Grenchen
Nach Abgang des Stadtbaumeisters: Jetzt kommt das Hickhack

Daniel Gäumann hat seinen Job als Stadtbaumeister nach etwas mehr als einem Jahr im Amt gekündigt und entschieden, Grenchen zu verlassen. Für Beobachter kommt dieser Schritt nicht ganz überraschend. Eine Analyse.

Andreas Toggweiler
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Daniel Gäumann arbeitet noch bis Ende Januar 2016 in Grenchen. (Archiv)

Daniel Gäumann arbeitet noch bis Ende Januar 2016 in Grenchen. (Archiv)

Oliver Menge

So hat die bürgerliche Mehrheit ein Projekt für ein neues Stadthaus an der letzten Gemeinderatssitzung richtiggehend zerzaust und das nötige Geld für eine seriöse Weiterführung der Projektierung verweigert. Dies alles mit der Befürchtung, die Kosten könnten dereinst aus dem Ruder laufen.

Gäumann lief auch mit dem Begehren auf, den Energie-Richtplan für behördenverbindlich erklären zu lassen. Das Papier bleibt nun ein Papiertiger. Und dass die SVP auch noch versucht, das Energiestadt-Label wieder abzuschaffen, dürfte Gäumanns Motivation nicht befeuert haben, auch wenn das Anliegen ziemlich chancenlos ist.

Man konnte sich von Anfang an des Eindrucks nicht erwehren, der fachlich kompetente aber eher «schöngeistige» Gäumann und der zuweilen grobschlächtig politisierende Grenchner Gemeinderat finden den Draht zueinander nicht. Inwiefern sich beide Seiten ernsthaft bemüht haben, diese atmosphärischen Störungen anzugehen, muss offen bleiben. Wenn ja, dann ist es offenbar nicht gelungen. Dazu kommt der Umstand, dass dem aus der Privatwirtschaft kommenden Gäumann mitunter selbst etwas das Gespür für die politische Grosswetterlage fehlte. Dem Vernehmen nach hatte der Gemeinderat im August Gäumanns Anstellung nach der Probezeit nur provisorisch verlängert.

Mit der SP harmonierte er

Fakt ist, dass Gäumann bei den Bürgerlichen in Ungnade fiel und zunehmend offen mit der SP paktierte. «Die SP hat immer gut mit Daniel Gäumann zusammengearbeitet. Er ist fachlich sehr kompetent und hatte eine Vision für die Stadt. Ich bedaure seinen Weggang sehr», meint SP-Fraktionschef Remo Bill.

Damit setzte Gäumann angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Grenchner Politik auf das falsche Pferd. So sieht es jedenfalls auch Konrad Schleiss (FDP), Präsident der Bau- und Planungskommission Bapluk. «Die Zusammenarbeit entwickelte sich anfänglich noch gut. Doch zunehmend entstand in der Bapluk der Eindruck, der Stadtbaumeister verteidige lediglich die Sicht die Bauverwaltung und die SP unterstützte ihn konsequent dabei».

Chef und Vize jetzt weg

Gegenüber dem bürgerlichen Tarif, der in der Bapluk herrscht, sei eine zunehmende Renitenz spürbar geworden, so Schleiss weiter. So habe es beispielsweise in der Strassenunterhaltsplanung gehapert und ein Wille für eine Verbesserung sei nicht wirklich ersichtlich gewesen. Ob der kürzlich bekannt gewordene Abgang von Gäumanns Stellvertreter und Hochbauchef Jürg Vifian Richtung Bellach ebenfalls mit seinem neuen Chef zusammenhing, kann Schleiss nicht sagen. In der Tat war es wohl eher eine Folge des herrschenden Grabenkrieges.

Damit ist nun die ganze Spitze im Stadtbauamt neu zu besetzen, was der Bapluk-Präsident auch als Chance sieht. Schleiss empfiehlt, nicht nur fachlich auszuwählen, sondern auch politisch, damit die vorgesetzte Behörde wieder einen verlängerten Arm ins Stadtbauamt bekommt.

«Inszenierter Abgang»

Ganz anders sieht das der SP-Fraktionschef Remo Bill: «Die fachlich schlecht besetzte Baukommission, die kommende Ortsplanungsrevision sowie der Wegzug des Vize-Stadtbaumeisters sind schwierige Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete Stadtplanung. Die bürgerlichen Vertreter haben die Verantwortung über den von ihnen inszenierten Abgang und sind meines Erachtens gefordert.»