Patrick Nyffenegger, der neue Leiter von Stadtgrün Grenchen, zeigt sich nach einem Augenschein beim Stadionrasen zufrieden. «Das sieht ja schon wieder viel besser aus», meint der Fachmann für die städtischen Grünflächen. Diese haben bisher ein schwieriges Jahr hinter sich, insbesondere wegen der anhaltenden Trockenheit. «Ein Dreierteam mit Manfred Nussbaum, Sascha Gisiger und Patrick Peter hat diesen Sommer tagtäglich in Rotation die städtischen Grünflächen bewässert und dabei einen guten Job gemacht», lobt der Stadtgrün-Leiter, sein «Frühaufsteher»-Team, das teilweise sieben Tage in der Woche ab 5.30 Uhr in der Stadt unterwegs war.

Die Bewässerung am Abend ist wegen Pilzbefall, am Mittag wegen Verbrennungen (Lupeneffekt der Wassertropfen) ungünstig, begründet Nyffenegger die frühmorgendlichen Aktivitäten von Stadtgrün Grenchen. Es wurden sämtliche Sportfelder, darunter zehn Fussballplätze, bewässert und natürlich die Wechselflorrabatten, die anderen Rasenflächen aber nicht. «Und wenn es nicht bald regnet, müssen wir auch wieder damit anfangen», erklärt der Stadtgrün-Leiter.

Rasenpflege auf Grenchner Fussballfeldern

Rasenpflege auf Grenchner Fussballfeldern

Die Trockenheit hat den Grenchner Sportplätzen arg zugesetzt. Mit einer Spezialmaschine wird der Bodenaufgelockert

Trotz der regelmässigen Bewässerung haben die Rasenflächen auf den Fussballplätzen gelitten. Drei Faktoren beeinflussen die Qualität des Rasens massgebend, erklärt der Stadtgrün-Leiter: die Intensität der Spielfeldnutzung, das Wetter und die Intensität der Rasenpflege. Dass die Rasenfläche zu intensiv genutzt werden, könne man so nicht sagen, meint Nyffenegger zum ersten Faktor. Man stehe in intensiven Gesprächen mit den Klubs, um eine möglichst gleichmässige Beanspruchung der Spielfelder zu erreichen.

Das Wetter hingegen habe eine wichtige Rolle gespielt und auch ein gewisser Rückstand im Unterhalt. Es sei wichtig, dass die Spielfelder regelmässig fachmännisch «gewartet» werden - von einer Sanierung will der Stadtgrün-Leiter in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

280 Tonnen Sand

Die Firma Swiss Green aus Lohn hat diese Rasenpflege in den vergangenen Tagen mit Spezialgeräten ausgeführt. Aerifizierung nennen die Fachleute diesen Vorgang. Der Boden muss aufgelockert und belüftet werden. Dazu wurden in einer ersten Phase 280 Tonnen Sand auf die 10 Spielfelder ausgebracht. Danach fährt ein Gerät übers Spielfeld, das runde Löcher in wenigen Zentimeter Abständen aus dem Boden stanzt. Der Sand und die entstandenen Erdzapfen werden danach mit einem Netz verteilt und füllen die Löcher wieder auf. Das lose Restmaterial wird maschinell aufgenommen. Der Rasen wird danach sofort wieder bespielbar. Zur Rasenpflege gehöre nebst dieser Belüftung auch die regelmässige Düngung (3- bis 4-mal im Jahr) und natürlich der Rasenschnitt. Diese Arbeiten würden alle durch Stadtgrün erledigt, ergänzt Nyffenegger.

Fussballseitig muss man mit der zurzeit schlechten Rasensituation leben. «Der Rasen im Hauptstadion ist zurzeit nicht gerade eine Visitenkarte», erklärt FC-Grenchen-Präsident Marcel Bolliger, der den Hauptgrund für die schlechte Rasenqualität auch im trockenen Wetter sieht. «Die Spielfelder wurden zum Teil pickelhart, doch waren immerhin bespielbar, nicht so wie bei zu viel Feuchtigkeit», meint Bolliger.

Anderseits gibt Bolliger zu bedenken, dass die Anzahl der Fussballer in den letzten Jahren zugenommen hat. «Gleichzeitig gingen mit dem Velodrome-Bau Spielfelder verloren.» Dies sorge für eine erhöhte Beanspruchung der bestehenden Plätze. «Wenn dann gleichzeitig das Wetter nicht mitmacht und der Unterhalt im Rückstand ist, kommen wir halt in Situationen wie diese.» Die Stadt sei übrigens via die Sportstättenplanung orientiert über den Mangel an Fussballplätzen. «Dieses Problem ist bekannt».

Sowohl Bolliger wie auch Nyffenegger sind der Ansicht, dass Investitionen in die Fussballfelder gut investiertes Geld sind. «Es wird hier von den Fussballclubs wichtige Präventionsarbeit bei der Betreuung der Jugend geleistet, anerkennt der Stadtgärtner. «Unsere Juniorentrainer arbeiten bisweilen als Sozialarbeiter. Sie machen immer wieder aus einer Horde überdrehter Jungs teamfähige Leute.»

Kunstrasen als Lösung?

Einen Befreiungsschlag in Sachen Rasenqualität und Trainingskapazitäten sähe FC-Grenchen-Präsident Bolliger im Bau eines Kunstrasenfeldes. In einer Volksabstimmung im Oktober 2011 wurde ein solches Projekt von den Grenchner Stimmbürgern aber deutlich abgelehnt und verschwand danach in der Schublade. Andernorts habe man gute Erfahrungen mit dieser Lösung gemacht, so in Solothurn, Biel oder Aegerten, so Bolliger. In Grenchen ist das Projekt nicht zuletzt an den hohen Kosten gescheitert. «Solche Projekte können heute selbsttragend sein», erklärt Bolliger. Einerseits fallen der aufwendige Rasenunterhalt und die Wetterabhängigkeit weg, anderseits könne man mit der Vermietung des Spielfeldes Einnahmen generieren.