Angetroffen
Mit wachsamem Auge durch die Welt

Alicja Wawszczyk kommt aus Polen. Uns hat sie erzählt, was sie über das Leben in Grenchen und ihre Ferienlektüre weiss.

Nadine Schmid
Merken
Drucken
Teilen

Vor zwei Jahren zog die Polin voller Ambitionen nach Grenchen. Die Woiwodschaft Świętokrzyskie liegt im südlichen Teil des zentralen Polen, 50 Kilometer entfernt von Kielce. Dort, in der Stadt Busko Zdroj ist Alicja Wawszczyk geboren.

Aufgewachsen ist sie in der Stadt Bogucice, welche in der Woiwodschaft Schlesien liegt. Ihr Vater arbeitete als LKW-Fahrer, während ihre Mutter sich um das Haus kümmerte. Ihre ältere Schwester Sylvia zieht es, um Geld zu verdienen, von Ort zu Ort.

Wawszczyk verschlug es schliesslich nach ihrem Gymnasiumabschluss in die Schweiz, weil sie dort auf ein besseres Leben hoffte. Sie und ihr Partner Zoltan Kovacs fanden in Grenchen eine Wohnung. Wawszczyk arbeitet als Kassiererin in Biel. Sie erzählt von ihrem Leben, das nicht immer leicht ist.

Ihr Alltag ist neben der Arbeit öfters auch mit Trauer und Sehnsucht geprägt. Es gibt viele Gebühren zu bezahlen mit einem Lohn, der tief ist, es gibt viel grau in der Wohnung. Was sie auch überrascht, ist, dass sie in der Schweiz öfters auf Arroganz, Ignoranz und Egoismus stösst. Doch dennoch hat sie einiges lieb gewonnen: Die Freunde, die sie hier gefunden hat, und die Aare mit den Schwänen sowie der Jura sind beliebte Reiseziele.

Vieles zurückgelassen

Bücher haben Wawszczyk schon ihr ganzes Leben lang begleitet. «Ich wünsche mir, einmal eine kleine Bibliothek in meiner Wohnung einrichten zu können», erklärt sie. Momentan hat sie aber sehr wenige Bücher. «Als ich in die Schweiz aufbrach, konnte ich nur wenige mitnehmen, da sie viel Platz im Gepäck wegnehmen und schwer zu transportieren sind.»

Alicja Wawszczyk empfiehlt Stephen King und Wilbur Smith’ «Sonnenvogel» als Ferienlektüre. «Stephen King ist in der Ferienzeit immer gut: Die Gruselgeschichten kühlen richtig ab», erklärt sie augenzwinkernd.

Den «Sonnenvogel» von Wilbur Smith beschreibt sie als ungewöhnlich dramatische Liebesgeschichte. «Es ist sehr spannend zu lesen, es spielt in Afrika, es ist ein historischer Roman. Mir gefällt es, wenn ein Autor historische Themen aufgreift und einen Hauch Drama einbaut.»

Traum vom Künstlerleben

Wawszczyk taucht nicht nur durchs Lesen in andere Welten ein. Sie zeichnet gerne mit dem Bleistift. Ihrer Hand entspringen Porträts, Stillleben und Landschaften. «Derzeit konzentriere ich mich auf Blumenarrangements und Obst.

Das Spiel von Licht gefällt mir besonders gut.» Sie würde gerne mit ihren Bildern Geld verdienen können und diese verkaufen. «Das ist mein allergrösster Traum.» Schon als Kind wollte sie eine Kunstschule besuchen, doch das Geld der Familienkasse habe dafür nicht gereicht. «Mein Vater verdiente nicht genug dafür.» So hat sie sich das Zeichnen selbst beigebracht.

Das Material bekam sie von ihrer Grossmutter geschenkt, die selbst eine talentierte Künstlerin war. Für Wawszczyk ist Beobachtung ein wichtiges Element zur Perfektionierung ihres Schaffens. Und so geht sie mit wachsamen Augen durch die Welt, mit denen sie Natur, Menschen und Umgebung betrachtet.