Als ich noch klein war, pflegten wir in der Schule oder im Kindergarten immer etwas Schönes und Sinnvolles fürs Mami zum Muttertag zu basteln.

Ich kann mich noch gut an eine Vase in der zweiten oder dritten Klasse erinnern: Einer Flasche haben wir mit einem brennenden Faden den Hals abgetrennt, die Vase dann in Zement eingepackt, in den wir Kieselsteine drückten – geschätzte drei Kilo schwer und potthässlich wurde das Teil.

Meine Mutter zeigte Freude daran, obwohl sie sie garantiert auch nicht besonders hübsch und schon gar nicht praktisch fand. Ich war ja nicht einmal selber davon überzeugt: Weil wir zu nassen Zement nahmen, rutschte der nach unten. Die Vase sah aus, wie ein mit Steinen gespickter, abgetrennter Elefantenfuss. Und soweit ich mich erinnere, hatte die Zeit fürs Anmalen nicht mehr gereicht – ein Jammer! Aber ich hatte etwas für sie gebastelt. Und das zählte. Die Vase stand jedenfalls noch lange auf ihrem Buffet.

Später erhielt meine Mutter von mir Gutscheine für Haushaltsarbeiten – es gab in unserer Wohnung schon genügend lackierte Schmuckkästchen oder Untersetzer aus Sperrholz, gefertigt im Werkunterricht: Eine Woche lang Abwaschen und/oder Abtrocknen – Geschirrspüler gab es damals noch nicht – Teppichklopfen, Staubsaugen und so weiter. Alleine die Geste freute sie sehr. Weniger Freude hatte sie daran, mir dann hinterherputzen zu müssen, weil das halt nicht so mein Ding war.

Als Jugendliche plünderten ein Freund und ich regelmässig in der Nacht vor dem Muttertag die Vorgärten eines entfernten Quartiers, und unsere Mütter, die sich des Öfteren trafen, freuten sich über die riesigen Blumensträusse, die sie erhielten. Sie wussten natürlich genau, dass wir die Blumen unmöglich irgendwo in freier Natur gefunden, geschweige denn gekauft hatten. Glücklicherweise wurden wir nie erwischt ...

Erst im Erwachsenenalter wurde mir bewusst, welche Bedeutung der Muttertag wirklich hat, was es auf sich hat mit dem «Danke sagen». Erst recht, als meine Mutter plötzlich nicht mehr da war und ich künftig weder auf ihren Rat noch auf ihre Hilfe hoffen durfte.

Morgen, am Muttertag, werde ich an sie denken und ihr wieder Danke sagen.