Im Hotel-Restaurant Passage hat in den vergangenen Tagen ein reger Betrieb eingesetzt. Handwerker gehen ein und aus, auf der Rückseite des Gebäudes wurde ein Transportlift für Schutt installiert und das Dach wurde provisorisch mit Planen zugedeckt.

Seit der verhängnisvollen Nacht vom 12. auf den 13. Septembers ist im Passage nichts mehr, wie es war. Der Brand und seine Folgen, ausgelöst durch einen Blitzeinschlag, haben das Hotel massiv beschädigt. Der Dachstock und der 4. Stock wurden völlig zerstört. Sie müssen abgebrochen werden. «Gegen unten sind die Schäden graduell geringer, der 1. Stock und das Restaurant weisen nur noch Wasserschäden auf», erklärt Eigentümer Antonio Gonzalez bei einem Lokaltermin.

1,5 Millionen Schaden

Nach zehn Jahren Pacht ist Gonzalez seit Anfang Jahr Eigentümer der Liegenschaft, zu welcher auch noch vier Wohnungen und die Ladenpassage gehören. Diese Teile des Gebäudes sind vom Brand nicht betroffen. Dennoch wird der Schaden (inoffiziell) auf eine Höhe von rund 1,5 Mio. Fr. geschätzt.

Gonzalez wurde mitten in seinen Ferien in Spanien vom Ereignis überrascht und hat den Urlaub abgebrochen. Beim Brand vor Ort war Berat Dzemaili, der stv. Geschäftsführer des Betriebs. Zu zweit sind sie seither daran, Hand anzulegen, wo es nötig ist, bei den Reinigungs- und Aufräumarbeiten zu helfen. Dies mit einem Ziel: das Restaurant schon dieses Jahr wieder zu eröffnen. «Wir haben viele Stammgäste und möchten diese möglichst bald wieder bedienen können», erklären beide unisono. 27 Jahre arbeitet Gonzalez schon im Betrieb, 16 Jahre Dzemaili.

Das Restaurant wurde nur durch Löschwasser beschädigt und erhält einen neuen Boden und eine neue Decke. Das Inventar sei aber intakt und ist seither im Fumoir vis-à-vis der Fussgängerpassage eingelagert.
Löhne sind versichert

Auch die Küche ist mit Ausnahme des Warenaufzugs intakt geblieben. Dort sind die Mitarbeiter zurzeit fleissig am Abwaschen. «Alle acht Angestellten können ihren Job behalten und wollen auch bleiben», berichtet Gonzalez weiter. Ihre Löhne seien für eine Dauer von zwei Jahren versichert. Allein der temporär angestellten Raumpflegerin musste gekündigt werden, doch sie dürfe auf erneute Beschäftigung hoffen. Niemand müsse um seine Existenz bangen und die Hypothekarzinsen könnten aus den verbliebenen Einnahmen beglichen werden.

«So schnell wie möglich» soll auch das Hotel wieder hergestellt werden. Man hofft dabei, dass dies bis im Spätsommer 2019 möglich sein könnte – wenn alles rundläuft und keine weiteren versteckten Schäden entdeckt werden. So oder so gibt es viel zu tun. Im vierten Stock schaut man durch verkohlte Balken Richtung Estrich, der nicht mehr existiert. Brandgeruch und Russ überall, obschon bereits seit Tagen aufgeräumt wird.

Selber Löschen aussichtslos

Im Treppenhaus stehen zwei benutzte Feuerlöscher. «Damit habe ich versucht, den Brand zu bekämpfen, das war natürlich aussichtslos», erklärt Dzemaili. Das Hotel war während des Blitzeinschlags fast voll. Viele Gäste waren in ihren Zimmern. Alle konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr wurde sowohl automatisch über die Brandmelder, als auch durch mehrere Anrufe benachrichtigt.

Eine Spezialfirma für brandversehrte Liegenschaften wurde mit dem Rückbau betraut. Als Architekt wurde Francesco Berrafato (Biberist) beigezogen, er wird das Design der neuen Hotelzimmer bestimmen. Es sollen wie bis anhin 20 Zimmer mit einem Drei-Sterne-Standard bleiben. «Wir wollen kein Luxushotel daraus machen, dazu hätten wir auch das Geld nicht», erklärt Antonio Gonzalez. Weiterhin soll man im «Passage» für 100 Franken inklusive Frühstück übernachten können (99 Fr. plus 1 Fr. Tourismusgebühr).

Gut ausgelastet

Das Hotel sei vor allem werktags gut ausgelastet. Dann dient es Angestellten der Industrie als Unterkunft, beispielsweise, wenn die ETA Kurse durchführt oder für Fachkräfte, welche einige Tage in Grenchen arbeiten. Dauermieter gebe es nicht. Für die Dauer der Reparaturarbeiten werden Interessenten an die anderen Grenchner Hotels verwiesen: Krebs, Velodrome oder Airport. «Doch wir arbeiten mit Volldampf daran, dass wir bald wieder bereit sind, auch für die Hotelgäste», sagt Dzemaili.

Fünf der Hotelzimmer, primär auf der Westseite des Gebäudes, wurden nicht beschädigt und dienen jetzt als Stauraum für Mobiliar. Die beiden obersten Stockwerke (Dachstock und 4. Etage) müssen komplett neu aufgebaut werden, mit Ausnahme eines Boilerraums.
Und jetzt ein Blitzableiter

Die 4. Etage mit Dachschräge wurde erst vor acht Jahren als Hotel ausgebaut. In den unteren Stockwerken sind vor allem Wasserschäden zu beklagen. Der Personenlift braucht eine Überholung, die Küchenlüftung wohl auch, denn für beide Einrichtungen befindet sich der Maschinenraum im versehrten 4. Stock. Die Fassade soll unverändert bleiben und wird lediglich gereinigt, wenn das Gebäude schon eingerüstet wird. Und eines ist ebenfalls klar: Jetzt wird eine Blitzschutzanlage eingebaut.