Weshalb in Büren die Fasnacht bereits auf den Neujahrstag und den 2. Januar fällt, ist hinlänglich erforscht und allgemein bekannt, sollte man meinen. Und doch ranken sich viele Geschichten darum. In den Hornerblättern heisst es zum Beispiel dazu, das Bürener Fasnachtsbrauchtum stehe im Zusammenhang mit der einst weitherum berühmten Wallfahrtskapelle in Oberbüren, wo angeblich tote Kinder wieder zum Leben erweckt wurden und die im Anschluss an die Reformation auf Geheiss der Berner Regierung abgebrochen werden musste. Dem Städtchen entgingen so ziemlich viele Einnahmen, weshalb die Berner Regierung den Bürenern grosszügig erlaubte, an Neujahr eine «Sonderfasnacht» durchzuführen. Dass der Staat sich noch jetzt dafür revanchiert, bewies er auch in diesem Jahr, doch davon später.

Pünktlich um 5.01 Uhr trafen sich rund 40 Unentwegte zur Chesslete durchs Dorf. Unter den Narren in Feierlaune auch ein Paar aus Belgien, er gut erkennbar an der überlangen Fasanenfeder. Ob es sich um Vertreter der Partnergemeinde handelte, liess sich eruieren.

Farbenfroher Umzug

Am Nachmittag dann das grosse Bangen: Reicht es vor dem Regen für den Umzug oder werden wir nass? Vorbeugend wurden die Lautsprecher auf den Wagen in Plastik gepackt. Angeführt von der Türmliwilerzunft im schwarz-weiss karierten Cabrio – die Zunft feiert ihr 40-jähriges Jubiläum – zogen rund 17 Gruppen durchs Stedtli und sorgten beim zahlreich erschienenen Publikum für manches «Ah» und «Oh».

Das Motto «Mir rächne ab» bezog sich wohl auch auf die Wahlen und die Politik im Dorf, die allerdings nur vereinzelt thematisiert wurden. «D’ Gmeindrät chöi guet furze, ar Gmeindsversammlig zieh si e Churze», war am Schwingerwagen mit dem Thema «Unspunne 2017» zu lesen. An der Bar von «Timmy and the Pornflakes» zapfte Donald Trump himself das Bier. Man konnte sich aber auch einen «Café Melania» genehmigen. Mit deftigen Sprüchen – «Hillary sucks», «NoBillag», «We love Putin», «No Büetiger Huus» vermischte man hier clever Welt- mit Stedtlipolitik.

Am Umzug traten neben den Lokalmatadoren, den Houzbrügg-Fägern, auch Gastguggen auf. So die «SOlection», eine Formation, die es nur am Büre Nöijohr gibt, aber auch Gäste: die «Tönlipicker» aus Biel, die «Provokante» von Binningen und die «Randehüüler» aus Beringen. Star Wars-Figuren aus dem neuen Film waren mit dem neuen Roboterli «BB-8» unterwegs, ein Piratenschiff segelte die Kreuzgasse hinunter. Kinder der Schule Büren zogen als Schneemänner und -frauen verkleidet durchs Stedtli. Die 5. bis 9. Klasse präsentierte zusammen mit dem Elternrat zahlreiche zwinkernde, grinsende oder wütende Smileys. Konfetti durften natürlich nicht fehlen, das Publikum wurde damit eingedeckt – und das nicht zu knapp. Sei es mit Konfettikanonen vom Wagen oder ganz klassisch von Hand.

Der Fussballklub thematisierte die kommende WM und diejenigen prominenten Mannschaften, die sich nicht hatten qualifizieren können und sich stattdessen dem süssen Nichtstun hingeben, während die Schweiz Brasilien mit 3:0 schlägt. Die Grenchner Stadtratten statteten dem Stadtli einen Besuch ab. Besonders eindrucksvoll: Eine Delegation von schaurig schönen Maskenträgern, den «Wiggertaler Tüüfle» marschierten durch Büren.

Gruselige, kunstvolle Masken zum Fürchten und zwei Flammenspeier sorgten für grosse Augen. Grosse Augen durfte übrigens auch mancher Besucher gemacht haben, als er zum Parkplatz beim Bahnhof zurückkehrte. Die Kantonspolizei machte ihrem Ruf als «Freund und Helfer» schon am ersten Tag des Jahres alle Ehre und verteilte fleissig Bussen. Wie bereits erwähnt: Der Staat revanchiert sich noch immer.