Grenchen

Musikalische Virtuosität: So unterhaltsam kann E-Musik sein

Das Duo Calva bot in der Zwinglikirche Unterhaltung auf höchstem Niveau. zvg

Das Duo Calva bot in der Zwinglikirche Unterhaltung auf höchstem Niveau. zvg

Zwei Cellisten bewiesen in der Zwinglikirche in Grenchen, dass auch ernste, klassische Musik die Lachmuskeln anregt.

Das war wahrlich ein vergnüglicher musikalischer Start in das noch junge Jahr. Dafür verantwortlich zeichnete in der sehr gut besetzten Zwinglikirche das Duo Calva. Die beiden Cellisten Alain Schudel und Daniel Schaerer zeigten, wie unterhaltsam ernste, klassische Musik sein kann. Dabei boten sie sowohl dem Kenner der Materie als auch dem in dieser Hinsicht nicht so gewieften Zuhörer einiges, welches Ohr, Herz, Seele und nicht zuletzt die Lachmuskeln erfreut haben wird. Musikalische Virtuosität, gegenseitige mehr oder weniger boshafte Anspielungen, komödiantische Ausflüge und vielsagende Mimik und Gestik, gepaart mit einer unerhörten Spielfreude versprühten schon bald eine Stimmung, welche vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Gegensätzlichkeit ausspielen

Dabei hatte es eigentlich ganz manierlich klassisch begonnen mit einem Werk des französischen Komponisten Jean-Baptiste Barrière. Wobei schon hier die Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere ausgespielt wurde. Der eine, Daniel Schaerer, als stiller Geniesser im formvollendeten Frack, der andere, Alain Schudel, mit expressiver Mimik und in einem eher dandyhaften weissen Anzug. In einer herrlichen Einlage wurde dieser ihm dann während des Spielens von einem rollschuhfahrenden Engel (Daniel Schaerer) ausgezogen und gegen eine passende Bekleidung umgetauscht. Nun galt auch für ihn: Gespielt wird Bach im Frack. Bezeichnend auch, wenn der eine des langen und breiten die Geschichte des Cellos erzählen will, der andere ihm in die Parade fährt und mit Verve und unverhohlener Erotik seine Liebe zum Instrument erklärt, diese Leidenschaft mit «Carmen» musikalisch untermauert und dabei wie natürlich Abstecher zu Andrea Botticelli oder Drafi Deutschers «Marmor Stein und Eisen bricht» unternimmt.

Die Zauberflöte in 60 Sekunden

Im Mittelpunkt des Gebotenen steht immer die Musik, welche von den Beiden passend arrangiert wird. Nur bietet das Duo Calva dazu noch einigermassen verrückte Einlagen und Geschichten. Mozarts «Zauberflöte» in sechzig Sekunden etwa inklusive Pause und Abfragen des Handys, heimatliche Klänge gefolgt von einem Paganini-Furioso, eine «Ave Maria»-Version an einem Cello mit vier Händen, ein Notenblatt, welches halbiert und von den beiden Musikern auch in dieser Form noch als Hörspass intoniert wird oder ein Bach-Präludium, in welches «Ewigi Liebi» eingebaut wird.

Organisator Eric Nünlist, der diesmal auch als unterhaltsamer Conférencier auftrat, betonte, dass es bei den Abendmusiken auch darum geht, die klassische Musik einmal anders darzubringen. Dies ist mit dem Neujahrskonzert und dem unvergleichlichen Duo Calva zur Freude des Publikums bestens gelungen.

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