Namensrecht

Muss der Turnverein Grenchen 750'000 Franken zurückzahlen?

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Das Namensrecht fürs Stadion zurückzuerhalten ist offenbar nicht ganz gratis: Peter Buser verlangt 750'000 Franken innert der nächsten drei Jahre oder er besteht auf dem Namensrecht. Beim Turnverein ist man der Ansicht, den gesamten Betrag behalten zu können, selbst wenn man keinen neuen name-sponsor findet.

Ende September letzten Jahres fand im Turnerstadion des Turnvereins Grenchen der Spatenstich für das neue Stadion statt. Nach jahrzehntelangem Ringen war man endlich am Ziel angelangt: Mit den 1,5 Millionen Franken eines neuen Sponsors, der Beteiligung der Stadt Grenchen mit einer Million Franken und etlichen kleineren und grösseren Zuwendungen und Beiträgen Privater und Firmen hatte man das Geld für den Stadionneubau, rund 3,5 Mio. Franken, beisammen.

Peter Buser, der neue Sponsor, war von Elias Meier, Geschäftsleitungsvorsitzender des TVG, ins Boot geholt worden. Die Idee: eine neuartige Verbindung zwischen Sport und Kultur. Als Gegenleistung für die 1,5 Millionen sollten im Stadion kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Das Stadion sollte für 30 Jahre den Namen «Res Ubique/Peter-Buser-Stadion» tragen. Zusätzlich wurde vertraglich geregelt, dass die Privatstrasse auf dem Gelände in «Dr.-Peter-Buser-Strasse» benannt wird und im Bereich des Stadions Schilder und eventuell sogar ein ganzer Raum mit Weisheiten des Dichters Peter Buser auszustatten seien.

Doch der Deal nahm Anfang Dezember eine unerwartete Wendung. Peter Buser ging mit dem Hockey Club Davos, dem HCD, eine Partnerschaft ein und verzichtete auf die Namensrechte beim Grenchner Turnerstadion. Ab sofort heisse das Stadion wieder TV Grenchen Stadion, die 1,5 Mio. Fr., die bereits letztes Jahr auf das Konto des TVG geflossen sind, dürfe der TVG aber behalten, hiess es damals.

Das ist aber im wahrsten Sinn des Wortes offenbar nur die halbe Wahrheit, denn der Turnverein Grenchen muss Peter Buser die Hälfte der Summe, also 750000 Franken, zurückbezahlen. Dies bestätigte der exzentrische, inzwischen schweizweit bekannte und polarisierende Multimillionär auf telefonische Anfrage hin gegenüber dieser Zeitung. «Aber sie haben mir zugesichert, die Strasse im Stadion nach mir zu benennen und Weisheiten des Dichters Peter Buser aufzustellen», so Buser am Telefon.

Entweder das Geld oder das Namensrecht

Theo Schild, Abteilungsleiter Leichtathletik und Mitglied der Geschäftsleitung beim Turnverein Grenchen, bestätigt den Sachverhalt auf Anfrage – mit einer gewichtigen Änderung: «Wir sind die Verpflichtung eingegangen, ab 1. Januar 2020 einen Namensgeber des Stadions zu suchen, der mindestens 750000 Franken bezahlt. Dafür hat der TVG bis Ende 2023 Zeit. Im Erfolgsfall hat der TVG die Hälfte des von Buser gespendeten Betrags, also 750000 Franken, zurückzubezahlen. Wenn das wider Erwarten nicht gelingt, fällt das Darlehen dahin und steht dem TVG als Spende zur Verfügung.» Infolgedessen werde jetzt ein neuer Namenssponsor gesucht, der mindestens 750000 Franken mitbringe.

Für Buser sieht das etwas anders aus. Denn obwohl er den genauen Wortlaut der vertraglichen Abmachung nicht präsent habe, sei für ihn klar: Falls der TVG keinen neuen Sponsor finde, behalte er die Namensrechte, präzisiert er gegenüber dieser Zeitung am Telefon. «Ich kann ganz sicher nicht auf beides verzichten, auf den Namen und das Geld.» Aber der TVG werde sicher einen Namensgeber finden, schliesslich gehe es ja «nur noch» um 750000 Franken.

