«Es geht für mich persönlich eine Ära zu Ende, aber ich tue auch alles dafür, dass es mit dem Baracoa im gewohnten Rahmen weitergeht», sagt Mehmet Polat. Denn er fühle sich Grenchen verpflichtet, auch wenn er mittelfristig etwas kürzer treten wolle. Die langen Nächte als Wirt und Party-Organisator hätten mit der Zeit auch ihren Tribut gefordert, erklärt er den Schritt, zu dem er sich nach einiger Bedenkzeit durchgerungen habe.

Am 1. Januar 2018 werde Duran Odan, ein Schweizer mit türkischen Wurzeln, das Baracoa übernehmen. Der bisherige Betreiber der Multi-Fahrschule an der Kapellstrasse sei in der Schweiz aufgewachsen und bestens integriert, versichert Polat. Dessen Schwager Halil Atici werde das Wirtepatent erwerben.

Eine Familiensache

Eine Familiensache, ähnlich wie bei Polat selber, der das Restaurant zusammen mit seiner Frau führte. Zunächst werde er noch ein halbes Jahr als Angestellter im Baracoa tätig sein, erklärt Polat; schauen, dass es mit der Organisation der Anlässe weiterhin klappt. «Ich möchte einen möglichst reibungslosen Übergang.»

Den Weggang habe er eigentlich nicht bewusst geplant, ausser, dass man es mit 16 Jahren im gleichen Job am gleichen Ort auch mal gesehen hat. Einem Job, zu dem man eigentlich geboren sein muss, indem man die Stunden nicht zählen darf. Dafür umso mehr neu gewonnene Freunde (und gelegentlich einige Neider).

Als er von Odun vor einigen Monaten für den Deal angefragt wurde, sei es ihm nicht leicht gefallen, sich zu diesem Schritt durchzuringen. «Das Baracoa ist wie mein Kind, ich habe mit ihm Höhen und Tiefen erlebt, die mich geprägt haben.» Da fällt das Loslassen nicht leicht. Doch beim jungen Team, das das Baracoa jetzt übernehme, sei er zuversichtlich. «Ich bin jetzt 50. Sie sind in dem Alter, in dem ich war, als ich das Baracoa übernommen habe. Und sie sind im Herzen Gastgeber wie ich.»

Die Gastroszene geprägt

Mehmet Polat hat die Grenchner Gastro-Szene in den letzten Jahren geprägt, wie kaum ein Zweiter. Er erinnert an die Salsa-Tanzkurse, die bestens zum Kuba-Design des Lokals passten und ihm in der Latino-Szene einen Namen verschafften. «Wir waren auch die ersten, die Public Viewings für den Fussball durchführten, noch vor Solothurn.» Was allerdings auch immer wieder zu öffentlichen Diskussionen über die Absperrung der Bettlachstrasse führte – für die Polat der Stadt notabene Gebühren zahlte.

«Die städtischen Behörden und auch die Polizei haben mich immer unterstützt. Sie haben dazu beigetragen, dass das Baracoa das werden konnte, was es heute ist», windet Polat der Stadt ein Kränzchen.

Als wir Mehmet Polat im Fumoir des Lokals treffen, ist er gerade am Plakate zusammenkleben für die nächste Party. «Ich habe immer wieder Neues probiert, was nicht ohne Risiko war», räumt er ein. Es habe auch wirtschaftlich schwierige Zeiten gegeben. Seit einigen Jahren werden auch Mahlzeiten angeboten. Doch zurzeit sei das Baracoa finanziell gesund, versichert er.

Insgesamt würden sechs Angestellte beschäftigt, welche unter den neuen Chefs bleiben könnten und dies auch wünschten. Das Geld für die Löhne muss aber zuerst verdient werden und der monatliche Mietzins für das Lokal in Innerschweizer Besitz beträgt laut Polat 7700 Franken. Was für Grenchner Verhältnisse sehr hoch, wenn nicht sogar exorbitant wäre.

Nachfolger einarbeiten

Ob er ein neues Projekt anreissen wird, ist für Polat noch nicht klar: «Wer weiss, was die Zukunft bringt?» Einen Job mit etwas weniger unregelmässigen Arbeitszeiten würde er sicher bevorzugen. Doch zuerst müssten jetzt seine Nachfolger eingearbeitet werden. Seine letzte Party als Baracoa-Wirt wird am kommenden Silvester sein. Wenn er dann endgültig Abschied nehme, werde es aber sicher auch noch was geben, versichert er.