Flugpionier
«Mister Rundflug» hat mit Fliegen aufgehört

Der Pilot Walter Sauvain hat die Geschichte des Flughafens Grenchen miterlebt. Nach 63 Jahren als aktiver Pilot hat er seinen Pilotenschein abgegeben.

Peter Brotschi
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Walter Sauvain vor einem der Flugzeuge, mit dem er als «Mister Rundflug» viele Male in der Luft war. pgb

Walter Sauvain vor einem der Flugzeuge, mit dem er als «Mister Rundflug» viele Male in der Luft war. pgb

Solothurner Zeitung

«Ich hätte nie gedacht, dass hier einmal Jets landen werden.» Dies sagt ein Mann, der den grössten Teil der Geschichte des Regionalflughafens Grenchen miterlebt hat. 63 Jahre von den acht Jahrzehnten hat der Grenchner Walter Sauvain selber Flugzeuge gesteuert. Als «Mister Rundflug» geht er in die Flugplatzhistorie ein.

Walter Sauvain wurde zwei Jahre vor der Gründung des Flugplatzes geboren, also 1929. Als Primarschüler erlebte er die erste Blütezeit des Flugplatzes. «Wir wollten fliegen, das war das Thema unserer Jugend.»

Mit dem «wir» meint er neben seiner Person noch seine Schulkameraden Hans Kaiser und Walter Nussbaumer. Zusammen begannen sie 1939 mit dem Bau von Modellflugzeugen und schleppten das Seil von der Winde zu den Segelflugzeugen.

Einfach nah am Flugbetrieb sein, das war das erklärte Ziel des Trios. Hans Kaiser wurde später Militärpilot, starb aber erst 22-jährig in den Trümmern eines Kampfflugzeuges. Walter Nussbaumer stieg zum technischen Chef der Swissair auf.

Ein Leben für die Fliegerei

Anders verlief das Leben von Walter Sauvain. Er blieb Grenchen, der Uhrenindustrie und der Fliegerei treu. 1946 absolvierte der junge Grenchner die Grundausbildung zum Piloten in Bern-Belp, 1947 erhielt er den Führerausweis für Touristikflugzeuge.

Militärpilot konnte Sauvain nicht werden, da sein Blinddarm zum falschen Zeitpunkt platzte. Nach der Rekrutenschule, die er als Flugzeugmechaniker bei der Luftwaffe absolvierte, begann er in der ASSA zu arbeiten. ASSA-Direktor Adolf Schild, der Gründer des Flugplatzes, stellte den jungen Flieger persönlich an.

Hier wurde ihm bald einmal die Leitung der Abteilung Hartmetall-Werkzeugbau übertragen.

«Als Angestellter und Familienvater wäre für mich das Fliegen kaum erschwinglich gewesen», sagt Walter Sauvain, «deshalb musste ich meine Dienstleistungen anbieten.» Er tat dies, indem er Piloten auf neue Flugzeugtypen umschulte, vor allem war er aber im Rundflug aktiv.

Die rege Tätigkeit mit den Passagierflügen und seine Erscheinung brachten ihm den Übernamen «Mister Rundflug» ein.

Walter Sauvain war beim Fliegen stets gepflegt gekleidet, die Krawatte war ein Muss. Tausenden von Passagieren zeigte er die Schönheiten der Schweiz aus der Vogelperspektive. Hinzu kamen Schleppflüge für Segelflugzeuge, Taxiflüge und Absetzflüge für Fallschirmspringer.

Erster Start auf neuer Piste

Die Entwicklung des Flugplatzes erlebte er an vorderster Stelle mit, so als Vorstandsmitglied des Aero-Clubs Grenchen von 1951 bis 1996. Auch war er Präsident der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen von 1992 bis 2007.

Als er mit dem Fliegen begann, gab es auf dem Flugplatz nur den Rundbogenhangar von 1931, das Beizli, die Farner Flugzeugwerke und die zwei Militärhangars, die heute verschwunden sind. In guter Erinnerung ist ihm die Einweihung der Hartbelagspiste 1971: Er flog Robert Mathys, Gründer von Mathys Medical und damals VR-Präsident der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG, nach Bern-Belp.

Somit darf Sauvain für sich in Anspruch nehmen, den ersten offiziellen Start auf der neuen Piste vorgenommen zu haben. Robert Mathys flog anschliessend mit seiner Piper Navajo von Bern nach Grenchen und landete als erster Pilot auf dem Asphaltstreifen.

Ende 2010 hat Walter Sauvain nach 63 Jahren seinen Flugausweis abgegeben. Insgesamt war er 8300 Stunden in der Luft und machte über 26500 Landungen, deutlich mehr als ein Berufspilot bei der Luftwaffe am Ende seiner Karriere hat.

Abgesehen von zwei kleineren Schäden an Flugzeugen ist nie ein Unfall passiert, auch musste er nie eine Notlandung vornehmen. Das Fliegerschicksal war aber nicht für alle gleich gnädig, Walter Sauvain hat viele Freunde und Kollegen verloren. Dennoch strahlt er mit seinen fast 82 Jahren die Zufriedenheit eines Mannes aus, der das gelebt hat, was er wirklich wollte.

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