Parktheater
Musikalischer und komödiantischer Leckerbissen

«Die Exfreundinnen» verzauberten und begeisterten in einem zweistündigen musikalischen und komödiantischen Spektakel die Zuschauerinnen und Zuschauer im sehr gut besetzten Parktheater mit Anekdoten und Geschichten zu Liebe und deren Nebenwirkungen.

André Weyermann
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«Die Exfreundinnen» im Parktheater Grenchen
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Multi-Instrumentalistin Sonja Fuechslin
Hier umgarnen sie einen aus dem Publikum geholten Bachelor

«Die Exfreundinnen» im Parktheater Grenchen

Thomas Ulrich

«Ja wir sind die Gespenster aus deiner Vergangenheit, unser Therapeut kennt jede Einzelheit», singen Anikó Donáth, Martina Lory und Isabel Florido gleich zu Beginn und geben damit die Richtung vor. Verflossene Liebschaften und deren Aufarbeitung stehen im Mittelpunkt des musikalischen Kabaretts.

Die drei Power-Frauen – rot, brünett und blond – erzählen, singen und tanzen von erlittenem und zugefügtem Leid, von der schwierigen Suche nach dem Richtigen. Ihre Erzählkunst ist dabei fesselnd, ihre gesanglichen Einlagen, ob solo oder im Trio, schlichtweg atemberaubend und ihre Verführungskunst derart, dass «mann» sich fragt, weshalb die grosse Liebe ihnen noch nicht zugeflogen ist. Denn nach dieser suchen die drei Künstlerinnen trotz all der Rückschläge munter weiter. Sie sind auf jeden Fall weit davon entfernt, wie ein Haufen frustrierter, frühzeitig gealterter Weibsbilder zu agieren. Im Gegenteil, in einer eigenwillig peppigen Version von «Kiss» (Prince) beschwören sie den One-Night-Stand oder umgarnen einen aus dem Publikum geholten Bachelor.

Beim Thema «Heiraten» allerdings kriegen sie gehörig den Blues. Überhaupt sind die musikalischen Einlagen kreativ und variantenreich. Ob Heimatlied, Operngesang, Rockballade oder Funksong: Die «Exfreundinnen» treffen den richtigen Ton und versehen die Liedstücke mit eigenständigen, bissigen bis lyrischen Texten. Kongenial dabei ihre musikalische Komplizin Sonja Füchslin (Konzertflügel, Akkordeon und Violine).

Die Männer kriegen ihr Fett weg

Nicht geschont wird naturgemäss das männliche Geschlecht, das an latenten kommunikativen Unzulänglichkeiten leidet und dazu auch nicht begreift, wenn es Zeit ist, «die Halle zu putzen». Da wird dann schon einmal mit Voodoo experimentiert und besonders uneinsichtige Zeitgenossen werden mit der Höchststrafe belegt: Der eine erliegt einem Warnschuss in den Kopf, der andere überlebt eine Kräuterkur nicht und der dritte rennt gleich mehrere Male ins offene Messer.

Die Protagonistinnen nehmen aber in wohltuend selbstironischer Weise ebenso eigene Unzulänglichkeiten aufs Korn. Den K(r)ampf um die gute Figur etwa, das «Ellbögelen» beim Anstehen vor der Toilette, verunglückte Blind- Date-Versuche, solche auf Partnerschafts-Plattformen oder die «typisch weibliche Krankheit der schleichenden Angleichung». Diese besteht darin, dass frau – obwohl an Höhenangst leidend – die Kletterwand erklimmt, sich bei «Heavy Metal» einen Tinnitus holt oder ihr Geld an die Silikon-Industrie sowie andere Abzocker verschwendet.

So teilen die drei bestandenen Bühnenfrauen während gut 120 Minuten aus und stecken ein. Ihre mit viel augenzwinkerndem Witz und Charme vorgetragene Darbietung reisst das (vorwiegend weibliche) Publikum immer wieder zu Lachsalven und begeisterten Beifallskundgebungen hin. Der anhaltende Erfolg der «Exfreundinnen» mag, neben der herausragenden Leistung der Darstellerinnen, auch damit zusammenhangen, dass jede(r) auf den Zuschauerrängen jeweils ein persönliches «Déjà-vu» erleben kann.

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