«So it begins!» Das legendäre Zitat von König Théoden in «Herr der Ringe» passt auf den heutigen Tag − wir haben den ersten Dezember, und damit öffnet sich das erste Türli des Adventskalenders. Obwohl es da die raffiniertesten Versionen gibt, habe ich mich immer besonders an den einfachen Kartonbildern erfreut, hinter denen ein Schöggeli oder auch nur ein kleines Bildchen wartete. Die lichterfüllten Häuschen, die schneebedeckten Dächer und der über alles gesprenkelte Glitzer waren mir eine kleine Verheissung des kommenden Weihnachtsfestes. Eine andere war das Kripplein, das im Wohnzimmer stand − unseres enthielt unter anderem ein dreibeiniges Kamel unbestimmter Herkunft − duftende Tannäste und der Adventskranz.

Adventskranz und Adventskalender sind übrigens eine eher moderne Tradition. Den Adventskalender kannte man lange nicht, und auch der Adventskranz, Erfindung eines evangelischen Theologen, bahnte sich erst im 20. Jahrhundert seinen Weg in katholische Gegenden. Dort reihte sich dafür ab Ende November ein Heiligenfest ans andere, wenn der heilige Andreas, die heilige Barbara, die heilige Katharina und natürlich der heilige Nikolaus gefeiert wurden.

Für Nachteulen brachen strenge Zeiten an, wenn die Kirche vor Tagesanbruch zur Rorate-Messe rief und die Bauern sich von ihren Höfen durch den frostigen Morgen in Richtung Gotteshaus aufmachten. Tempora mutantur: heute pilgern wir vor allem in beheizte und beschallte Konsumtempel, die Ende November zum «Black Friday» rufen und am «Cyber Monday» in die gute Stube vordringen, um uns auf der Jagd nach Geschenken, Schnäppchen und Geschenkschnäppchen zu unterstützen. Daneben reihen sich Jahresabschlussessen an Schulaufführungen, und in den Vereinen steht die Planung für 2019 an.

Bei all dem Trubel ist es gar nicht so leicht, sich in «heilige Erwartung» zu versetzen, aber neben dem, was man in den eigenen vier Wänden anstellen kann, wartet Grenchen erfreulicherweise mit eigenen Traditionen auf. Eine davon ist das Grenchner «Weihnachtfenster». Ab heute kann man sich, beginnend bei Toni Roggos «hyperspace Bikes» an der Bielstrasse 19, bis zum 24. Dezember jeden Abend auf Grenchen-Tour begeben und zwischen 17.00 und 19.30 ein liebevoll geschmücktes Fenster bestaunen – Bewirtung und fröhlichen Schwatz inbegriffen. Ein musikalisches Weihnachtsfenster öffnet heute und morgen der Leberberger Konzertchor, der in der Bettlacher Klemenzkirche mit Johann Sebastian Bach, Pauken und Trompeten um die Wette jauchzt. Am nächsten Freitag werden die Samichläuse ausgesendet, und in zwei Wochen öffnet der Grenchner Weihnachtsmarkt seine Pforten. Ich wünsche uns allen, dass wir in dieser hektischen Zeit stille Momente finden, damit das Fest auch im Herzen ankommen kann.