Hochwasser
Mit der Staumauer soll sich das Drama von Bettlach nicht wiederholen

Die Erinnerungen an das Hochwasser in Bettlach sind noch allgegenwärtig. Nun wollen die Behörden vorsorgen. Wie? Mit einer Staumauer rüstet sich die Gemeinde gegen Hochwasser.

Lucien Fluri
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Bettlach

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Grenchner Tagblatt

Friedlich plätschert der Giglerbach vor sich hin - und viele haben schon vergessen, dass das auch ganz anders sein kann. An Fronleichnam 2007 hat es die Bettlacher Bevölkerung selbst erlebt: 62,2 Liter Regenwasser fielen in einer Stunde, und der Bach trat schlagartig über die Ufer. Keller und Häuser standen unter Wasser, die Bahnhofstrasse war von einer Schlammwelle bedeckt. 3000 Kubikmeter Geröll mussten aus dem Bachlauf entfernt werden.

Vier Jahre später setzt die Gemeinde jetzt eine wichtige Hochwasser-Massnahme um. Beim Höhenweg baut sie einen Geschiebesammler. Dieser kann 1000 Kubikmeter Holz und Geröll stoppen.

Staumauer aus Stahlbeton

Am 10. Oktober beginnen die Arbeiten beim Höhenweg. Auf einer Länge von 85 Metern wird eine Geröllsperre gebaut. Kernstück ist eine Staumauer aus Stahlbeton, die 20 Meter lang und sechs Meter hoch ist. «Von der Strasse aus wird man nichts sehen», beruhigt Bauverwalter Titus Moser. Ungefähr in der Mitte ist die Mauer unterbrochen. An dieser Stelle sind drei 30 Zentimeter dicke Balken in die Mauer eingelassen. Sie halten Totholz und grössere Steine auf, lassen aber kleinere Steinbrocken weiterhin durch. «Das Geröll darf man nicht vollständig unterbinden. Sonst frisst der Bach unten aus», erklärt Moser. Das Gelände wird stellenweise etwas flacher gestaltet, damit die Schleppkraft des Baches geringer ist. In Zukunft kann ein Lastwagen das angestaute Geröll abtransportieren. Der bestehende Fussweg wird verlagert.

Gleichzeitig wird der Bachdurchlass unter dem Höhenweg komplett neu gebaut. Nicht zufällig: «2007 kam so viel Geröll herunter, dass der Durchlass versperrt wurde», erklärt Moser. Der Weg wurde unterspült, das Wasser stand 1,5 Meter über der Strasse.

Bettlachberg als Trichter

Die Gefahrenkarte der Gemeinde zeigt, wo noch Schutzmassnahmen nötig sind. Ingenieure, Geologen und die Bauverwaltung haben sie erarbeitet. Mit dem Ausarbeiten war schon 2004 begonnen worden. Die Karte umfasste das Gebiet zwischen dem Höhenweg und der Bahn. Nach dem Hochwasser wurde die Karte komplett überarbeitet. «2007 hat zur richtigen Erkenntnis geführt: Wir müssen logisch denken und ganz oben bei der Ursache beginnen», sagt Gemeindepräsident Hans Kübli. Denn oben am Flusslauf des Giglerbaches fungiert der Bettlachberg quasi als Trichter. Die Gefahrenkarte wurde danach auf das ganze Gebiet von der Quelle des Flusses bis zur Aare ausgeweitet.

Langes Verfahren

800 000 Franken kostet die Verbauung am Höhenweg. Davon muss die Gemeinde knapp die Hälfte selbst bezahlen. Das Bundesamt für Umwelt subventioniert das Projekt mit 236 000 Franken, der Kanton steuert 168 500 Franken bei. Der Geschiebesammler ist eine erste grössere Massnahme, weitere folgen.

Ende Jahr wird sich die Gemeindeversammlung nochmals mit der Finanzierung der Hochwasser-Massnahmen beschäftigen. 2007 hatte die Gemeindeversammlung zwar bereits einen Kredit über zwei Millionen Franken gesprochen. Dieser war aber nur für vier Jahre gültig - und weil die Massnahmen in dieser Zeit nicht umgesetzt wurden, muss die Gemeindeversammlung jetzt erneut einen Kredit sprechen. Grund für die lange Planungszeit sind die neue Gefahrenkarte und das Bewilligungsverfahren. Bund, Kanton, Fischerei, Jagd und Forst: Alle Instanzen waren einbezogen.

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