Grenchen-Bettlach
Nach 50 Jahren bei Kirchgemeinde: «Ich bin nicht amtsmüde»

Nach zehn Jahren im Amt als Präsident und 50 Jahren Tätigkeit für die Kirche hat Rolf Enggist, Präsident der Reformierten Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach, seine Demission per Ende Juni eingereicht. Im Interview zieht er eine erste Bilanz.

Andreas Toggweiler
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Rolf Enggist tritt Ende Juni als Kirchengemeindepräsident der Ref. Kirche Grenchen-Bettlach zurück.

Rolf Enggist tritt Ende Juni als Kirchengemeindepräsident der Ref. Kirche Grenchen-Bettlach zurück.

Oliver Menge

Mit 50 Jahren Tätigkeit als Funktionär wird man zur «grauen Eminenz». Gab es Vorwürfe im Sinne von «wir haben jetzt genug von Rolf Enggist»?

Rolf Enggist: Nein, ich habe immer noch das Gefühl, meine Arbeit werde geschätzt, und ich bin eigentlich auch nicht amtsmüde. Dafür bin ich der Kirche seit meiner Jugend zu stark verbunden. Mein Rücktritt erfolgt vor allem aus Altersgründen. Immerhin werde ich demnächst 75, was 10 Jahre über dem Pensionsalter liegt. Und zehn Jahre bin ich auch Präsident gewesen. Jetzt ist es Zeit für einen Wechsel.

Wie bei vielen Kirchen hierzulande geht die Anzahl der Mitglieder kontinuierlich zurück. Macht die Kirche etwas falsch oder muss sie sich damit einfach abfinden?

Eine spontane Antwort fällt nicht leicht. Eine Tatsache ist, dass sich die Gesellschaft verändert und die Bedeutung der Kirche im Leben vieler Menschen insgesamt abnimmt. Bei Kasualien, also Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, sind die Dienstleistungen der Kirche zwar immer noch gefragt, aber viel mehr offenbar nicht. Und manchmal täuscht auch der Eindruck. Die Kirche hat neben den Gottesdiensten ein stattliches Angebot. Angefangen beim Suppentag, dem Mittagstisch und dem Mittagsclub in Bettlach über die Seniorenbetreuung bis hin zu Lagern für Jugendliche. Auch für Menschen des mittleren Alters gibt es immer wieder Veranstaltungen (Konzerte, Vorträge usw.). Diese Angebote werden auch genutzt.

Von den Steuereinnahmen her stehen aber laufend weniger Mittel zur Verfügung. Sind Sparmassnahmen nötig?

Wir gehen so haushälterisch mit dem Geld um wie immer möglich. Doch dem Problem der sinkenden Steuereinnahmen müssen wir uns stellen. Es ist hier auch schon eine Task Force an der Arbeit. Resultate liegen aber noch nicht vor.

Am 15. Juni leiten Sie Ihre letzte Kirchgemeindeversammlung, diesmal in Bettlach. Wer wählt Ihren Nachfolger? Gibt es schon Kandidaten?

Nein. Die Ersatzwahl läuft nach dem kantonalen Wahlgesetz ab. Über den Vizepräsidenten Martin Ochsner ist die Führung der Geschäfte ja sichergestellt. Zu einer Urnenwahl kommt es nur, wenn mindestens zwei Personen das Amt anstreben.

Bekanntermassen engagieren sich mehr Frauen als Männer in der Kirche, was für eine Präsidentin sprechen würde ...

Das würde ich durchaus begrüssen. Schliesslich war ja schon meine Amts-Vorgängerin eine Frau, und im 16-köpfigen Kirchgemeinderat (inklusive Ersatzmitglieder) hat es acht Frauen.

Was waren für Sie die grössten Highlights in den 50 Jahren?

Ein erster Höhepunkt war der Bau des Zwinglihauses 1965, sieben Jahre, nachdem in Bettlach die Markuskirche eingeweiht wurde. In guter Erinnerung habe ich das 100-Jahre-Jubiläum der Kirchgemeinde im Jahr 1980 und das 125-Jahre-Jubiläum 2005. Erwähnenswert ist zudem, dass wir von 2012 bis 2014 den Synodepräsidenten der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn, der grössten Reformierten Kirche der Schweiz, stellen konnten (mit Robert Gerber, Anm. d. Red.).