Erneut muss die Region Solothurn einen Stellenabbau verkraften. Die in Grenchen angesiedelte Präzisionsteileherstellerin für die Autoindustrie streicht 50 der bestehenden 120 Arbeitsplätze.

Zwar werde versucht, den Abbau über die natürliche Fluktuation aufzufangen; aber voraussichtlich werde es trotzdem zu über 40 Entlassungen kommen, erklärt Geschäftsführer Bruno Rambaldi. Die ersten zwei werden noch im Februar ausgesprochen. Der Abbau soll etappenweise über die nächsten 16 Monate erfolgen.

«Anhaltend grosser Preisdruck»

Grund für den Kahlschlag sei der «anhaltend grosse Preisdruck durch die Kunden, sprich die relativ wenigen europäischen Autohersteller», sagt Rambaldi. Den Einwand, dass die Autowirtschaft gar nicht so schlecht laufe, lässt er nicht gelten.

Die Branche habe sich seit der tiefen Krise in den Jahren 2009 und 2010 zwar tatsächlich leicht erholt. Aber unter der damaligen Baisse hätten fast alle Zulieferbetriebe gelitten und angesichts der Überkapazitäten seien die Preise um 20 bis 25 Prozent gesunken.

Hinzu gekommen sei für Schweizer Zulieferer noch der Nachteil wegen des starken Frankens, was insgesamt die Marge gegen Null drückte. «Und wenn die Preise einmal gesunken sind, lassen sie sich praktisch nicht mehr nach oben korrigieren», begründet Rambaldi, warum die leichte Erholung keinen Einfluss auf die Margensituation habe.

Produktion in Tschechien

Deshalb hat die Michel AG im tschechischen Brno eine Tochtergesellschaft gegründet und ein neues Werk errichtet, wie der Geschäftsführer ausführt. «Dorthin werden wir nun einen Teil der Produktion verlagern.» Der Transfer habe bereits begonnen. Im Endausbau sollen dort 60 Mitarbeitende beschäftigt werden.

Die Verlagerung erinnert fatal an den Fall Scintilla in Zuchwil, die ihre Produktion von Elektrowerkzeugen nach Ungarn auslagern will. In beiden Fällen ist klar: Die Fertigungskosten von Massengütern sind in Osteuropa deutlich tiefer. Die Michel AG hat die Auslagerung übrigens bereits im vergangenen Sommer angekündigt. Schon damals wurde zehn Angestellten gekündigt.

Für die jetzt von der Kündigung Betroffenen sei ein Sozialplan ausgearbeitet worden. Zudem werde ein Jobcenter errichtet. Offenbar ist der Sozialplan nicht üppig ausgestaltet. Denn das Konsultationsverfahren sei zwar gesetzeskonform mit der Bettriebskommission und der Gewerkschaft Unia durchgeführt worden. «Eine Einigung wurde aber nicht erzielt», gesteht Geschäftsführer Bruno Rambaldi ein.

Grenchen soll Standort bleiben

Die Produktionsstätte in Grenchen soll nicht aufgegeben werden. Im Gegenteil. «Wir sind überzeugt, dass mit dieser Massnahme die langfristige positive Entwicklung des Unternehmens in einem äusserst kompetitiven Umfeld gesichert werden kann», heisst es in der Medienmitteilung in schönster Managersprache.

Die 1898 gegründete Firma wurde 2008 vom Uhrenkonzern Swatch an die Delsberger Holdingfirma Ferton verkauft. Der privat gehaltenen Gruppe gehören noch zwei weitere Industriefirmen in der Romandie an.