Reisen
Mieses Wetter: Reisebüros ertrinken in Arbeit wegen Spontanbuchungen

Die Reisebüros in der Region haben derzeit so viel zu tun wie schon lange nicht mehr. Verantwortlich dafür sind das nasse Wetter und die tiefen Temperaturen der letzten Tage, aber auch die günstigen Wechselkurse für Euro und Dollar.

Oliver Menge
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Bei Rolf Probst, Geschäftsführer von Vasellari Reisen, steht die Beratung im Vordergrund. om

Bei Rolf Probst, Geschäftsführer von Vasellari Reisen, steht die Beratung im Vordergrund. om

Solothurner Zeitung

«Nein, eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit, um mit Ihnen zu reden, ich ertrinke fast in der Arbeit.» Rolf Probst, Geschäftsführer bei Vasellari-Reisen in Grenchen, hat alle Hände voll zu tun. Sehr viele kurzfristige Anfragen für Spontanferien landen auf seinem Pult. Vor allem Kurzdestinationen am Mittelmeer sind gefragter denn je. Griechenland, Spanien, Mallorca, die Türkei und die Kanarischen Inseln werden von vielen Kunden gewünscht. Dafür macht Probst einerseits das nasse Wetter und die für die Jahreszeit doch eher tiefen Temperaturen der letzten Tage verantwortlich, andererseits seien auch die günstigen Wechselkurse bei Dollar und Euro hilfreich. «Das Wetter veranlasst die Leute, entweder jetzt spontan an die Wärme zu wollen oder auch schon relativ früh grössere Reisen oder entfernte Destinationen für die Herbst- und Winterferien zu buchen.»

Auch Barbara Vorpe, Kundenbetreuerin bei Kuoni Reisen am Marktplatz, bestätigt, dass vor allem in der letzten Woche mehr Anfragen für Reisen an die Sonne getätigt wurden. Im Vordergrund stehen dabei auch bei Kuoni, Reisen in den Mittelmeerraum, die Kanarischen Inseln, die Balearen und – bei Familien seit Jahren ein Renner – die Südtürkei.

Last Minute ist nicht mehr billig

Allerdings relativiert Vorpe: «Last Minute gleichsetzen mit billig, das war einmal. Die Flugkapazitäten haben in den letzten Jahren stetig abgenommen, und darum sind die billigen Flüge meist schon ausgebucht.» Bei den Hotels sehe es ähnlich aus, fast alles im günstigen Segment sei ausgebucht. Sie finde für Kurzentschlossene zwar immer eine Lösung, aber die sei dann meistens nicht billig. Viele Kunden suchten Angebote für unter 1000 Franken, aber diese Angebote seien meist ausgebucht. Sogar für Leute, die mit dem eigenen Auto einfach Richtung Südfrankreich fahren wollten und bei Kuoni bloss die Appartements oder Hotels auf dem Weg buchen wollten, sei es jetzt fast aussichtslos, noch gute Angebote zu finden.

Politische Wirren zeigen Wirkung

Im Mittelmeerraum habe aber eine gewaltige Umwälzung stattgefunden, sagt Probst vom Reisebüro Vasellari: Die klassischen Feriendestinationen Marokko und Tunesien seien praktisch ganz weggefallen. Zwar gebe es immer noch sehr günstige und gute Angebote aus diesem Gebiet– die Preise seien zum Teil sogar massiv gefallen –, aber diese Destinationen seien bei der Kundschaft nicht mehr gefragt. Die politische Lage dort erscheine wohl den meisten als zu unsicher, sagt Probst. «Der Kunde muss entscheiden, ob er ein solches Land bereisen will oder nicht. Und wenn schon zu Beginn ein mulmiges Gefühl da ist, dann rate ich in der Regel, die Finger davon zu lassen. Denn die Verantwortung könnten wir nicht übernehmen, sollte etwas passieren.» Ägypten, eine ehemals sehr beliebte Feriendestination, hat ebenfalls eine Revolution hinter sich. Auch hier sei der Markt eingebrochen, sagt Probst, wenn auch nicht in gleichem Masse wie in Tunesien und Marokko. Für die Herbstferien habe er schon einige Anfragen erhalten. Barbara Vorpe liefert noch ein anderes Argument: Im Sommer sei es da einfach viel zu heiss, sie könne Ferien dort zu dieser Jahreszeit nicht empfehlen. Aber auch bei Kuoni würden schon jetzt Herbst- und Winterferien in Ägypten gebucht.

Kreuzfahrten sind im Trend

Bei beiden Reisebüros ist ein grosser Zuwachs von Kreuzfahrten zu verzeichnen, bei Vasellari sind es doppelt so viele als im Jahr zuvor. «Ich empfehle meinen Kunden, die sich nicht für eine bestimmte Destination entschliessen können oder wollen, auch Mittelmeer-Kreuzfahrten, die schon unter 1000 Franken zu bekommen und oft kurzfristig verfügbar sind.» Diese Angebote seien so günstig, weil die Schiffe noch nicht voll ausgebucht seien und die Gesellschaften die verbliebenen Plätze sehr günstig abgäben.

Auch bei Kuoni verzeichnet man einen Zuwachs bei Kreuzfahrtbuchungen. «Die Kreuzfahrten laufen sehr gut und kommen immer mehr. In Grenchen werden vom Preis her eher die Mittelklasse-Kreuzfahrten im Mittelmeer gebucht», erklärt Barbara Vorpe.

Wechselkurse verbilligen Reisen

Das Reisebüro Vasellari erhält deutlich mehr Anfragen für Amerika-Reisen als noch vor einem Jahr. Das hänge sicher mit dem günstigen Dollar-Kurs zusammen, meint Probst. Ob Kalifornien-Rundreisen oder Florida, die Zunahme sei spürbar. Bei Kuoni spürt man den Zuwachs ebenfalls. «Seit dem Präsidentenwechsel läuft das Geschäft mit Amerika sowieso besser», sagt Barbara Vorpe. Momentan würden Herbstferien gebucht, aber es sei bereits jetzt schwierig, Flüge zu finden. Die «Hits» seien Kalifornienreisen mit den Nationalparks, Florida und Städtereisen nach New York, San Francisco, Los Angeles und San Diego.

Der tiefe Eurokurs habe auch einen grossen Einfluss auf entferntere Destinationen, die von den Kunden für die Winterferien gebucht würden, sagt Probst. Bei den deutschen Anbietern, mit denen er zusammenarbeite, seien die Preise stark gefallen. So könne man auch hier günstige Angebote finden.