Grenchen
Nach Deckeneinsturz: Wer hat hier geschlampt?

Beim Schulhaus Kastels in Grenchen wurden zwei Fahrzeuge wegen Wasser oder Schnee unter einem Unterstand begraben. Jetzt streiten sich die Versicherungen, wer daran schuld ist. Gleichzeitig wurde ein zweiter Unterstand abgesperrt.

Patrick Furrer
Merken
Drucken
Teilen
Die mobile Einsatzzentrale des Zivilschutzes wurde unter dem Flachdach des Unterstandes zerquetscht. zvg

Die mobile Einsatzzentrale des Zivilschutzes wurde unter dem Flachdach des Unterstandes zerquetscht. zvg

Seit August steht auf dem Parkplatz unterhalb des Kastels-Schulhauses ein Unterstand, unter dem bisher die mobile Einsatzzentrale des Zivilschutzes und das Auto des Schulabwartes abgestellt waren. Doch kurz vor Weihnachten ist der Unterstand zusammengestürzt, hat den umfunktionierten Wohnwagen zerdrückt und das Auto des Abwartes stark beschädigt. Das Resultat ist ein Gesamtschaden von mehreren zehntausend Franken. Da wird die Frage laut, wer hier geschlampt hat.

Eigentlich hätte das Holz-Metallkonstrukt dem Schnee und Regen standhalten müssen. Ausserdem steht nur wenige Meter westlich des zusammengestürzten Unterstandes seit zwei Jahren ein weiterer Unterstand. Laut dem Holzbauer, welcher die Teile für das neue Konstrukt geliefert hat, aber nicht genannt werden will, handelt es sich dabei um einen fast identischen Typ. Weil der noch intakte Unterstand auf dem Schulgelände steht, wurde er nun vorsorglich abgesperrt.

«Rein vorsorgliche Massnahme»

Geplant wurden beide Unterstände von der Baudirektion. Der ältere hat bereits zwei Winter hinter sich, was dafür spricht, dass er stabil sein dürfte. Gefahr für die Kinder bestehe nicht, sagt daher eine Lehrerin.

«Es handelt sich bei der Absperrung um eine reine Sicherheitsmassnahme», erklärt auch Christian Egli von der Baudirektion. Es handle sich zwar um eine ähnliche Konstruktion, ein Ersatz sei aber wahrscheinlich nicht nötig. Offenbar soll der Unterstand auf dem Schulgelände nun auch auf Druck von Lehrern zusätzlich verstrebt und stabilisiert werden.

Zivilschutz wird kritisiert

Da das Geschehene nun von einem Zürcher Experten und den Versicherungen analysiert wird, will sich vorerst keiner der Betroffenen verbindlich dazu äussern, wer an dem Schlamassel schuld sein könnte. Für den ausführenden Holzbauer steht lediglich fest, dass es wohl kaum an einem Materialfehler gelegen haben dürfte. Sicher ist: Der neue, nun kaputte Unterstand wurde nach dem Vorbild des ersten vor dem Schulhaus geplant. Im Gegensatz zum neuen hat der alte aber Wind und Wetter immer standgehalten. Was also war dieses Mal anders?

Im Gegensatz zum Aufbau vor zwei Jahren wurde der Unterstand diesen Sommer von den Zivilschützern aufgestellt. Zwar gemäss den Anleitungen des Holzbauers und unter Begleitung der Baudirektion. Dennoch wurde die Vermutung geäussert, dass vielleicht gepfuscht wurde.

«Auf keinen Fall», sagt dazu Zivilschutzkommandant Remo Schneider. Seine Leute hätten die Holzkonstruktion gemäss den Vorgaben aufgestellt, ausserdem sei dafür gesorgt worden, sachkundige Zivilschützer dafür einzusetzen. Für den Abwart und den Holzbauer ist die Angelegenheit aber weniger eindeutig. «Wahrscheinlich haben mehrere Komponenten ineinander gespielt», vermutet der Holzbauer. Er habe andere Verstrebungen angebracht als sein Vorgänger am Vorbild, ausserdem hätte er die Zivilschützer eventuell noch besser betreuen können, gibt er sich offen.

Schuldfrage noch unklar

Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass sich auf dem Flachdach Schnee und Wasser gesammelt haben könnte, weil die Neigung nicht stimmte und das Abfliessen beeinträchtigt wurde, der Fehler also doch nicht bei ihm als Lieferant lag. «Eigentlich müsste eine solche Konstruktion einiges an Gewicht aushalten», weiss der Holzbauer.

Dennoch bleibt offen, ob nun bei der Planung, der Lieferung oder der Ausführung gepatzt worden ist. Gesichert ist hingegen, dass schon beim Anbringen des Daches auf dem fertigen Holzgerüst die Vermutung geäussert wurde, dass die Konstruktion nicht stabil genug sei. Diese Befürchtungen könnten nicht ernst genug genommen oder zu wenig genau überprüft worden sein.