit vereinten Kräften, erneuern zu dürfen. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2008 haben wir das Kunsthaus mit den Schwerpunkten Druckgrafik und zeitgenössische Kunst strategisch neu ausgerichtet, in allen Teilen professionalisiert und den Betrieb konsolidiert – diese Gesamtheit ist eigentlich der Höhepunkt. Hier ein paar Glanzpunkte herausheben zu wollen, wäre effektvoll, würde aber eigentlich der Ernsthaftigkeit der Sache nicht ganz gerecht.

Können Sie dennoch ein paar Stichworte zur Konkretisierung nennen?

Zu dieser Gesamtheit beigetragen haben die vielfältige Ausstellungsprogrammierung, die kontinuierliche Pflege, Vermittlung und Erweiterung der Sammlung sowie die variantenreichen Kunstvermittlungs-Programme. Dabei habe ich immer darauf geachtet, dass wir sowohl den Ansprüchen eines Fachpublikums als auch den Bedürfnissen eines Laienpublikums gerecht wurden. Die regelmässig durchgeführte Ausstellung «Impression» sowie die Kooperationen mit Institutionen wie der Bundeskunstsammlung, der Graphischen Sammlung der ETH Zürich, der Universität Bern oder dem NMB Neuen Museum Biel haben den Namen des Kunsthauses Grenchen in die Schweiz hinausgetragen und Besucher aus dem ganzen Land nach Grenchen gebracht. Als eine der Folgen der kontinuierlichen Aufbauarbeit haben wir in den vergangenen Jahren wiederholt Schenkungen renommierter Künstlerinnen und Künstler, Editionen oder Konvolute wertvoller, druckgrafischer Werke von Privatpersonen entgegennehmen dürfen.

Gibt es auch etwas, das Ihrer Meinung nach nicht so gut geklappt hat?

Wenn ich auf die massiven Budgetkürzungen blicke, die uns diesen Herbst anfänglich gedroht hatten, ist es uns offenbar zu wenig gut gelungen, ganz konkret aufzuzeigen, wie effektiv und effizient wir die im Vergleich zu anderen ohnehin schon äusserst begrenzten Mittel in den letzten Jahren eingesetzt haben. Auch wünschten wir uns nach wie vor, dass die Grenchner Bevölkerung vermehrt neugierig und frei von Schwellenängsten unser Haus besucht.

Stichwort Finanzen: Das Kunsthaus kam jetzt um eine Beitragskürzung herum, weil man freiwillig spart. Wie weit kann man auf Kultur verzichten? Wann tun Sparprogramme richtig weh?

Der Verzicht auf den Beitrag der Stadt Grenchen an unser Ankaufsbudget – wohlgemerkt zeitlich begrenzt auf ein Jahr – ist unsere einzige Möglichkeit, zu sparen, wollen wir den Ruf des Kunsthauses langfristig nicht gefährden. Die Betriebskosten sind bereits so gering, dass hier kein Sparpotenzial mehr vorhanden ist. Wir haben zeitlich begrenzt dazu Hand geboten, weil wir uns als Teil der Stadt Grenchen verstehen und in diesem Sinne – auf lange Sicht gesehen – ein verlässlicher Partner sein wollen. Meine Tätigkeit als Künstlerische Leiterin habe ich immer auch «im Dienste» und für die gesamte Stadt Grenchen verstanden und ausgeübt. Das Kunsthaus ist – prominent am Bahnhof platziert – ein höchst attraktives Tor zu Grenchen und einer der wichtigen Standortfaktoren dieser Stadt. Als Kunstmuseum bewahren wir das kulturelle Erbe für künftige Generationen, sind Gedächtnis und Wissensspeicher zugleich. Wir pflegen das Hiesige, unsere Kultur, und tragen somit wesentlich zur Identität unserer Gesellschaft bei – wir müssen weitsichtig handeln. Kultur ist meines Erachtens entsprechend unverzichtbar – sie macht aufmerksam, regt zum Nachdenken an und gibt unserer geistigen Haltung Ausdruck.

