Wer den Friedrich-Glauser-Preis (2012 für «Rütlischwur») zugesprochen erhielt, muss kriminal-literarisch etwas auf dem Kasten haben. Michael Theurillat stellt dies mit seinem in der Uhrenstadt angesiedelten Kurzkrimi eindrücklich unter Beweis. Ein Mittagessen, ein Kurzbesuch in der Stadt, ein paar Begegnungen und Telefonate reichten ihm, um eine bissig-ironische Geschichte voll Spannung zu erfinden, die in ein sprachlich äusserst fein gewirktes Gewand gekleidet ist.

Fatale Uhr

Mit dem Anfangssatz «Wir werden aus Grenchen wieder eine Stadt machen» holt der Schriftsteller, der überdies ein ausdrucksstarker Vortragender ist, das Publikum treffsicher ab. Ausgesprochen werden diese Worte von Irène Aebersold, der umtriebigen neuen Leiterin für Standortmarketing. Grenchens Entscheidungsträger schätzen sich glücklich, diese «Zürcher Rampensau mit den grau-blauen Augen», die zudem in der Tourismusszene den Kultstatus einer Pipilotti Rist besitzt, in die Uhrenstadt geholt zu haben. Diese allerdings lockt nicht die provinzielle Beschaulichkeit, sondern die Aussicht auf Rache. Das Opfer: ihr ehemaliger Geliebter Kurt Randegger, Wirtschaftsjournalist beim Tagesanzeiger. Mit der Aussicht auf eine heisse Story wird dieser in die Eta gelockt, wo ihn Chefentwickler Jules Cornu mit dem neusten Uhrwerk «Grande Complication» beschenkt, einer Verbindung aus alter Uhrmacherkunst und modernster Chiptechnologie, die den Träger auf alles Mögliche wie Zug-Abfahrtszeiten, Essenszeiten, Meetings, Wetterumstürze oder gar Tsunamis hinweist. «Sie tickt exactement so wie Sie», klärt ihn der Romand Cornu auf. Der selbstgefällige Randegger erkennt zu spät die tiefere Bedeutung der Tatsache, dass die Uhr zudem auf seine Lebenszeit eingestellt ist. «Ping!» «Ping!» tönt die eingebaute «Sonnerie» unheilschwanger und bereitet das Publikum auf die letzten Minuten im Leben des Journalisten vor. Die von Irène Aebersold brillant gestellte Falle schnappt schliesslich am Bahnhof-Süd zu.

Michael Theurillat hat eine spannende Fiktion geschrieben, die augenzwinkernd auf die Uhrenstadt blickt, ohne diese und ihre Einwohner jedoch der Lächerlichkeit preiszugeben. Dabei betonte der Schriftsteller an der Lesung ausdrücklich, dass es sich um eine Fiktion handle und er mit den Geschehnissen um die tatsächliche Leiterin des Standortmarketings in unserer Stadt rein gar nichts zu tun habe.

Auch Petra Würth überzeugte

Einen wesentlichen Beitrag zu einem vergnüglichen Krimiabend leistete zudem Petra Würth. In ihrer Kurzgeschichte «Frei sein» übt auch sie Rache an einem untreuen Geliebten, allerdings mit einem Opfer, das sich eigentlich nichts zuschulden hat kommen lassen ausser der Tatsache, dass es dem Ungetreuen zum Verwechseln ähnlich sieht. Zudem stellte sie auch Pia Petry vor, die frech-chaotische Heldin ihrer Krimigeschichten. Die vorgetragene Passage aus «Rache ist giftig» zeugt von einer Erzählkunst der gehobenen Klasse, die mit viel Verve und einer gehörigen Portion witziger Ironie daherkommt.