Wieviel beträgt die maximale Zugkraft des Seilzugapparates der Grenchner Feuerwehr? Oder sagt der pH-Wert eines Mediums etwas über dessen Giftigkeit aus? Über diese und noch zehn weitere Fragen brütete am Samstagnachmittag die Bevölkerung der Uhrenstadt. Grund dafür war die diesjährige Hauptübung der Grenchner Feuerwehr, wo man sich ein neues Konzept ausgedacht hatte. Anstelle einer grossangelegten simulierten Lösch- und Rettungsaktion, wo die Besucher lediglich als Zuschauer fungieren, wurde ein erlebnisreiches Event für Gross und Klein auf die Beine gestellt. Unter dem Motto «Mitten drin statt nur dabei» wurden die Bürger kurzerhand gleich selbst zu Feuerwehrleuten umfunktioniert und durften unter fachmännischer- und fraulicher Anleitung selber Hand anlegen.

Neuer Anbau und neue Uniformen

Zudem nahm die Feuerwehr die Hauptübung auch gleich zum Anlass, um der Bevölkerung den im letzten Oktober erstellten Anbau am Feuerwehrgebäude sowie die neuen Uniformen zu präsentieren. «Wir können schliesslich nicht jedes Jahr ein neues Tanklöschfahrzeug einweihen», witzelte Kommandant Thomas Maritz. Aus diesem Grund fand die Vorführung nach gut zehn Jahren auch nicht mehr auf dem Markt- bzw. Zytplatz, sondern direkt beim Feuerwehrmagazin statt. Dadurch ging zwar die Laufkundschaft verloren, doch den hohen Besucherzahlen tat dies dennoch keinen Abbruch – im Gegenteil, selbst die Politiker gingen mit gutem Beispiel voran. So waren im Verlaufe des Nachmittags nicht weniger als 12 der amtierenden 15 Gemeinderäte am Anlass zugegen.

Insgesamt zwölf Posten – elf von der Feuerwehr und einer von der Stadtpolizei – waren über das gesamte Areal verstreut. Die Aufgaben erstreckten sich vom Bedienen eines Krans über das Hantieren mit dem Feuerwehrschlauch bis hin zum Aufbrechen einer Autotür mithilfe eines Spreizers zur Personenrettung. Daneben gab es auch Klassiker wie eine Runde mit dem Tanklöschfahrzeug drehen oder auf der Drehleiter hoch über dem Dach des Feuerwehrgebäudes die Aussicht geniessen. Nützliche Tipps im Umgang mit giftigen Chemikalien lieferte die Öl- und Chemiefeuerwehr, wo die Teilnehmenden lernten, den pH-Wert eines Stoffes festzustellen oder wie man eine ölverschmutzte Strasse am effektivsten reinigt.

Knifflige Aufgaben

Besonders abenteuerlich ging es derweil im Keller des Feuerwehrgebäudes zu und her. Ausgerüstet mit einem Atemschutzgerät und einer Wärmebildkamera wurden die Besucher in einem stockdunklen Raum auf Erkundungstour geschickt, um zu rettende Personen oder Gefahrenquellen – wie etwa Gasflaschen – ausfindig zu machen. Als kleiner Zusatz waren überall im Raum Schokoladenriegel versteckt, die es zu suchen galt. Fingerspitzengefühl war indes beim Pionierdienst gefragt. Mithilfe des Auf- und Abpumpens von zwei pneumatischer Hebekissen musste ein Ball sorgsam durch ein Labyrinth transportiert werden. Wer hierbei ungeduldig war und zu schnell zu viel Druck auf die Kissen gab, manövrierte die Kugel unweigerlich in eine Sackgasse. Bei jedem Posten galt es für die Teilnehmenden zudem eine spezifische Frage zu beantworten, um Punkte zu sammeln. Wer die Aufgaben gewissenhaft löste, durfte sich am Ende Chancen auf einen Preis ausrechnen.

Stadtpolizei mit Posten präsent

Dem Thema Sicherheit im Strassenverkehr widmete man sich beim Posten der Stadtpolizei. Hier konnte unter anderem ein Parkour mit einer Brille absolviert werden, welche dem Träger dieselbe Sichteinschränkung bescherte wie bei einem Alkoholgehalt von 1,3 Promille. Die Leute torkelten mal mehr mal weniger geschickt durch das Gelände – sehr zur Belustigung der Zuschauenden. Die Aufgabe schien ihre Wirkung jedoch nicht verfehlt zu haben. So sagte eine Teilnehmerin am Ende erschrocken: «Aber so kann doch niemand mehr Auto fahren?»