Lärmschutz
Mit Bagger und Bohrer kämpft die Bahn gegen den Lärm

An der Grenchner Moosstrasse wird das Entwässerungssystem erneuert und Lärmschutzwände werden aufgestellt. Die Bahn kommt mit den Arbeiten so gut voran, dass noch 2012 alles fertig wird.

Patrick Furrer
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Ohne Presslufthammer geht es nicht
13 Bilder
Arbeiten an der Unterführungs-Brücke
Die Fundamente am Südbahnhof stehen bereits
Sicherheitswärter und Bauarbeiter am Boden
Schwing den Hammer hammermässig
Attention, le train arrive
Entwässerungsarbeiten vor dem Viadkukt
Tibor Gfeller informiert sich über den Baufortschritt
Projektleiter und Polier beim Fachsimpeln
Und so sieht eine Lärmschutzwand aus
Die Stadt Grenchen stellt eine Lärmschutzwand auf
Es wird gebaggert an der Riedernstrasse
Projektleiter Tibor Gfeller bei einem Notausgang

Ohne Presslufthammer geht es nicht

AZ

«Vorsicht», sagt der Projektleiter und tritt ein paar Schritte weg vom Bahngleis. Die Sirene heult dreimal, das orangefarbene Licht der Warnanlage blinkt wild um sich. Der Regionalzug aus Richtung Biel fährt vorbei – überraschend langsam allerdings.

Weil an der Moosstrasse zusätzlich das Entwässerungssystem erneuert wird, sei hier eine Langsamfahrstelle, auf der nur 50 Stundenkilometer gefahren werden dürfen, erklärt Tibor Gfeller, zuständig für die Lärmschutzwände in Grenchen. An anderen Stellen rasen die Züge auch mal mit bis zu 140 Sachen an den Bauarbeitern vorbei. Das Sicherheitsdispositiv ist keine Nebensache. Es ist immer ein ausgebildeter Sicherheitswärter vor Ort.

Seit Oktober 2011 sind die SBB in Grenchen damit beschäftigt, auf einer Strecke von 1,9 Kilometern Schutzwände gegen den von ihren Zügen ausgehenden Lärm zu bauen. Die Bahn hat vom Bundesamt für Verkehr die Auflage erhalten, landesweit die Lärmemissionen zu senken. Die Kosten in Grenchen betragen rund 5,5 Millionen Franken. Mit orangefarbenen Helmen, Leuchtwesten und – wenn es besonders heiss ist – hochgekrempelten Hosen und Sonnenbrille sind die insgesamt zwei Poliere und neun Bauarbeiter am Werk.

Enger Kontakt zu den Behörden

Wenig später, an der Ruffinistrasse: Ein Velofahrer fährt an der Baustelle vorbei, beachtet die Arbeiter kaum. Gfeller geht auf den Baumeister zu, schüttelt ihm die Hand. «Salü», sagen beide, bevor sie sich ins Fachgespräch vertiefen. Ein Bagger verräumt den Schutt in den Container. Wieder heult die Alarmanlage dreimal, ein Sicherheitswärter winkt dem vorbeifahrenden Zug zu. Der Bau der Lärmschutzwände geht gut voran, «wir sind mehr als im Zeitplan», sagt Gfeller. Das bedeutet, dass die Arbeiten wohl noch diesen Herbst beendet werden können, obwohl man ursprünglich von Anfang 2013 ausgegangen war.

192 Meter Wand entlang der Riedernstrasse wurden bereits fertiggestellt. Ebenso die knapp 500 Meter auf der Südseite des Südbahnhofs und der Moosstrasse. «Weil eine Anwohnerin uns erlaubt hat, auf ihr Land zu fahren, konnten wir einen zusätzlichen Teil tagsüber bauen, was die Nacharbeiten und damit auch die gesamte Dauer verkürzt hat», sagt Gfeller, der die Anwohnerin mit Namen nennt. Man kenne sich eben, pflege engen und guten Kontakt mit Privaten und auch den Behörden der Stadt. Weitere 1,2 Kilometer an der nördlichen Moosstrasse und der Ruffinistrasse nach dem Viadukt sind noch im Bau. An den niedrigsten Stellen werden die Wände einen Meter, an den höchsten bis zu vier Meter hoch.

K(l)eine Faust aufs Auge

An dieser Stelle verstärken die Lärmschutzwände die optische Trennung zwischen Nord- und Südseite. Um dem ein wenig entgegenzuhalten, werden optische Massnahmen ausgeführt: Aufgewertet werden die neuen Lärmschutzwände an der Moos- und Ruffinistrasse mit sogenannten Steinkörben und Steinlinsen, wo sich Kleinsttiere und Echsen einnisten können sowie mit einer Wildhecke, die in den ersten Jahren von den SBB, später von der Stadt unterhalten wird. An den meisten Orten werden normale Betonwände erstellt. Ausnahmen gibt es am Bahnhof vor dem Restaurant, wo der oberste Meter aus Glas sein wird, oder im Bereich Unterführungsstrasse respektive Brücke, wo mit Aluminium gebaut wird.

Am Ende eine gute Sache

Am Bahnhof halten die Züge einige Meter weiter östlich, seit die SBB mit dem Bau der Lärmschutzwände beschäftigt sind. Der Platz zwischen Relaishaus und «Bahnhöfli» wird für die Zufahrt der Fahrzeuge genutzt, der Veloständer wurde entfernt. Ob nach Vollendung der Arbeiten wieder der alte oder doch ein neuer Veloständer installiert wird, könne er noch nicht sagen, sagt Gfeller. Doch das Thema der Veloabstellplätze bleibt aktuell.

Zuerst gilt es aber, die Lärmschutzwände fertigzustellen. Auf Grenchen folgt Lengnau, wo man teilweise bereits mit den Arbeiten begonnen hat. Bis dahin muss noch mit Baulärm und Verkehrsbeschränkungen gerechnet werden. Letztlich aber wird es für alle wohnlicher, ist Tibor Gfeller überzeugt. «Viele Menschen warten seit Jahren darauf, dass etwas gegen den Lärm getan wird.» Selbst wenn die Höhe oder Platzierung der Wände bei Anwohnern manchmal zu Fragen führt, gehe es um doch eine gute Sache.