Am Dienstag werden Sie vom Team verabschiedet, wie war im Rückblick die Zusammenarbeit?

Wir sind ein kleines Team – aber oho! Über all die Jahre hatte ich es mit Menschen in meinem Team zu tun, die alle verbindlich ihr Möglichstes gegeben haben. Damit haben sie dazu beigetragen, dass wir mit den sehr begrenzten Mitteln trotzdem die fachlichen Standards erfüllen und unsere Aufgaben im Alltag kompetent und sowohl miteinander als auch nach aussen hin freundlich, zuverlässig und dienstbereit meistern konnten. Sie alle tragen damit zum guten Gelingen des Kunsthauses bei. Wir sind eine tatkräftige, loyale und verantwortungsbewusste «Truppe» mit einem Stiftungsratspräsidenten an der Spitze, der bereits seit über mehr als 20 Jahren ehrenamtlich die Geschicke des Hauses mit einem äusserst umfassenden Engagement leitet.

Sie verlassen Grenchen in Richtung Solothurn, wo Sie ab 1. Februar Chefin des Amtes für Kultur und Sport des Kantons Solothurn werden. Ein Traumjob?

Ja, tatsächlich – ich wollte oder musste ja nicht unbedingt weg vom Kunsthaus. Meine Tätigkeit als Künstlerische Leiterin des Hauses habe ich bis zum Schluss als Erfüllung empfunden. Doch die Aufgabe, als Kulturbeauftragte die «Botschafterin für Kultur und Sport unseres Kantons» sein zu dürfen, entspricht meinem Wunschbild für meine berufliche Weiterentwicklung voll und ganz und kommt auch zeitlich ideal. Das Kunsthaus steht auf einem soliden Fundament – ich gehe, wenns für mich am schönsten ist, und das ist gut so. Weitere Auskünfte zu meiner neuen Tätigkeit gebe ich dann gerne nach meinem Stellenantritt.

Inwiefern wird Grenchen davon «profitieren» können, dass Sie als profunde Kennerin der Grenchner Kunstszene nun an einflussreicher Position sein werden?

Selbstverständlich habe ich nach neun Jahren intensiven Schaffens am Standort Grenchen besondere Kenntnisse der hiesigen Verhältnisse und der Akteure vor Ort. Sie können jedoch davon ausgehen, dass mir die sogenannte Vetternwirtschaft zutiefst zuwider ist und ich deshalb sämtliche Entscheide im Zusammenhang mit Grenchen breit abstützen werde – auch, um zu verhindern, dass das Umgekehrte passiert, nämlich dass ich mit Grenchen kritischer und strenger bin, als ich dies bei anderen wäre. In meinen Grenchner Jahren gestaltete ich aktiv einen Bereich des kantonalen Kulturschaffens mit. Ich verfolgte die kultur-, sport- und förderpolitischen Entwicklungen jedoch stets innerhalb des ganzen Kantons sowie auf nationaler Ebene mit Interesse.

Eine ketzerische Frage: In all den Jahren haben Sie nie in Betracht gezogen, nach Grenchen zu ziehen, sondern es vorgezogen, von Bern zu pendeln. Jetzt aber werden Sie sich in Solothurn niederlassen ... Wegen der besseren Fasnacht?

Die Animositäten zwischen Grenchen und Solothurn sind mir eigentlich nie so zugänglich gewesen ..., dass ich nicht nach Grenchen gezogen bin, hat ganz andere Gründe. Einer davon ist, dass ich seinerzeit hier mit einem 50%-Pensum befristet auf zwei Jahre (bei maximal fünf Jahren) begonnen habe.

Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin, Claudine Metzger, mit auf den Weg?

Unbedingt den Humor nie zu verlieren und auf dem Platz Grenchen ja kein Öufi-Bier auszuschenken, wo es doch so ein feines Granicum gibt!

Besten Dank für das Gespräch.

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