Grenchen
Mit der «Steinverteilung» will er auch andere an seiner Passion teilhaben lassen

Seit 40 Jahren bittet der Hobby-Mineraloge und ehemalige Lehrer Schulkinder Jörg Erzer zur «Steinverteilung» ins Haldenschulhaus. Damit will er auch die Schülerinnen und Schüler an seinem Hobby teilhaben lassen.

Daniela Deck
Merken
Drucken
Teilen
Jörg Erzer aus Grenchen sammelt leidenschaftlich Mineralien Nächsten Mittwoch verteilt er einige seiner Fundstücke wie jedes Jahr an die Grenchner Schulkinder
9 Bilder
Quarze aus Südamerika
Jörg Erzer aus Grenchen ist leidenschaftlicher Mineraliensammler
Mehrfache Versteinerung
Kristalle in Hülle und Fülle
Jörg Erzer in seinem Reich
Alles ist fein säuberlich angeschrieben
Ein schöner Brocken
Eine Sammlung von Ammoniten

Jörg Erzer aus Grenchen sammelt leidenschaftlich Mineralien Nächsten Mittwoch verteilt er einige seiner Fundstücke wie jedes Jahr an die Grenchner Schulkinder

Hansjörg Sahli

Wer bei Jörg Erzer zuhause über die Schwelle tritt, staunt. Hunderte von Kristallen, Versteinerungen und Mineralien in allen Farben sind in Vitrinen ausgestellt. Jedes Fundstück ist sauber angeschrieben, der Fundort vermerkt.

Ein schwarzer Punkt auf der Etikette besagt, dass Jörg Erzer ein Stück selbst gefunden hat. Ein roter Punkt bedeutet, dass er einen Fund selbst «zwäg» gemacht, also gereinigt und in eine präsentable Form gebracht hat. Das dazu nötige Werkzeug wie Druckluft- und Sandstrahldüse, Pinsel, Binokular und Salzsäure, ist sauber verpackt.

Die Büchergestelle voller Fachliteratur gehen zwischen den Vitrinen fast unter. Überall herrscht Ordnung, so dass sich die Besucherin eher im Museum als in einem Wohnzimmer wähnt. Nur die Vitrinen, von denen er einige selbst gezimmert und mit dutzenden von Lämpchen ausgerüstet hat, hat der Steinsammler nicht speziell gekennzeichnet.

Ein bequemes Sofa lädt zum Sitzen ein. Doch in diesem Haus an der Alpenstrasse kann man nicht still sitzen. Es gibt zu viel zu entdecken. Jörg Erzer hat sich an die Ruhelosigkeit von Besuchern gewöhnt. Er führt von Schaukasten zu Schaukasten und erzählt.

Schon als Kind gesucht

«Ich bin schon als Kind mit meinem Vater im Binntal, im Wallis, strahlen gegangen, wie das Suchen von Mineralien in der Fachsprache heisst. Ab 1960 kam dann das Suchen nach Versteinerungen dazu.»

In jenem Jahr kam der junge Dornacher als Primarlehrer nach Grenchen, wo er «hängen blieb». Seit der Pensionierung 1999 investiert Jörg Erzer einen grossen Teil seiner Zeit in sein Hobby.

Er ist Mitglied bei den Mineralien und Fossilienfreunden Solothurn, wo er sich für die Jugendförderung einsetzt. Um von unterschiedlichen Exkursionen und Vorträgen profitieren zu können, ist er auch in Biel, Basel und Aargau in den entsprechenden Vereinen Mitglied. Jörg Erzer erklärt: «Für mich ist ein Stein etwas, zu dem ich eine Beziehung aufbaue. Das gilt ganz besonders, wenn ich ihn selbst gefunden habe.»

Funde aus dem Ausland

Die Beziehung zu Steinen macht Jörg Erzer nicht zum Einzelgänger, im Gegenteil. Die Ferien und Exkursionen verbringt er mit Vorliebe in Gruppen von Gleichgesinnten. «Ich habe überall Freunde, von Madagaskar bis Spanien», sagt er lächelnd.

Seine Passion brachte ihn schon vor 40 Jahren auf die Idee, die Schulkinder an seinem Hobby teilhaben zu lassen. Er begann mit der jährlichen Steinverteilung im Haldenschulhaus. Jörg Erzer ist überzeugt: «Kinder, die sich für Versteinerungen und Mineralien interessieren, sollen die Gelegenheit haben Fundstücke nach Hause zu nehmen.» Unter seinen Freunden ist die Steinverteilung so bekannt, dass er dafür Fundstücke sogar aus dem Ausland bekommt.

Nur letztes Jahr musste Jörg Erzer die Steinverteilung aus gesundheitlichen Gründen ausfallen lassen. Kommenden Mittwoch lässt er die Tradition wieder aufleben und hofft, dass sie sich im Wettbewerb mit Computerspielen, Sportveranstaltungen und Dolcefarniente weiterhin behaupten kann.

Erinnerung an die Tourenlager

Parallel zur Steinverteilung entstand das Tourenlager. Drei Wochen der Sommerferien verbrachte Jörg Erzer in den 70er und 80er Jahren jeweils mit 25 Dritt- bis Sechstklässlern in Graubünden mit Spiel und Sport, Ausflügen und natürlich mit Strahlen.

«Ich habe jedes Jahr einen Super-8-Film über das Lager gedreht und diesen vor Beginn des Lagers im folgenden Jahr gezeigt. Das war so quasi eine Warnung, um den Kindern zu zeigen, dass es recht anstrengend wird. Wer mochte, konnte dann seine Anmeldung zurückziehen. Aber das geschah nur in Einzelfällen. Die Lager waren beliebt, bis das Haus schliesslich in den 90er Jahren zu teuer wurde und Grenchen den Vertrag kündigte.»

Gratis Steinverteilung: Mittwoch, 2. Juli im Haldenschulhaus (oberste Terrasse), pünktlich um 16 Uhr.