Die Sponsorensuche sei keine einfache Sache, sagt Schild. Denn eine Zuwendung dieser Grössenordnung durch einen Privaten sei doch eher selten und in Grenchen und Umgebung schwierig zu finden. Vermögende Privatpersonen, an die man jetzt vielleicht spontan denke, seien alle bereits «bearbeitet» worden und hätten ihren Teil beigesteuert. Man fokussiere sich deshalb eher auf Firmen, die im Bereich Name-Sponsoring aktiv seien, wie z. B. die Swatch Group mit «Tissot» – analog zum Tissot-Velodrome oder der Tissot-Arena in Biel.

Weiter hält Schild fest, dass die von Buser erwähnte Benennung der Strasse und das Präsentieren der «Weisheiten Busers» keine vertraglichen Bestandteile mehr seien, sondern auf freiwilliger Basis erfolge. «Unter Würdigung der ausserordentlichen Zuwendung werden wir Herrn Busers Wunsch entsprechen», sagt Schild.

Dass man vorerst mit den 1,5 Millionen Busers arbeiten könne, bringe etwas Entspannung in die Sache, sagt Elias Meier, Vorsitzender der Geschäftsleitung des TVG, der die Projektleitung für den Stadionbau innehat. «Ohne seinen Beitrag wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen».

Erste Vorarbeiten wurden schon erledigt

Momentan stehen die Bauarbeiten auf dem Stadiongelände still. Seit dem Spatenstich wurden drei Löcher auf der Aschenbahn auf einer Fläche von je 50 m2 ausgehoben. Material dieser Sondierungen wurde Ende letzten Jahres laut Auskunft der Baudirektion Grenchen analysiert. Denn erst eine abschliessende Abklärung unter Berücksichtigung der neu gültigen Grenzwerte lässt eine Entsorgung des belasteten Materials in einer Deponie B zu, ohne dass der Kanton sich nochmals einbringen müsste. Ein entsprechendes Entsorgungsgesuch sei eingereicht, sagt Meier und von der Baudirektion war zu erfahren, dass die Bewilligung in diesen Tagen eintreffen soll.

in Ingenieur werde ausserdem in den nächsten Tagen die Rasenfläche untersuchen, um festzustellen, wie dick die Humusschicht ist, die man ausnivellieren muss.

Projektleitung und die Stadionkommission seien sehr beschäftigt in diesen Wochen und Monaten. Das Projekt habe einige minime Änderungen erfahren, erklärt Meier: «Aufgrund des schwierigen Untergrunds mit sekundären Grundwasserspiegeln bei Starkregen, müssen wir Stabilisierungsmassnahmen vornehmen. Ausserdem haben wir uns für einen undurchlässigen Bodenbelag entschieden», erklärt Meier.

Man habe erstaunliche Veränderungen unter der Aschenbahn entdeckt: Teilweise sei die Schicht unter der Oberfläche nur 15 Zentimeter dick, teilweise bis zu einem halben Meter. Dies aufgrund von Hebungen des durchlässigen Untergrunds und der anschliessenden Ausnivellierung der Bahn darüber.

Weiter will man die temporären Bauwagen loswerden und plant stattdessen den Bau einer Werkstatt und eines Büros im Clubgebäude. Die Neubauten sollen vom ästhetischen Aspekt her ans Velodrome angelehnt werden. «Wir haben inzwischen ein 18-seitiges Dossier zum Projekt, wo alle Details geklärt sind.» Konkret anfangen will man bereits im Februar/März. Mit der Firma Frutiger AG Analysa habe man einen erfahrenen Sportstättenplaner und -bauer ausgesucht. Die Firma verfüge über viel Erfahrung und ein grosses Netzwerk.

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