Lengnau BE
«Mit den Knaben zu spielen, macht härter, schneller und stärker»

Alana Burkhart spielt Fussball. Sie läuft, stellt sich frei, geht ran, ist hart im Nehmen, gibt alles und ist erfolgreich. Mit dem SC Derendingen Frauen wurde die Lengnauerin Schweizer Meisterin in der NLB.

Margrit Renfer
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Alana Kaya Burkhart im Dress des SC Derendingen, des NLB-Schweizer-Meisters.

Alana Kaya Burkhart im Dress des SC Derendingen, des NLB-Schweizer-Meisters.

Margrit Renfer

Noch keine 16 Jahre alt ist Alana Kaya Burkhart und sagt: «Momentan gebe ich alles, ich will das Beste herausholen und es wäre toll, in der Nationalliga A zu spielen.» Sie hat sich für Fussball entschieden und ist von ihrem Sport begeistert. «Ihre Bereitschaft, dem Fussball alles unterzuordnen, beeindruckt mich, das ist Leidenschaft pur» sagt die Mutter von Alana, Karin Christinat Burkhart. Die Mutter hat ihre Tochter zur Leichtathletik, ihrer eigenen ehemaligen Sportart gebracht. Alana blieb nicht dabei, entschied sich für den Fussball, trotz den zahlreichen «Näggi» an den Beinen.

Mit Fussball spielen angefangen hat Alana von klein auf zu Hause mit ihrem grossen Bruder Luca und während kurzer Zeit auch im FC Lengnau. Später ging sie ins Schwimmen, in die Leichtathletik und spielte gleichzeitig auch noch bei den E- und D-Junioren des FC Wacker Grenchen. «Mit den Knaben zu spielen, macht härter, schneller und stärker, obwohl ich damals noch nicht wirklich Fussball spielen konnte», sagt Alana.

Überraschendes Aufgebot

Im August 2011 erhielt Alana – für sie überraschend – das Aufgebot für die Regionalauswahl U13 Mädchen SKFV. Kurz darauf verletzte sie sich aber in einem Match schwer. Nach einer mehrmonatigen Verletzungspause wollte sie es dann unbedingt von der Regionalauswahl U13 in die U15 schaffen. Denn das gab ihr auch weiterhin die Möglichkeit, an den jeweiligen nationalen Auswahlturnieren mitzuspielen.

Der solothurnische Fussballverband fördert den Frauenfussball und wurde auf die Spielerin aufmerksam. Sie wechselte nach Zuchwil in die U16 Solothurn/Zuchwil, in ein reines Frauenteam. Hier hat sie sich als Innenverteidigerin einen Stammplatz erkämpft. «Im Fussball geht es bei den Männern und Frauen ums Gleiche, doch die Männer sind physisch halt einfach stärker» sagt Alana. Sie habe in den Knaben-Mannschaften viel profitiert, war aber auch immer etwas exotisch. Da würde während der Matches schon mal an den Haaren gezogen, auf die Füsse gestanden und nach dem Abpfiff müsse man schauen, wo man alleine duschen und Freude oder Frust verarbeiten könne. Doch habe es noch keinen Match gegeben, in dem sie «demoliert» worden sei.

Erstmals in reinem Frauenteam

Nach dem Aufgebot für den Sichtungstag des Frauen-Nationalteams U16 im August 2014 wechselte die U16- Spielerin frühzeitig ins U18-Team und ein halbes Jahr später, Ende Januar 2015, wurde Alana Burkhart dann zum SC Derendingen ins Frauenteam NLB geholt. Sie hat sich technisch weiterentwickelt, bekam in fast jedem Match Spielzeit und wurde nun als ganz junge Spielerin mit den Derendingen Frauen Schweizer Meisterin in der NLB.

Dieses halbe Jahr im Frauenteam, das eine Altersspanne zwischen 15,5 und 37 Jahren aufweist, hat Alana Burkhart gezeigt, dass auch Frauen körperbetont spielen, zudem ist sie psychisch gewachsen. Sie weiss, dass es heute als Frau beinahe unmöglich ist, vom Fussball zu leben. Nach den Sommerferien beginnt sie die Fachmittelschule in Biel mit dem Ziel Matura und Lehrerin.

Sie wird alles daransetzen, die Schule und vier Trainings pro Woche zu schaffen. Ihr Freundeskreis verstehe es, wenn sie so viel trainiere und oft später zu einem Anlass komme. Zudem habe sie auch im Verein gute Kolleginnen, erklärt die junge Frau. Alana kann auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Gemeinsam schauen sie auch mal mitten in der Nacht die WM-Matches des Schweizer Frauen-Nationalteams und freuen sich über attraktiven, begeisternden Frauenfussball.

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