SWG Veraltungsrat
Müller am Pranger: Wer steckt hinter der Indiskretion?

Die Städtischen Werke Grenchen bezahlen ein sattes Jahreshonorar, auch wenn ein Mitglied sämtliche Sitzungen schwänzt - das sorgt jetzt für Aufregung.

Theodor Eckert
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Kantonsrat Heinz Müller.

Kantonsrat Heinz Müller.

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Heinz Müller, Unternehmer, SVP-Kantonsrat und Verwaltungsrat der Städtischen Werke Grenchen, ist derzeit gehörig unter Strom. Seine Elpex AG läuft nach eigenen Angaben erfreulich gut: «So, wie es aussieht, werden wir den Umsatz dieses Jahr verdoppeln können - Automobilindustrie sei Dank», führt Müller stolz aus und verweist auf einen bedeutenden Auftrag aus China. Weniger erfreulich ist für den SVP-Mann der anstehende Prozess wegen Steuerbetrug Ende Monat, obwohl der ehemalige Parteipräsident («das Amt war eine grosse zeitliche Belastung») sein beanstandetes Tun weiterhin nicht als strafbare Handlung taxiert.

Gänzlich unerfreulich sind die jüngsten Vorwürfe, denen sich der Grenchner ausgesetzt sieht: Heinz Müller sei der König der Abwesenden. Aktueller Anlass ist die Präsenz- und Honorarliste des Verwaltungsrates SWG Städtische Werke Grenchen, die der Redaktion vorliegt. Daraus geht hervor, dass Müller lediglich an einer, von fünf Sitzungen teilgenommen hat, obwohl sämtliche Termine frühzeitig bekannt gewesen sind.

Viel Geld fürs Nichtstun?

Pikant daran und wohl auch Stein des Anstosses: Die Verwaltungsräte erhalten eine Pauschalentschädigung, unabhängig davon, ob sie an den Sitzungen präsent sind, oder nicht. In Franken bedeutet dies, dass Müller 2011 6019 Franken kassiert hat. Das ist kein Vermögen, trotzdem scheint es nicht allen zu gefallen. Offenbar wird auch die lasche Haltung Müllers dem Mandat gegenüber kritisiert. Zusätzliche Brisanz erhält die Geschichte durch den Umstand, dass ausgerechnet Heinz Müllers «Lieblings-Kontrahent» Boris Banga Präsident des SWG-Verwaltungsrates ist.

Die Honorarliste des Verwaltungsrats

Die Honorarliste des Verwaltungsrats

AZ

Banga bestätigt auf Anfrage zwar den Sachverhalt, will aber offenbar kein Öl ins Feuer giessen und meint nüchtern: «Kein Kommentar, für Auskünfte steht der Vizepräsident zur Verfügung.» Bei diesen handelt es sich um den Finanzfachmann Silvio Bertini aus Bettlach. Dieser weist als Erstes darauf hin, dass im Verwaltungsrat ein gutes Verhältnis herrsche.

«Das finde ich gar nicht gut»

Bertini zeigt sich überrascht, dass das Papier den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat: «Das finde ich gar nicht gut», ergänzt er seine Ausführungen. Der Vizepräsident betont, dass er als Parteiloser im Verwaltungsrat mitmache. Die SWG müsse wirtschaftlich geführt werden und nicht politisch. Er beurteile seine VR-Kollegen deshalb auch nicht nach dem Parteibüchlein. Bertini begrüsst es ausdrücklich, dass mit Heinz Müller ein Unternehmer im Gremium sitzt. Abschliessend gibt der Vize dann doch zu erkennen, dass er den Auftrag habe mit Heinz Müller das Thema Absenzen zu besprechen.

Und was sagt der SWG-Geschäftsführer zum Gebaren seines Verwaltungsrates? Per Just will und kann sich nicht zum Fall äussern. Immerhin so viel ist ihm zu entlocken: «Eine gute Mischung im Verwaltungsrat ist mir wichtig, ich möchte den Unternehmer Heinz Müller daher nicht im Aufsichtsgremium missen.»

Reaktion von Heinz Müller

Der angeschossene Heinz Müller ist sehr erstaunt, dass er in dieser Sache in der Kritik steht. Er ärgert sich anfangs masslos über die Indiskretion, findet dann aber rasch auf die argumentative Ebene zurück. «Ja, das ist im vergangenen Jahr tatsächlich so gewesen. Eine unglückliche Terminkollision. Ich bin bei Swissmechanic, meinem Fach- und Berufsverband, aktiv und bemühe mich dabei auch sehr um die Lehrlingsausbildung.» Dies tue er übrigens unbezahlt. Und im Übrigen hätten andere die SWG-Pauschale festgelegt. Dieses Jahr sollten die Sitzungen nicht mehr gleichzeitig stattfinden, dafür habe er jetzt gesorgt.

Müller betont, dass ihm viel an der Mitarbeit im SWG-Verwaltungsrat liege, darum habe er auch so vehement um einen Sitz gekämpft. Diesen wolle er bestimmt nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. «Wenn ich nicht an Sitzungen konnte, habe ich mich bilateral mit dem SWG-Geschäftsführer abgesprochen und meine Inputs geliefert», rückt er sein angezweifeltes Engagement ins richtige Licht. Müller betont, dass 2011 einfach ein in allen Belangen extrem belastendes Jahr gewesen sei. Das SWG-Honorar will er nicht als Spende weitergeben: «Dafür gibt es keinen Grund, ich bin immer für das Unternehmen da gewesen und werde es auch in Zukunft sein.»