Für den Laien sieht es am Montagmorgen nicht unbedingt danach aus, als ob in nicht einmal 48 Stunden hier die Grenchner Gewerbeausstellung mit 125 Ausstellern rechtzeitig öffnen könnte. In den drei Hallen vor dem Velodrome und im Velodrome selber sind überall noch Handwerker und Aussteller daran, Wände zu verkleiden, Kabel zu verlegen, Stände aufzustellen.

In regelmässigen Abständen fahren Lieferwagen oder Anhängerzüge von Ausstellern auf den Platz vor dem Velodrome, um ihre Waren auszuladen, oder Schausteller bringen auf dem Budenmärit ihre Schaubuden in Position. Aber – und das ist das Erstaunliche am Ganzen – alles verläuft ruhig und geordnet, nirgendwo bekommt man den Eindruck, hier laufe alles «auf den letzten Drücker».

Nur gerade fünf Monate hatte man Zeit, nach dem Rückzug der mia eine neue Messe auf die Beine zu stellen. Jetzt, zwei Tage vor der Eröffnung, sei sie schon ziemlich nervös, sagt Messe-Chefin Daniela Keller von FVF Messe-Event AG aus Frauenfeld. Aber auch sehr glücklich, denn man sei im Zeitplan. Schon am Wochenende waren rund 50% der Stände aufgebaut, der Rest werde in den zwei Tagen bis zur Eröffnung auch noch fertig.

«Probleme hatten wir eigentlich keine», sagt Daniela Keller. Klar sei das Eine oder Andere nicht so gelaufen wie geplant. Beispielsweise ragt aus der Halle 1, dem Grenchner Zelt, eine Strassenlaterne, weil das Zelt einfach ein wenig zu breit und die Laterne auf den Plänen des Velodrome noch nicht eingezeichnet war. Dass aber das Zelt, welches für die Swatch-GV gestellt worden war, wieder abgebaut und für die Grega ein neues aufgestellt wurde, sei so geplant gewesen – entgegen anderslautender Gerüchte: «Wir hätten gerne eines unserer Zelte für die Swatch-GV aufgebaut, aber den Zuschlag leider nicht bekommen.»

Im Velodrome hat man mit dem Aufbau schon letzte Woche begonnen und ist sozusagen fertig. «Wir wussten vom letzten Jahr her, was da auf uns zukommt, da wir ja schon an der mia für die Infrastruktur zuständig waren», sagt Daniela Keller. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Velodrome sei auch sehr gut, betont sie.

«Sicherlich wird es auch negative Stimmen geben, aber schliesslich müssen wir nächstes Jahr auch etwas besser machen können», sagt Daniela Keller mit einem Schmunzeln.

Innerlich nervös und doch stolz

Keller ist eine erfahrene Messeleiterin. Zusammen mit ihrem Mann Sandro leitet sie die Firma. Die Familie Keller ist in zweiter Generation seit über 40 Jahren im Messegeschäft tätig. Und doch: «Innerlich bin ich sehr nervös. Es ist einfach so ruhig. Aber auch stolz: Wir kriegen nur gute Feedbacks, von Ausstellern, aber auch von Personen, die uns anfänglich äusserst kritisch gegenüberstanden. Und doch bin ich irgendwie im Zwiespalt: Haben wir Erfolg beim Publikum?»

Auch Willy Marti, der den Budenmarkt organisiert, stellt Daniela Keller ein makelloses Zeugnis aus: «Von ihr könnte sich manch einer eine Scheibe abschneiden.» Er sei auch zuversichtlich, dass nach dem letzten, verregneten Jahr dieses Jahr Petrus ein Einsehen habe.

Das ursprüngliche Ziel, mindestens 100 Aussteller nach Grenchen holen zu können, habe man erreicht und sogar übertroffen, so Keller. «Es sind nun deren 125, gleich viele wie letztes Jahr an der mia. Davon alleine 25 aus Grenchen und Umgebung, 19 von ihnen stellen im Grenchner Zelt aus.» Das freue sie ausserordentlich. «Wir werden das Grenchner Zelt auch in den Farben Rot und Weiss, den Grenchner Farben, halten.»

Etliche Neuerungen

Einige Aussteller sind neu dabei, so eine Modeboutique aus Bettlach, die Modeschauen durchführen wird. Neu ist auch, dass man teilweise eine themenbezogene Konzentration vorgenommen hat: Im Velodrome, offiziell die «Halle 2», und im Zelt beim Fussballstadion, der Halle 3, findet man Anbieter rund um Wein und Genuss nahe beieinander.

Eine Sonderschau, wie letztes Jahr die Biodiversity, gibt es nicht, dafür zwei Themenwelten: im hinteren Teil des Velodrome die Themenwelt «Hobby und Freizeit», wo sich unter anderem auch Grenchner Sportvereine, die Jugendförderung und Tanzgruppen auf einer kleinen Bühne präsentieren können – ihr eigenes Herzstück, so Keller, von dem sie sich auch für die Zukunft viel verspreche. In der Halle 3 dann alles rund um Garten – Tier – Natur, mit dem allseits beliebten Streichelzoo, vielen Attraktionen und der Leberberger Stube. Und neu ist auch der Kinderhort im Velodrome, betreut von der Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen.

Die Gastro- und Eventhalle wurde neu konzipiert, erklärt die Messeleiterin. Dort sind mehrere Anbieter fürs Kulinarische zuständig. Die Cateringfirma Fotra wird einen Raclette- und Grillstand betreiben, Fischerei Martin mit den beliebten Bielerseefischen ist auch dort angesiedelt. ALS wird typische Schweizerküche, beispielsweise Hörnli und Ghackets oder Älpler Makronen anbieten. «Leider hat das Baracoa kurzfristig abgesagt, sie hätten eine Bar betreiben sollen. Da kurzfristig kein Ersatz gefunden werden konnte, haben wir den Platz einem uns bekannten Anbieter für asiatische Spezialitäten gegeben», sagt Keller. Auf der Bühne treten tagsüber und am Abend Künstler und Bands auf, das Programm und die Technik wurde in Zusammenarbeit mit Radio 32 auf die Beine gestellt (mehr dazu in der morgigen Ausgabe).

Kellers sind für zwei Wochen im Velodrome-Hotel einquartiert. Für Daniela Keller ist das nicht immer einfach: «Mein kleiner Sohn – er ist dreieinhalb – fehlt mir schon. Wir telefonieren regelmässig und er fragt mich manchmal, ‹Mama, wann kommst Du nach Hause?›. Und wenn ich ihm dann sage, es sei jetzt halt Messe und ich müsse eine Zeit lang noch wegbleiben, meint er bloss: ‹okay›». Aber er werde zusammen mit den Grosseltern zu Besuch kommen, darauf freue sie sich.